Featured Video Play Icon
Der Telebasel News-Beitrag vom 22. Dezember 2020.
Basel

Zweite Corona-Welle lässt Menschen depressiv werden

Eine Basler Studie zeigt, wie sehr die zweite Corona-Welle der Schweizer Bevölkerung zusetzt. Studienleiter Dominique de Quervain erklärt die Gründe.

Depression statt Weihnachtsstimmung – dieses Phänomen kennen in der dunklen Jahreszeit viele Menschen. Dieses Jahr schlägt auch noch Corona aufs Gemüt, die zweite Welle quält die Gesellschaft. Eine Umfrage der Universität Basel hat ergeben, dass der psychische Stress aktuell deutlich höher ist als im Frühling. Der Anteil an Personen mit schweren depressiven Symptomen betrug während des Lockdowns im April rund 9 Prozent. Im November stieg er auf 18 Prozent.

Viele Faktoren machen die zweite Welle zur grösseren Belastung für Schweizerinnen und Schweizer. «Im Vergleich zum Frühling werden gerade in der Arbeitssituation und in der Schule die Verpflichtungen nun aufrecht erhalten. Auch die finanziellen Einbussen werden belastender, weil sie grösser wurden», erklärt Dominique de Quervain, der für die Untersuchung verantwortlich ist.

Depressive Künstler und Beizer

Gastgewerbe, Kultur, Tourismus: Menschen, die in einer der Branchen tätig sind, die von den Massnahmen besonders betroffen sind, trifft es besonders hart. Auch psychisch. «Das ist klar, wenn einem die Existenz unter den Füssen weggezogen wird. Dass das grosse Ängste auslöst, ist nachvollziehbar», kommentiert der Neurowissenschaftler die Ergebnisse.

Auch sonst hat die Pandemie vielen auf die Stimmung geschlagen. Hilfe mit dem Corona-Koller brauche man dann, wenn man unter den psychischen Auswirkungen leide. «Wenn Symptome, wie zum Beispiel Schlafprobleme, Müdigkeit, Antriebslosigkeit – oder in schlimmeren Fällen – Selbstmordgedanken, auftauchen, soll man unbedingt Hilfe suchen», rät Dominique de Quervain.

Wenn man sich nicht sicher ist, könne man unter Coronastress.ch einen kurzen Selbsttest machen, sagt das Mitglied der Covid-19 Science Task Force.

Tipps gegen Corona-Depression

De Quervain hat aber noch zwei wissenschaftlich belegte Tipps, damit es gar nicht so weit kommt: «Mit andern in Kontakt bleiben, das ist ganz wichtig, natürlich auf eine sichere Art und Weise». Ausserdem sei körperliche Aktivität auch etwas, das laut Befragung hilft. «Jene, die viel Sport treiben, haben auch weniger Stress und weniger depressive Symptomatiken», so Dominique de Quervain.

Dazu passt auch die Aktion «Fürenand in Baselland», die der Landkanton am 22. Dezember 2020 lanciert hat. Via Sprachnachricht wird dazu aufgerufen, trotz Abstand aneinander zu denken. Die Solidarität soll so in der Weihnachtszeit angeregt werden.

Das ganze Interview mit Neurowissenschaftler Dominique de Quervain. (Video: Telebasel)
Hier finden Sie Hilfe bei Suizidgedanken:
Beratungsstellen:
Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch)
Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch)
Kirchen (Seelsorge.net)
Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:
Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (Nebelmeer.net);
Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (Verein-refugium.ch);
Verein Regenbogen Schweiz (Verein-regenbogen.ch).

1 Kommentar

  1. Ist eine grandiose Leistung Herr Quervain, Entschuldigung, wieviele Jahre studieren, um dieses alles festzustellen. DAS HAUT MICH VOM STUHL.Report

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel