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Der Telebasel-Newsbeitrag vom 31. Dezember 2020.
International

So erlebte ein Auslandsbasler das Corona-Jahr

Pierre Saldinger lebt seit acht Jahren in New York. Der Stadt, die zu einem der Corona-Hotspots der Vereinigten Staaten wurde.

«Das Jahr begann furchtbar», sagt Pierre Saldinger. Der Chefarzt am New Yorker Presbyterian-Spital im Stadtteil Queens erlebte den enormen Anstieg der Corona-Fälle an vorderster Front. 12-Stunden-Tage wurden zur Regel. Mit dem Adrenalin war das möglich. Saldinger: «Wir machten einfach, was mir machen mussten.» Das Spital, in dem der Basler arbeitet, hat rund 550 Betten. Nach einer Entspannung ziehen die Patientenzahlen wieder an.

«Dieses Mal aber nicht mehr so schnell», sagt der Chirurg. Die Todeszahlen steigen nicht mehr so rapide und man hat aus der ersten Welle gelernt. Nun gebe es eine Co-Existenz zwischen den Corona-Patienten und den Nicht-Corona-Patienten. Er und seine Mitarbeiter hätten ihr Bestes gegeben, auch in den schlimmsten Momenten. Saldinger übernahm im Zuge der Pandemie die Leitung über die Intensivstationen.

Saldinger erzählt von einer schwangeren Mitarbeiterin. Sie hätte nicht arbeiten müssen, jeder hätte Verständnis dafür gehabt. Die Frau schwieg und blieb – um zu helfen. Erst drei Monate später wurde die Schwangerschaft dem Chefarzt bewusst: «Es war sehr beeindruckend, jeder Tag war sie hier am Arbeiten.»

Hoher Preis für die Krise

Doch die Notlage macht sich später bemerkbar. Im Moment macht man laut Salinger einfach. Erst, wenn der Druck nachlast, werden die Folgen für die Menschen sichtbar. «Mit dem Nachlassen der Intensität wurde unseren Mitarbeitern den Preis bewusst», sagt Saldinger. Viele litten an einer «Post-Action-Depression». Das Spital organisierte deshalb psychologische Betreuung für die Angestellten. Um die Folgen abzufedern. «Man muss es verarbeiten», sagt der Exilbasler.

Im Zuge der Corona-Krise habe man gelernt, dass die Menschheit nicht unverwundbar sind. Doch nun gebe es eine «neue Normalität». Und die sei nicht nur verkehrt. Die Menschen haben vieles gelernt, ist sich der Arzt sicher. Sei es, dass man nicht mehr für Meetings um den Globus jetten müsse. Nun hofft der Arzt für die Zukunft, dass die Menschen sich mehr um ihr Mitbürger kümmern. «Und nicht nur um sich selbst», so Saldinger.

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