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Die Fachexperten des Bundes über die aktuelle Coronalage. (Video: Youtube/Der Eidgenössiche Bundesrat)
Schweiz

Task Force-Ackermann: «Alles was wir heute tun, hilft uns in den nächsten Wochen»

In der Schweiz ist die Zahl der Ansteckungen mit den neuen Virusvarianten weiter angestiegen. Am Donnerstag waren 160 Fälle der ansteckenderen Formen bekannt.

Am Dienstag, 12. Januar 2021, waren es noch 127 Fälle mit Mutationen gewesen. Nachgewiesen seien 120 Fälle mit der Variante aus Grossbritannien und 6 Fälle mit der Variante aus Südafrika. 34 Fälle hätten noch nicht einer der beiden Gruppen zugeordnet werden können, sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim BAG, am Donnerstag vor den Bundeshausmedien.

Diese Entwicklung sei zu erwarten gewesen, und sie sei besorgniserregend. Der Druck auf das Gesundheitswesen sei seit Monaten am Rande dessen, was machbar sei.

Task Force verteidigt Corona-Massnahmen aus wirtschaftlicher Sicht

Laut der wirtschaftlichen Expertengruppe der Covid-Task Force des Bundes sind die drastischen Corona-Massnahmen auch aus ökonomischer Sicht sinnvoll. «Die Massnahmen kosten, aber keine Massnahmen ebenfalls», sagte Task Force-Vizepräsidentin Monika Bütler.

Die aktuell zu verzeichnende Übersterblichkeit führe zu hohen Kosten für die Volkswirtschaft, sagte Bütler am Donnerstag vor den Bundeshausmedien. Die vom Bundesrat ergriffenen Massnahmen bedeuteten zwar grosse wirtschaftliche Einschnitte, sie verhinderten aber noch grössere Eingriffe in die Wirtschaftsfreiheit. Zudem seien die Massnahmen zeitlich beschränkt.

Wichtig seien die gleichzeitig beschlossenen Kompensationsmassnahmen für die Wirtschaftsbranchen. «Viele sind nahe dem Ruin.» Die Schweiz könne es sich leisten, nicht nur zu sparen, sondern Betroffene auch zu versichern.

Als grösstes Konjunkturpaket bezeichnete Monika Bütler aber die Impfkampagne. Diese verbreite neue Zuversicht – was für die Wirtschaft überlebenswichtig sei.

Martin Ackermann: «Zwei bis fünf Prozent sind Mutationen»

Zwei bis fünf Prozent der sequenzierten Proben des Coronavirus in der Schweiz gehören aktuell zur mutierten Variante. Dies sagte Task Force-Präsident Martin Ackermann. Die britische Variante sei ansteckender als die bisher bekannten Coronavirus-Stämme. Dies zeigten auch erste Daten aus der Kontaktverfolgung in Grossbritannien, erklärte Ackermann. Die Gefahr sei auch in der Schweiz gross, dass sich die Ausbreitung jede Woche verdopple. Schon im Februar könnten mehr Ansteckungen auf die mutierte als auf die bisherigen Varianten fallen.

Die Impfung sei in diesem Szenario allerdings nicht berücksichtigt. Je schneller in der Schweiz geimpft werde, desto grösser sei die Unterstützung gegen das Wachstum der Fälle.

Die Gesamtzahl bei den Ansteckungen müsse rasch herunter gebracht und die Kontakte müssten auf ein absolutes Minimum beschränkt werden. «Wir haben die Möglichkeit, den Pfad, wie in Grossbritannien erlebt, frühzeitig zu verlassen», sagte Martin Ackermann. Es habe sich in den Kantonen der Romandie gezeigt, dass strenge Massnahmen wirken, auch wenn direkt keine kausalen Zusammenhänge nachzuweisen seien.

Rund 66’000 Impfungen sind verabreicht

Rund 66’000 Menschen in der Schweiz sind bisher gegen Covid-19 geimpft worden. Das teilte eine Vertreterin des BAG am Donnerstag mit. Es handle sich um eine erste Schätzung, sagte BAG-Vizedirektorin Nora Kronig, Leiterin Abteilung Internationales. Detailliertere Zahlen, die auch nach Kanton aufgeschlüsselt sind, kündigte Kronig für kommenden Dienstag, 19. Januar, an.

Es gehe darum, einen Überblick über die Impfaktion zu erhalten sagte sie. In den Kantonen verlaufe die Entwicklung unterschiedlich. Einige, darunter namentlich das Tessin, schienen sehr aktiv zu sein bei der Umsetzung des Impfprogrammes. Sie sicherte für Dienstag detaillierte Zahlen zu, aufgeschlüsselt nach Kantonen.

Am Mittwoch hatte die Schweiz die 200’000 ersten Impfdosen des US-Herstellers Moderna erhalten. Zusammen mit den Dosen des Herstellers Pfizer/BioNTech hat die Schweiz im Januar fast eine halbe Million Impfdosen zur Verfügung. Pro Person sind für den vollständigen Schutz zwei Dosen nötig – bei beiden Impfstoffen.

Bund überwacht psychische Folgen der Corona-Pandemie

Das BAG beobachtet, wie sich die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung auswirken. Sowohl die Angst vor einer Ansteckung als auch die fehlenden sozialen Kontakte hätten Folgen. Es sei bekannt, dass die Massnahmen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben, sagte Patrick Mathys. Die Angebote in diesen Bereichen seien hochgefahren worden.

Psychische Folgen würden aus zwei Gründen beobachtet, sagte Monika Bütler, Vizepräsidentin der wissenschaftlichen Task Force. Die Angst vor einer Ansteckung, aber auch die Massnahmen würden die psychische Gesundheit beeinträchtigen.

Nach dem Lockdown in Frühling seien Umfragen gemacht worden. Dort habe sich gezeigt, dass die Menschen sehr wohl den Besuch beim Coiffeur oder die Blumenläden vermisst hatten. Dies habe wohl beim Entscheid, die Dienstleistungsbetriebe und die Blumenläden nicht zu schliessen, auch eine Rolle gespielt.

Im Vergleich zu anderen Ländern ist in der Schweiz allerdings noch nie eine Ausgangssperre verhängt worden.

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