Der in Basel geborene, frühere EWR-Chefunterhändler Franz Blankhart starb am Sonntagnachmittag. (Archivbild: Keystone)
Basel

Früherer EWR-Chefunterhändler Frank Blankart stirbt mit 84

Franz Blankart ist tot. Der Basler und frühere EWR-Chefunterhändler starb im Alter von 84 Jahren.

Der ehemalige Staatssekretär Franz Blankart ist am Sonntagnachmittag im Alter von 84 Jahren gestorben. Seine Ehefrau Anne bestätigte den Hinschied auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Blankart war unter anderem Chefunterhändler für die EWR-Verhandlungen.

Ihr Ehemann sei nicht an Covid-19 gestorben, präzisierte Anne Blankart. Blankart war in zweiter Ehe verheiratet und hatte zwei Kinder. Er war Mitglied der FDP Schweiz und Oberst in der Schweizer Armee.

Blankart war 1986, als Kurt Furgler Chef des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements (EVD) war, zum Staatssekretär und Direktor des Bundesamtes für Aussenwirtschaft (Bawi), heute das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), ernannt worden.

Der in Basel promovierte Philosoph trat 1965 in den diplomatischen Dienst ein und war Privatsekretär der SP-Bundesräte Willy Spühler und Pierre Graber. Von 1973 bis 1980 leitete er das Integrationsbüro EDA/EVD, wechselte dann als Botschafter bei der Efta und beim Gatt nach Genf und wurde später Delegierter des Bundesrates für Handelsverträge.

32 Abkommen ausgehandelt

Blankart hat insgesamt 32 Abkommen als Delegationschef ausgehandelt. Er war schon bei der Aushandlung des Freihandelsabkommens Schweiz-EWG 1972 dabei. Später war er Chefunterhändler für das Versicherungsabkommen Schweiz-EG und für die EWR-Verhandlungen und Verhandlungsleiter für die Uruguay-Runde des Gatt.

Für die bilateralen Verhandlungen mit der EU nach dem Nein zum EWR wurde dann EDA-Staatsekretär Jakob Kellenberger als Chefunterhändler eingesetzt. Blankart hatte Anfang Mai 1998 aus eigenen Stücken seine Demission auf Ende November des gleichen Jahres bekannt gegeben. Seine wohl grösste Niederlage hatte der erfahrene Chefunterhändler mit der Ablehnung des EWR durch das Schweizer Volk erfahren.

Als Grund für seinen vorzeitigen Rücktritt nach 33 Jahren in Bundesdiensten hatte er angegeben, dass sich in zwei wichtigen Amtsbereichen neue Entwicklungen anbahnten, die er zwar noch beginnen, aus Altersgründen aber nicht mehr abzuschliessen vermöchte. Blankart war damals 62 Jahre alt.

Der Schweizerische Handels- und Industrie-Verein (Vorort) würdigte damals den scheidenden Chef-Diplomaten, er habe mit Mut auch für einen freien Marktzugang in Bereichen gekämpft, wo es Widerstände gebe wie etwa in der Landwirtschaft. Er habe sich stets für eine konsequente Ordnungspolitik und für offene Grenzen eingesetzt.

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