Trainer Michael Suter während des Handball Freundschaftsspiels Schweiz gegen Italien, am Dienstag, 29. Dezember 2020. (Bild: Keystone)
Schweiz

Handball-Nati rückt an WM nach – damit enden die Diskussionen aber nicht

Wegen Corona-Absagen kann die Schweizer Handball-Nati doch an der WM dabei sein. Unstimmigkeiten gibt es trotzdem.

Vor der am Mittwoch beginnenden Handball-WM in Ägypten ging es nicht nur um sportliche Aspekte, es wurde auch die Sinnfrage gestellt. Nach Forfaits von Tschechien und den USA rückt die Schweizer Handball-Nati nach.

Die Meinungen gingen auseinander, ob das Turnier aufgrund der Corona-Pandemie stattfinden soll. Fakt ist, dass mit Tschechien, den USA und Kap Verde gleich drei Teams stark vom Virus betroffen sind, weshalb erstere beide Mannschaften gar Forfait erklärten.

Profiteur davon sind die Schweizer, die als zweite Equipe nach Nordmazedonien nachgerückt sind. Das Team von Trainer Michael Suter wird am Mittwoch nach Ägypten reisen und am Donnerstag gegen Österreich erstmals spielen. Die weiteren Gegner in der Gruppe E sind am Samstag Norwegen und am Montag Frankreich.

Erste WM-Teilnahme seit 26 Jahren

Es ist für die Schweizer die erste WM-Teilnahme seit 1995 und der verdiente Lohn für die Entwicklung unter Suter. Zuvor waren sie wegen der Absage der WM-Playoffspiele gegen Island um die Chance beraubt worden, sich für die WM zu qualifizieren.

Der Frust wurde noch grösser, als mit Polen und Russland zwei Teams eine Wildcard erhielten, die an der letztjährigen EM klar schlechter klassiert waren als die SHV-Auswahl. Nun wendete sich das Blatt doch noch zum Guten.

Die Mannschaften befinden sich selbstredend in einer Blase und die Beteiligten sollen während des Turniers mindestens alle 72 Stunden getestet werden. Das Personal darf die Hotels während der WM anscheinend nicht verlassen. Doch reicht das alles? Immerhin sind nun doch keine Zuschauer erlaubt.

Freiwillige Verzichte wegen Corona

Die Verantwortlichen wollten solche bis kurz vor dem Start des Turniers zulassen, zuletzt waren 20 Prozent der Hallen-Kapazitäten angedacht. Sie kamen jedoch zur Vernunft, nachdem sich die Captains von 14 europäischen Teams in einem Brief an den Weltverband-Präsidenten Hassan Moustafa gewendet und sich dagegen ausgesprochen hatten.

Beim deutschen Team führte die kritische Haltung aufgrund des grassierenden Coronavirus dazu, dass unter anderen Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Steffen Weinhold freiwillig auf die Teilnahme verzichten – das Trio hat Ende Dezember mit Kiel die Champions League gewonnen. «In dieser immer noch besonderen Situation hat es sich einfach nicht richtig angefühlt, im Januar vier Wochen weit weg von zu Hause zu sein», sagte Wiencek stellvertretend.

Die Absagen der Kieler führten bei DHB-Keeper Andreas Wolff zu Unmut, er sieht sie «sehr, sehr kritisch». Darauf konterte Bundestrainer Alfred Gislason, der im vergangenen Februar Christian Prokop abgelöst hatte: «Ich bin nicht zufrieden, dass es diese Diskussion gibt.»

Dänemark, Spanien, Frankreich, Norwegen und Kroatien als Favoriten

Im 20-Mann-Kader der Deutschen befinden sich sieben Akteure, die nicht mehr als zehn Länderspiele absolviert haben. Dennoch ist mit dem dreifachen Weltmeister, zuletzt 2007, immer zu rechnen, das unterstreicht der EM-Titel von 2016, den nur der grösste Optimist für möglich gehalten hatte. Die offizielle Zielsetzung lautet: Viertelfinal.

Die Favoriten auf die Goldmedaille sind die üblichen Verdächtigen: Titelverteidiger und Olympiasieger Dänemark, Europameister Spanien, Rekordweltmeister Frankreich, Norwegen und Kroatien. Für die Dänen und die Franzosen ist nach dem Vorrunden-Ausscheiden an der letztjährigen EM Wiedergutmachung angesagt.

Uruguay, Kap Verde und DR Kongo erstmals dabei

Allerdings muss die «Equipe tricolore» ohne Starspieler Nikola Karabatic auskommen, der sich im Oktober einen Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie zugezogen hat.

Für die Norweger wäre ein Titelgewinn an einem grossen Turnier überfällig: 2017 und 2019 holten sie jeweils WM-Silber, vor einem Jahr gewannen sie EM-Bronze. Angeführt wird die Mannschaft von Sander Sagosen, dem aktuell wohl besten Handballer der Welt.

Die WM findet erstmals mit 32 Teams statt – zuvor waren es 24 – und zum zweiten Mal nach 1999 in Ägypten. Damals stemmte Schweden den Pokal in die Höhe. Erstmals dabei sind Uruguay, Kap Verde und DR Kongo. Die Schweiz ist im «Land der Pharaonen» auch durch die Schiedsrichter Arthur Brunner und Morad Salah, die zum dritten Mal in Folge an einer WM pfeifen, sowie durch Felix Rätz vertreten. Letzterer wird das Turnier als Technischer Delegierter überwachen.

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