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Der Telebasel-Talk mit Eric G. Sarasin vom 13. Januar 2021.
Basel

Geht mit Trump auch der Trumpismus, Herr Sarasin?

Seit Trump-Anhänger das Capitol stürmten, wenden sich Firmenchefs vom US-Präsidenten ab. Amerika-Kenner Eric G. Sarasin ordnet im Talk die Vorgänge ein.

Wikipedia erklärt den Begriff Trumpismus so: «Der Begriff kam während des Präsidentschaftswahlkampfs 2016 auf. Er bezeichnet eine populistische politische Methode, die auf komplexe politische, wirtschaftliche und soziale Probleme einfache Antworten suggeriert und die Verlierer der zunehmenden sozialen Ungleichheit mobilisieren soll, wobei das etablierte politische Establishment verächtlich betrachtet wird. Ideologisch ist sie rechtskonservativ-nationalistisch akzentuiert, wobei Trumps Politikstil auch Züge des Autoritarismus aufweist».

Der Sturm auf das Capitol

Vergangene Woche fand diese Mischung ihren Höhepunkt, als Trump-Anhänger – ein wilder Mix aus Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern – das Capitol stürmten.

Der Kongress war gerade dabei, die Wahl Joe Bidens zum 46. US-Präsidenten zu bestätigen. Westliche Kommentatoren zeigten sich entsetzt, Kabinetts-Mitglieder Trumps gaben ihren Rücktritt, republikanische Weggefährten wandten sich ab.

Auch die Deutsche Bank – zeitweilig der wichtigste Kreditgeber von Donald Trump – wolle keine Geschäfte mehr mit dem Noch-Präsidenten machen. Insgesamt stünden laut Medienberichten noch Kredite in Höhe von 340 Millionen Dollar aus, die in den nächsten Jahren fällig sind.

Firmenchefs und die demokratischen Werte

Eine Reihe von Firmenchefs hüben und drüben sah sich veranlasst, sich öffentlich von Donald Trump zu distanzieren. «Wir müssen jetzt in unsere Demokratie reinvestieren», forderte etwa Goldman-Sachs-Chef David Solomon. «Dies ist der Tag, für unsere Verfassung und ihre Werte die Stimme zu erheben», twitterte Microsoft-Präsident Brad Smith. Eine Reihe von Internet-Plattformen, wie Twitter oder Facebook sperrten den US-Präsidenten temporär oder dauerhaft. Wie müssen wir diese neue Hinwendung zu demokratischen Werten verstehen?

Die Hälfte der Republikaner hiess den Sturm gut

Ein Video von Terminator-Darsteller Arnold Schwarzenegger ging viral. Mit dem Schwert aus seinem Low-Fantasy-Filmen «Conan» in der Hand sagte er, er fühle sich vom Capitol-Überfall an die Kristallnacht erinnert. Wer aber auf dem Jetzt-wird-alles-besser-Pathos des Steirers abheben will, liest besser die Umfragewerte nach, die die NZZ zusammengestellt hat:

«Es gibt mehrere Meinungsumfragen seit dem Aufruhr am Mittwoch, die übereinstimmend zu dem Schluss kamen, dass zwischen 60 und 70 Prozent der Befragten den Sturm auf den Sitz des Kongresses ablehnten. Aber gleichzeitig hiessen rund 20 Prozent die vorübergehende Besetzung gut, und 30 Prozent fanden, die Aktion sei für die Demokratie nicht gefährlich gewesen. Betrachtet man nur die Antworten der republikanisch Wählenden, ergibt sich ein Bild der Spaltung quer durch die Mitte: 45 Prozent hiessen den Sturm gut, 43 Prozent lehnten ihn ab».

Rechnet man hinzu, dass über 74 Millionen Leute Donald Trump im November ihre Stimme gaben, so ist klar, dass sein Name einen gewaltigen Machtfaktor darstellt.

Eric G. Sarasin ist mit einer Amerikanerin verheiratet, hat in den USA studiert und mehrere Jahre für die Citibank in New York gearbeitet. Geschäftliche Beziehungen, aber auch persönliche Freundschaften verbinden ihn seither mit den USA. Im Jahr 2016 beurteilte er die Wahl Donald Trumps im Telebasel-Talk so.

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