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Die epidemiologische Lage in der Schweiz bleibt angespannt. (Archivbild: Keystone)
Schweiz

BAG-Mathys: «Die Zahlen sind noch immer viel zu hoch»

Kurz nach Weihnachten lag der R-Wert unter dem kritischen Wert von 1. Trotzdem wird es wohl keine raschen Lockerungen geben. Die Corona-Experten informieren.
Ende der Medienkonferenz

Der Point de Presse der Fachexperten des Bundes ist zu Ende. Wir danken für Ihre Aufmerksamkeit und wünschen noch einen schönen Tag.

Task Force: «Wir brauchen eine Sicherheitsreserve»

Die wissenschaftliche Covid-19-Task Force des Bundes hat im Kampf gegen das Coronavirus eine sofortige Reduktion der Fallzahlen und breit angelegte Tests in der Bevölkerung gefordert. «Wir müssen aus der Risikozone herauskommen und eine Sicherheitsreserve schaffen für den Fall weiterer erschwerender Faktoren», sagte Task Force-Präsident Martin Ackermann am Dienstag, 29. Dezember, vor den Medien in Bern.

Man müsse alles unternehmen, damit sich die Zahl der Infektionen alle zwei Wochen halbiere, sagte Ackermann. Zudem müssten die mutierten Virusvarianten schnell und gezielt eingedämmt werden. Dazu plädierte Ackermann etwa für breit angelegte Tests in den Regionen.

Als zusätzliche Massnahmen nannte Ackermann erneut ein «vermehrtes Home Office» und ein Hinauszögern des Präsenzunterrichts auf den 11. Januar nach dem Schulstart. Damit sollten Ansteckungen von den Feiertagen nicht in die Schulen geschleppt werden. Einzelne Kantone haben dies bereits verfügt.

Die Zahl der Neuansteckungen sei immer noch viel zu hoch, sagte Ackermann zur generellen Lage. In der Schweiz würden im Schnitt rund 80 Personen pro Tag im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung sterben. Die Schweiz liege damit weltweit auf dem «traurigen» 7. Platz.

Die Task Force geht aufgrund von Stichproben davon aus, dass die Verbreitung der hochansteckenden Virusvarianten aus Grossbritannien und Südafrika in der Schweiz derzeit wohl bei unter einem Prozent liege. Ein Blick nach London zeige aber, wie schnell sich diese hochansteckenden Varianten ausbreiten könnten. Dort habe sich etwa die Zahl der Hospitalisationen innerhalb einer Woche verdoppelt.

Brigadier Droz: Armeeangehörige in Deutschschweiz und Tessin im Einsatz

Bisher 26’000 Diensttage hat die Armee in der zweiten Pandemiewelle geleistet und dabei zahlreiche Freiwillige eingesetzt. Zurzeit leisten etwa 140 Armeeangehörige in Schaffhausen, in Basel und im Tessin Einsätze.

Dies gab Brigadier Raymond Droz, Stabschef Kommando Operationen der Armee, am Dienstag in Bern von den Medien bekannt. Die Armee habe bisher 59 Einsatzgesuche erhalten und davon 30 positiv beantwortet. 24 Einsätze, namentlich in der Westschweiz, seien inzwischen beendet.

Sieben der 59 Hilfsgesuche waren zurückgezogen worden. 22 Gesuche hatte die Armee abschlägig beantwortet. Bis Ende März stehe ein Dispositiv von bis zu 2500 Armeeangehörigen zur Verfügung. Sollten diese benötigt werden, sei es das Ziel, dass sie innert dreier Tage einsatzbereit seien.

Im sogenannten Assistenzdienst können Soldaten zum Beispiel beim Screening von Covid-19-Verdachtsfällen, bei Testabstrichen oder bei der allgemeinen Behandlung von Patienten zum Einsatz kommen. Der Einsatz wurde vom Parlament bis zum 31. März 2021 genehmigt. Auch bei der Verteilung von Impfstoffen ist die Armee im Einsatz.

Der Alltag der Armee sei nach wie vor und künftig stark geprägt von der Covid-19-Pandemie, sagte Droz am Dienstag. Der Marathon gehe aber weiter, sagte Droz. «Wir sind müde, aber aufrecht und wir leben. Aufgeben ist keine Option.»

BAG befürchtet steigende Fallzahlen im Januar

Die Ziele von Bund und Kantonen für eine rasche Reduktion der Corona-Fallzahlen sind nach Angaben von Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) nicht erreicht worden. Er befürchtet im Januar eine weitere Zunahme von Neuansteckungen mit dem Coronavirus

«Wir stellen eine Stagnation der Fallzahlen auf zu hohem Niveau fest», sagte Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim BAG, am Dienstag vor den Bundeshausmedien. Der Druck auf die Spitäler und Altersheime bleibe gross.

«Eine zentrale Botschaft lautet: keine Kontakte, keine Übertragung», sagte er. Alle könnten dazu beitragen. «Denken Sie an das Abstandhalten, Maskentragen und bei Symptomen sich rasch testen zu lassen.»

Der Reproduktionswert des Coronavirus liegt für die ganze Schweiz bei 1,13. Das bedeute eine Verdoppelung der Fallzahlen in knapp einem Monat, sagte Mathys. In der Innerschweiz bestehe sogar ein R-Wert von 1,2. Das heisse eine Verdoppelung der Neuansteckungen innerhalb von zwei Wochen.

Ackermann von der Covid-Task Force: «Zahl der Neuansteckungen ist viel zu hoch»

Martin Ackermann, Präsident der Schweizer Covid-19 Science Task Force, kommentiert die aktuellen Fallzahlen mit Besorgnis: «Die Zahl der Neuansteckungen ist viel zu hoch – in der Schweiz sterben täglich mehr als 80 Personen. Im weltweiten Vergleich sind wir damit auf dem traurigen 7. Platz».

Wie sollen wir Silvester feiern?

Jetzt steht Silvester vor der Tür. Patrick Mathys hat hierzu auch ein paar Tipps parat, wie man das Fest coronakonform feiern kann: «Versuchen Sie, die Kontakte zu minimieren. Verzichten Sie aufs Küsschen: Anstossen können wir – zweimal eine Armlänge geben auch 1,50 Meter Abstand.»

(Video: Keystone-SDA/Adrian Reusser)

Patrick Mathys vom BAG: «Die Zahlen sind noch immer viel zu hoch»

Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit im Bundesamt für Gesundheit (BAG), eröffnet die Medienkonferenz mit einem kurzen Rückblick auf das Jahr 2020. Es sei morgen Mittwoch, 30. Dezember 2020, genau ein Jahr her, dass China das neuartige Coronavirus der Weltgesundheitsorganisation WHO gemeldet habe. «Es war ein Jahr, das die Gesellschaft geprägt hat und Spuren hinterlassen hat.» Er hätte vor einem Jahr nie gedacht, dass das Coronavirus das Leben aller Menschen in der Schweiz derart verändern würde, so Mathys.

Und er blickt sogleich in die Gegenwart: «Viel Optimismus gibt es nicht zu versprühen – die Zahlen sind noch immer viel zu hoch». Das BAG meldet am Dienstag 4’197 neue bestätigte Ansteckungen mit dem Coronavirus. 220 Personen mussten neu hospitalisiert werden. 131 weitere Menschen sind gestorben.

Mitunter aufgrund des zu hohen R-Wertes hat der Bundesrat am 18. Dezember den Entscheid für einen Teil-Lockdown verkündet. Dieser R-Wert wurde aber im Nachhinein von ETH-Forschern nach unten korrigiert – er sei zu hoch geschätzt worden. Das berichtete der «Tages-Anzeiger» am Montagabend.

Am Montag, kurz nach Weihnachten, lag der R-Wert laut dem BAG bei 0,86. Das Ziel wäre ein Wert von unter 0,8, bei dem sich die Fallzahlen alle zwei Wochen halbieren würden. Der R-Wert könnte aber auch mit weniger Personen, die sich testen lassen, zusammenhängen. Das würde bedeuten, dass der Wert zu tief eingeschätzt wurde.

Auch die verzögerten Meldungen über Fallzahlen und Hospitalisierungen der Kantone beschäftigen den Bund. Bei den Todesopfern lagen die realen Zahlen im Oktober und November pro Woche zum Teil um bis zu 100 Prozent über den vom BAG gemeldeten Fällen. Seit Anfang Dezember liegen nun die BAG-Zahlen wieder vorn.

3 Kommentare

  1. Die neuen Zahlen sollten zuerst überprüft werden, bevor Entscheidungen gefällt werden. Bezahlen muss es sowieso immer die Jugend sowie deren Eltern..Report

  2. Ich habe mit Interesse Ihren Artikel gelesen und dieser bestätigt mein Gefühl dass ich von den verantwortlichen
    Pandemie Manager und Bundesrat angelogen werden und genötigt werde Grundrechte nicht auszuüben.
    Ich bin der Meinung dass diese Entscheidungsträger für den Wirtschaftlichen Schaden aufkommen sollten mit Ihrem Fixlohn, den Sie vielen Schweizerinnen/er aufgelastet haben.Report

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