Nach nur zehn Minuten war die Impf-Anmeldung am Freitagmorgen im Baselbiet wieder geschlossen. 3'000 der begehrten Termine waren weg. (Bild: Keystone)
Baselland

Krisenstab zur Impf-Anmeldung: «Es ist eine IT-Lotterie»

Systemprobleme und Telefonwarteschlaufen sorgen bei der Impf-Anmeldung im Baselbiet für Ärger. «Wir haben schlicht zu wenig Impfdosen», sagen die Behörden.

3’000 neue Impftermine waren am Freitag im Baselbiet offen: Nach zehn Minuten waren alle Termine vergeben. Die Website war am Freitagmorgen, 15. Januar, dermassen überlastet, dass die Impf-Anmeldung erst rund eineinhalb Stunden nach dem offiziellen Start überhaupt möglich war.

60’000 Menschen hatten versucht, einen Impf-Termin zu ergattern. Die Enttäuschung bei den Menschen, bei denen es nicht geklappt hat, ist gross. Ein Telebasel-User, bei dem die Impf-Anmeldung klappte, meldete sich am Samstag bei Telebasel.

Er habe seine Frau, eine Hochrisikopatientin, anmelden wollen, schildert der Leser, der anonym bleiben möchte. «Zunächst hat die Anmeldung funktioniert. Wir haben eine Registrierungsnummer erhalten und den Hinweis, wir würden in Kürze einen Termin erhalten. Dieser ist aber nie gekommen.» Für eine Bekannte hätte der Mann ebenfalls die Anmeldung gemacht: «Sie ist über 75 Jahre alt und bei ihr hat es sofort geklappt. Das Bestätigungsmail kam umgehend».

«Es ist eine IT-Lotterie»

«Wir verstehen es nicht. Was sind die Regeln? Es ist nicht klar. Für uns wirkt es so, als würde der Kanton doch nur Personen über 75 Jahre zum Impfen zulassen, obwohl die Behörden gesagt hatten, auch Menschen aus der Hochrisikogruppe kämen zum Zug», sagt er im Gespräch mit Telebasel. «Wir haben widersprüchliche Informationen erhalten.» Er sei mit den Behörden noch im Gespräch, diese prüften derzeit, ob es einen Systemfehler gab.

Aus seiner Sicht werde aber nicht klar kommuniziert, sagt der Leser: Er habe von mehreren ähnlichen Fällen mit Risikopatienten gehört. «Risikopatienten werden mit dem Anmelde-Verfahren vertröstet. Es ist eine Schein-Anmeldung», klagt er an.

Rolf Wirz, vom Informationsdienst des Kantonalen Krisenstabs, wehrt sich auf Anfrage von Telebasel gegen die Vorwürfe. Die Anmeldung sei für Menschen über 75 Jahre und Menschen mit chronischen Krankheiten gleichermassen offen. «Wir machen hier keine Unterschiede. Es ist eine IT-Lotterie. Wenn gerade ein Slot frei ist, kommen die Menschen rein», erläutert Wirz.

Das Problem ist bekannt

Dass es mit der Registrierungsnummer nicht geklappt habe, sei öfter vorgekommen, bestätigt Rolf Wirz. «Das Problem ist nicht neu. Das System hat die Bestätigung mehrfach nicht ausgelöst.» Die Vorwürfe, dass es sich dabei nur um Hochrisikopatienten handle, weisst Wirz entschieden zurück. Personen ab 75 Jahren würden nicht priorisiert. «Es ist ein Systemproblem. Das System unterscheidet nicht zwischen Menschen über 75 Jahren und Hochrisikopatienten.»

Wichtig sei, dass sich die Leute am richtigen Ort melden. «Am besten schreiben Betroffene eine Mail an die Adresse impfen@bl.ch. Dort sind die Leute, die Zugriff auf das System haben und weiterhelfen können.» Rufe man beispielsweise auf der falschen Nummer beim Kanton an, könne es sein, dass die Mitarbeitenden nicht Auskunft geben könnten. Möglicherweise sei im vorliegenden Fall so eine Fehlkommunikation entstanden.

Ein weiterer wichtiger Punkt: «Die Menschen müssen darauf achten, dass sie die richtige Email-Adresse angeben. Manchmal kommt die Bestätigung auch nicht an, weil eine falsche E-Mail-Adresse angeben wurde».

«Wir haben schlicht zu wenig Impfdosen»

Bei den Behörden seien viele Beschwerden eingegangen. «Wir haben 60’000 Anfragen und 3’000 Impftermine zu vergeben. Wie sollen wir das priorisieren? Wir haben schlicht zu wenig Impfdosen. Wir können nicht mehr Termine vergeben, als wir Impfstoffe haben. Das verstehen viele Menschen nicht.»

Den Frust der Betroffenen könne er nachvollziehen. «Es ist auch für uns frustrierend. Es ist eine einfache Rechnung: Wir haben zehn Schoggistängeli und 30 Kinder – nicht alle können eines kriegen. Schoggistängeli könnte man zumindest aufteilen, aber bei den Impfdosen geht das nicht.»

Der Kanton könne nicht mehr Termine vergeben, als Impfdosen vorhanden seien. «Das wäre hochgradig unseriös», so Rolf Wirz. Kapazitäten gäbe es genug. Allein in Muttenz könnten täglich 1’000 Menschen geimpft werden. Am Montag, 18. Januar, öffnet das Impfzentrum in Lausen: Dann wären eigentlich weitere 1’000 Impfungen pro Tag möglich.

Geduld am Telefon strapaziert

Kritik gibt es auch am telefonischen Anmeldeprozess. Eine Leserin meldete sich wie folgt bei Telebasel: «Wenn die Termine zum Anmelden schon nach zehn Minuten weg waren, finde ich es nicht ok, dass die Ansage um 10 Uhr immer noch ist, man solle nicht auflegen, sobald ein Mitarbeiter frei sei, könne die Anmeldung gemacht werden».

Am Telefon wurden rund 200 Termine vergeben, erläutert Rolf Wirz. Die Anmeldung sei bei den Telefon-Leitungen tatsächlich länger möglich gewesen, aber: «Man kommt in eine Warteschleife. Wenn jemand der Zwanzigste in der Warteschleife ist und es nur für 18 Personen reicht, hat man auch hier Pech gehabt. Es ist auch hier der Zufall, der entscheidet.» Auch telefonisch gehe das nicht einfacher oder schneller. «Wir haben nicht 2’000 Mitarbeitende für die Hotlines zu vergeben», so Wirz.

Der Kanton habe Aussicht, weitere Impfdosen zu erhalten. Diese werden vom Bund verteilt. Sobald wieder Termine zu Verfügung stünden, wollen die Behörden informieren. Dazu können sich Interessierte beim Kanton für einen Newsletter anmelden. Telebasel hält Sie diesbezüglich ebenfalls auf dem Laufenden, genau so wie zu den wichtigsten regionalen und überregionalen Entwicklungen zur Corona-Pandemie.

6 Kommentare

  1. Wir haben ebenfalls eine Registrierungs-Bestätigeng erhalten aber ohne Nummer und dann nichts weiter. Mein Mann ist Hochrisikogruppe. Nachfrage bei der E-Mail impfen@ kam die Antwort: die Server sind überlastet, eine Bestätigung kann bis zu 6 Stunden brauchen. Bis Samstag Abend noch nichts erhalten.Report

  2. Mir würde nach der Registrierung ebenfalls mitgeteilt, dass ich zwecks Termin kontaktiert werde und nichts ist passiert, sehr ärgerlich.Report

  3. Bin 82jährig Hochrisikopatient und es ging mir genau wie beschrieben !Man könnte dies wirklich änderst organisieren es wäre genug Zeit vorhanden bis der nächste Impfstoff kommt. Ganz miserabel Geordnet von den zuständigen Behörden.
    V. MartinReport

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