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Der Telebasel News Beitrag vom 17. Januar 2021.
Basel

Angebote für trans Menschen boomen

Seit wenigen Wochen gibt es nun auch im Baselbiet eine Sprechstunde für trans Menschen. Solche Angebote in der Region sind äusserst begehrt.

Am Zentrum für psychische Gesundheit in Binningen gibt es eine neue Sprechstunde verortet. «Es braucht unser Angebot, weil die Nachfrage extrem gross ist», sagt Patrick Gross. Zusammen mit Sebastian Thrul leitet der Psychologe die Sprechstunde für Transidentität und Geschlechterfragen. Die beiden bieten etwa Beratungen für das Coming-Out als trans* an, aber auch Unterstützung bei Fragen der Geschlechtsidentität. Trans zu sein bedeutet, sich nicht mit dem Geschlecht zu identifizieren, das einem bei der Geburt zugewiesen wurde.

Vor rund 15 Jahren begann Gross, sich auf die Thematik der trans Menschen zu spezialisieren. Dann kam die Psychiatrie Baselland auf ihn zu und die Sprechstunde wurde ins Leben gerufen. Gross: «Wir wollen in erster Linie einen sicheren Raum schaffen.» Ein Raum, in dem offen über die Transidentität der Klient*innen gesprochen werden kann. Der öffentliche Raum ist oft nicht sicher für trans Menschen.

Mit viel Ablehnung konfrontiert

«Diskriminierung, Ablehnung und Gewalt erfahren trans Menschen sehr oft», sagt Gross. Die Zusammenarbeit mit externen Akteuren, etwa dem Transgender Network Switzerland, wird gross geschrieben. Aktuell habe die Stelle 20 Klient*innen. Der Leiter der Sprechstunde rechnet damit, dass man in rund zwei Monaten bereits an die Kapazitätsgrenze kommt.

Denn: Angebote für trans Menschen sind in der Schweiz rar. Seit 2015 gibt es aber in Basel-Stadt ein ähnliches Angebot: Die Abteilung Schwerpunkt für Geschlechtervarianz des Universitätsspital Basel.

Die Nachfrage steige exponentiell, sagt David Garcia, Leiter Schwerpunkt Geschlechtervarianz, «aktuell warten 40 Personen auf einen Ersttermin.» Diese 40 Menschen müssen sich noch lange gedulden – erst Mitte Mai sind wieder Termine verfügbar. Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie baute das Angebot in Basel auf. Schweizweit ist es einzigartig, zu Garcia kommen Menschen aus der ganzen Schweiz.

Dringend nötiges Angebot

Im Gegensatz zur Sprechstunde in Binningen wird neben der psychologischen auch medizinische Unterstützung angeboten. Etwa eine Geschlechtsangleichung, die dafür sorgt, dass der Körper der Geschlechtsidentität, also dem erlebten Geschlecht, angepasst wird. Das Angebot in Baselland sei aber niederschwelliger.

Die Beratungsangebote sind bitter nötig. Rund 0,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in der Schweiz sind trans. Immer wieder begegnet Garcia Ablehnung – auch innerhalb des Universitätsspital. Doch man müsse sich dem Thema widmen. Die Suizid-Rate bei Menschen mit einer Geschlechtsdysphorie ist sehr hoch. «Das Thema zu ignorieren heisst, viel leiden und Tod in Kauf zu nehmen.»

Deshalb müsse man deutlich mehr Angebote schaffen. Einerseits grosse Zentren, aber auch kleinere, lokale Anlaufstellen. Es könne nicht sein, dass Menschen aus dem Tessin für ein 45-minütiges Gespräch aus Mangel an Alternativen nach Basel reisen müsse. Trans-Aktivist*in Sascha Rijkeboer begrüsst die Erweiterung des Angebotes.

Verbesserung der Situation

«Es ist sehr wichtig für trans Menschen», sagt Rijkeboer. Noch heute würden Anliegen dieser Bevölkerungsgruppe zu kurz kommen. Aber man sei auf dem aufsteigenden Ast. Die neue Sprechstunde in Binningen sei ein gutes Zeichen für die Entwicklung. Doch solche Angebote alleine würden nicht reichen.

Rijkeboer betont: «Es muss auch in der Gesellschaft mehr thematisiert werden.» Denn: trans Menschen würden weiterhin oft nicht respektiert. Oft würden cis Menschen (Menschen, die sich mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde) sich einfach etwas vorstellen, aber gar nicht hören wollen, was trans Menschen brauchen würden. Doch Besserung ist in Sicht.

Über Rijkeboer wurde ein Film produziert, der den Basler Filmpreis gewonnen hat. «Being Sascha» ist noch bis zum 1. Februar 2021 online verfügbar.

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