Die Corona-Impfungen sollen der Pandemie ein Ende setzten, bis es soweit ist, müssen aber Risikopatienten weiter geschützt werden. Dies könnte mit Massentests für Altersheimangestellte erreicht werden. (Bild: Keystone)
Schweiz

Werden Altersheim-Bewohner genügend geschützt?

Die Impf-Kampagnen in den Altersheimen haben gestartet, aber die neue Mutation aus England macht die Situation prekärer: Wie sicher sind die Bewohner?

Im Tessiner Balerna haben sich drei Viertel der Altersheimbewohner mit der Coronavirus-Mutation aus Grossbritannien angesteckt. Innert kürzester Zeit soll sich die hochansteckende Variante des Virus in der Residenz verbreitet haben.

Das lässt sorgen: Bisher war jeder zweite Todesfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus vorgefallen. In diversen Kantonen sind es aber deutlich mehr: Unter anderem im Baselbiet, wo 80 Prozent der Corona-Todesfälle sich in Altersheimen ereigneten. Hinzu kommt die Dunkelziffer all derer, die zwar in einem Heim lebten, dann aber im Spital sterben, wie die «Basler Zeitung» berichtet.

Bundesrat und Kantone zögern

Trotz den hohen Zahlen hat der Bundesrat noch kein Testobligatorium für die Pflegekräfte in Altersheimen verfügt. Dabei könnte regelmässiges Testen helfen in der aktuellen Situation. In der «Samstagsrundschau» von Radio SRF erläuterte Bundespräsident Guy Parmelin: Die Politik sei in der ersten Welle dafür kritisiert worden, dass sie die Heime möglicherweise rechtswidrig ganz abgeschottet habe. Gesundheitsminister Alain Berset (SP) verlangte in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» derweil von den Kantonen eine neue Strategie mit mehr Massentests: «Sinnvoll ist das zum Beispiel in Altersheimen, Schulen oder Hotspots.»

Auch die Kantone ordnen aber keine neuen Strategien für die Altersheime an: Der Präsident Gesundheitsdirektoren Lukas Engelberger (CVP) sagt: «Tests müssten regelmässig vorgenommen werden, was in diesen grossen Mengen organisatorisch kaum zu bewältigen und damit nicht realistisch wäre.» Der Basler Regierungsrat fürchtet zudem, ein solcher Schritt würde in die Grundrechte des Personals eingreifen: «Das scheint mir kein angemessener Umgang mit dem Personal zu sein.»

Im Baselbiet griff man derweil auf die Massentests in Heimen zurück, nachdem zum Jahreswechsel die prekären Todeszahlen aus Altersheimen bekannt worden. 1200 Heimangestellte wurden zum Jahreswechsel getestet. Die Zahl der Ansteckungen sank danach deutlich.

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