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Die Medienkonferenz mit Fachexperten des Bundes. (Stream: Youtube/Der Eidgenössische Bundesrat)
Schweiz

Aktuelle Massnahmen reichen gegen mutiertes Virus wohl nicht aus

Der Bund hat am Dienstag erneut über die aktuelle Corona-Lage in der Schweiz informiert. Die Medienkonferenz können Sie hier im Ticker nachlesen.
Ende der Medienkonferenz

Die Point de presse der Fachexperten des Bundes ist zu Ende. Wir danken Ihnen fürs Dabeisein und wünschen noch einen schönen Tag.

Auf Wiedersehen!

«Kein Wunschkonzert»: Bürger haben keine Wahl beim Impfstoff

Die Schweizer Bevölkerung wird beim Impfen nicht die Wahl des Impfstoffes haben. «Es wird kein Wunschkonzert geben», sagte der Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, Christoph Berger, am Dienstag vor den Medien in Bern.

Den einzelnen Menschen würden jeweils zwei Dosen desselben Impfstoffes verabreicht, doch diese würden von den Behörden zugeteilt. Massgebend für die Zuteilung sein dürften dabei organisatorische Fragen, sagte Berger.

Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen EKIF. (Bild: Keystone)

Das Schweizer Heilmittelinstitut Swissmedic hatte am Samstag grünes Licht gegeben für den Wirkstoff des US-Unternehmens Pfizer und seines deutschen Partners Biontech. Noch für drei weitere Impfstoffe ist eine Zulassung beantragt worden. Als nächstes wird die Freigabe der Impfung des US-Unternehmens Moderna erwartet. Diese wird auch im Lonza-Werk im Wallis VS produziert.

Diskriminierung von Ungeimpften im Privaten nicht ausgeschlossen

Mit der Impf gegen das Coronavirus kommt in der Schweiz die Frage nach Diskriminierungen von Nicht-Geimpften auf. Grundsätzlich schützt das Gesetz dagegen, dass Nicht-Geimpfte von Dienstleistungen ausgeschlossen werden.

Im Verhältnis zwischen Privaten gelte jedoch die Vertragsfreiheit und die Autonomie, sagte Susanne Kuster, Stellvertretende Direktorin im Bundesamt für Justiz (BJ), am Dienstag vor den Medien in Bern. Da sei es nicht ausgeschlossen, dass Unterscheidungen gemacht werden könnten zwischen Geimpften und nicht Geimpften.

Allerdings komme hier der Persönlichkeitsschutz und die Datenschutzrichtlichten zum Zug, die verhindern, dass allzu grosse Einschränkungen gemacht werden könnten.

Im öffentlichen Bereich schützt das Gesetz vor einer Diskriminierung von nicht Geimpften: «Die Impfung ist und bleibt freiwillig», sagte Kuster. Dieser Grundsatz müsse sich dann auch in allen Rechtsgebieten durchsetzen. Ansonsten müssten die Gesetze angepasst werden.

Die Frage stellt sich etwa bei Clubs oder Restaurants. Dort könnten die Betreiber grundsätzlich selber entscheiden, ob sie nur noch geimpften Personen Einlass gebieten wollen oder nicht.

Ackermann: «Massnahmen reichen bei mutiertem Virus wohl nicht aus»

Die wissenschaftliche Covid-Taskforce des Bundes geht davon aus, dass die geltenden Massnahmen nicht ausreichen würden, um die Ausbreitung der neuen Variante des Virus zu stoppen. Für den Fall, dass das Virus in der Schweiz Fuss fasst, stellt die Taskforce weitere Massnahmen in Aussicht.

«Wir beobachten die Situation ständig und werden dann besprechen, welche neuen Massnahmen unter Umständen angezeigt sein werden», sagte Martin Ackermann, Präsident der Taskforce.

Schätzung gingen davon aus, dass die Mutation die Reproduktionszahl um 0,4 erhöhe, sagte Ackermann. Damit würde die Zahl der Neuinfektionen wahrscheinlich wieder stark steigen, wenn sich das Virus in der Schweiz ausbreitet.

Der R-Wert in der Schweiz liegt derzeit über 1 – trotz der zusätzlich ergriffenen Massnahmen. Im Spätherbst sei der R-Wert mit den Massnahmen von Ende Oktober gesunken, sagte Tanja Stadler, ebenfalls Mitglied der Taskforce. Aber «alles, was in den vergangenen zehn Tagen unternommen wurde, hat den R-Wert nicht unter 1 senken können», sagte Stadler. «Auch in der Romandie, wo der R-Wert stark unter 1 war, bewegt er sich wieder um 1.»

Ob das mutierte Virus bereits in der Schweiz ist, ist aber noch nicht klar respektive konnte noch nicht nachgewiesen werden. In der Schweiz seien nun viele Labors daran, sehr viele Proben von Infizierten zu sequenzieren, damit die neue Variante des Virus erfasst werden können, sagte Stadler. «So hoffen wir, über die Feiertage mehr Informationen zu haben dazu, ob die Variante bereits angekommen ist.»

Mathys: «Einreisende aus GB mit Sim-Karte werden informiert»

Die meisten der in den vergangenen Tagen aus Grossbritannien eingereisten Flugpassagierdaten seien erhoben, sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit im Bundesamt für Gesundheit (BAG), am Dienstag vor den Bundeshausmedien in Bern. Es fehlten nur noch wenige.

Alle mit einer Sim-Karte erhielten eine Information mit einer Telefonnummer, wo sie sich bezüglich der Quarantäne melden könnten, Wenn die Aufenthaltsadresse nicht bekannt sei, würden die Touristen über SMS informiert.

Im übrigen laufe das Ganze wie bei einer normalen Reise- und Kontaktquarantäne ab. In den Kantonen seien die zuständigen Stellen definiert. Sehr viele eingereiste Touristen haben sich laut Mathys selber gemeldet.

Flury: «Diese Woche sind 1'400 Zivilschutzangehörige im Einsatz»

Der Zivilschutz ist in der laufenden Woche mit 1’400 Angehörigen im Einsatz. Letzte Woche waren es 1’500 bis 2’000, wie Christoph Flury, Vizedirektor des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz, am Dienstag vor den Bundeshausmedien ausführte. Sie seien vor allem in Alters- und Pflegeheimen sowie in der Logistik im Einsatz.

In allen Landesteilen seien letzte Woche mehr als 11’000 Diensttage geleistet worden. Der Zivilschutz sei ein unverzichtbares Instrument bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. Er sei allerdings nur subsidiär im Einsatz, wenn die Behörden eine Situation nicht mehr selber bewältigen könnten.

Vor allem von Alters- und Pflegeheimen seien sehr viele Begehren nach Unterstützung gestellt worden, so Flury. Die Zivilschützer leisteten leichte Grundpflege und entlasteten so das Pflegepersonal.

Auch für logistische Dienste wie Personen- und Materialtransporte sind Zivilschützer im Einsatz. Zudem hätten sie beim Aufbau und Betrieb von Notspitälern geholfen. Nach dem Jahreswechsel werde sich der Zivilschutz insbesondere am Aufbau der zahlreichen Impfzentren beteiligen, sagte Flury.

Taskforce zur neuen Virusvariante: «Wir müssen Zeit gewinnen»

Angesichts der in Grossbritannien aufgetauchten neuen Variante des Coronavirus ruft die wissenschaftliche Taskforce des Bundes auf, Kontakte konsequent zu vermeiden. Die Taskforce geht davon aus, dass die neue Virusvariante bereits in der Schweiz ist.

«Wir müssen dringend Zeit gewinnen, damit neue Virus-Varianten das Infektionsgeschehen in der Schweiz nicht negativ beeinflussen», sagte Tanja Stadler, Mitglied der National Covid-19 Science Task Force, am Dienstag vor den Medien in Bern.

Es gebe bislang keine Hinweise darauf, dass die neue Virusvariante aus Grossbritannien stärkere Symptome hervorrufe oder zu mehr Todesfällen führe. Doch die neue Variante, die sich deutlich schneller ausbreite, könne die Reproduktionszahl in der Schweiz in der ohnehin bereits angespannten Lage weiter in die Höhe drücken.

Stadler erklärte, die Taskforce gehe davon aus, dass die Virusvariante bereits in der Schweiz sei. Sie sei zwar in den Proben bis am 10. Dezember noch nicht festgestellt worden, aber es werde auch nur ein Prozent der Proben analysiert.

Die Experten gehen den Angaben zufolge jedoch davon aus, dass in jedem zweiten Flug aus Grossbritannien Personen mit der neuen Virus-Variante in die Schweiz gekommen sind. Es sei «sehr naheliegend», dass die Virusvariante von mehreren Personen in die Schweiz eingeschleppt worden sei.

Stadler bekräftigte, dass die bisher bekannten Massnahmen auch gegen die neue Virusvariante helfe: Kontakte vermeiden, Infektionsketten aufspüren und unterbrechen und Importe auf ein Minimum zu reduzieren.

Hauri: «Impfen kein Wettrennen unter den Kantonen»

Es sei gut, dass in der Schweiz bald mit dem Impfen begonnen werden könne, sagte Rudolf Hauri, Zuger Kantonsarzt und Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, am Point de Presse zum Coronavirus auf Fachebene vom Dienstag. Es dürfe aber keinen Wettbewerb unter den Kantonen geben.

«Wir befinden uns nicht in einem Rennen, in dem es um Sekunden geht», sagte Hauri. Die Prüfung der Impfstoffe, die Instruktion und die Infrastruktur müsse einwandfrei sein. Es gehe darum, dass alle gut aufgestellt seien, damit mit dem Impfen begonnen werden könne.

Mehr dazu lesen Sie hier.

Rudolf Hauri, Präsident Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte. (Bild: Keystone)
Mutiertes Coronavirus könnte R-Wert um etwa 0,4 erhöhen

Auf die Frage eines Journalisten, ob die mutierte Coronavirus-Variante den Reproduktionswert stark verändern werde und ob die aktuellen Massnahmen ausreichen, um das Virus einzudämmen, antwortet Martin Ackermann von der nationalen Covid-Taskforce: «Erste Studien zeigen, dass die Reproduktionszahl um etwa 0,4 erhöht wird mit der neuen Variante».

Die aktuellen Massnahmen beziehen sich auf die bisher bekannte Virus-Variante. Sollte sich die mutierte Virus-Variante ausbreiten, würden die Massnahmen nicht ausreichen.

Martin Ackermann, Präsident der National COVID-19 Science Task Force. (Bild: Keystone)
Auch Covid-19-Erkrankte sollen sich impfen lassen

Der Bund empfiehlt auch Personen, die sich bereits mit dem Coronavirus infiziert haben, sich impfen zu lassen. Jedoch soll die Impfung nicht direkt während der akuten Erkrankung gemacht werden, wie Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen EKIF, erklärt. «Nur wenn sie eine schwere Allergie gegen Bestandteile des Impfstoffs haben, sollten sie sich nicht impfen lassen», so Berger weiter.

Weitere Informationen des BAG rund um die Coronavirus-Impfung finden Sie auf dieser Website.

Das Informationsplakat des BAG zur Coronavirus-Impfung. (Bild: Keystone/BAG)
Wer wird wann geimpft?

Weil für den Auftakt nur gut 100’000 Impfdosen bereitstehen, werden in der Schweiz zuerst nur über 75-jährige Patienten sowie Hochrisikopatienten mit Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Atemwegsproblemen, Zuckerkrankheit, Übergewicht und Abwehrschwäche geimpft. Dies sagte Christoph Berger, der Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, am Dienstag vor den Bundeshausmedien in Bern.

Die Hochrisikopatienten können auch unter 75 Jahre alt sein, um prioritär in den Genuss der Verabreichung des Impfstoffes kommen. Wichtig sei, dass diese Hochrisikopersonen von ihrem Hausarzt informiert werden oder sich mit diesem in Verbindung setzen, sagte Berger.

In zweiter Priorität kämen dann die 65- bis 74-Jährigen an die Reihe. Wichtig sei, dass nicht während einer akuten Covid-Erkrankung geimpft werde, so Berger. Drei Monate nach einer durchgestandenen Erkrankung könne wieder geimpft werden. Nur bei einer schweren Allergie gegen Bestandteile des Impfstoffes dürfe nicht geimpft werden. Die Impfung wird laut Berger dokumentiert.

Der Impfstoff sei hochwirksam und an über 400’000 Personen getestet. Nebenwirkungen seien keine beobachtet worden. Es gebe aber lokale und systemische Nebenwirkungen, insbesondere nach der zweiten Dosis. Dazu gehören laut Berger Fieber, Muskelschmerzen und Abgeschlagenheit.

Virginie Masserey vom BAG: «Die Situation ist immer noch auf hohem Niveau stagnierend»

Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle beim BAG, erläutert zu Beginn der Medienkonferenz die aktuellen Corona-Fallzahlen in der Schweiz. «Die Situation ist immer noch auf hohem Niveau stagnierend», die Lage bleibt also heikel. Auch die Zahl der Hospitalisationen stagniere, auch wenn es einen leichten Rückgang gebe. Auf den Intensivstationen seien 72 Prozent der Betten belegt. Der Reproduktionswert liege momentan bei 1,05. Zudem sagt Masserey, dass die Zahl der Tests leicht angestiegen sei, was «gut» sei.

In der Schweiz und in Liechtenstein waren dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) zuletzt innerhalb von 72 Stunden 10’002 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet worden. Gleichzeitig hatte die Behörde 201 neue Todesfälle und 391 Spitaleinweisungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus registriert.

Unterdessen laufen auch die Vorbereitungen in den Kantonen zur grossangelegten Impfaktion gegen das Coronavirus. Den Anfang macht Luzern bereits diesen Mittwoch. Es folgen Basel-Stadt, Freiburg und das Wallis, die ab kommendem Montag gegen das Coronavirus impfen lassen wollen. Die meisten anderen Kantone haben den 4. Januar 2021 als Datum für den Impf-Start im Visier. In der Regel sollen zuerst Risikogruppen in Alters- und Pflegeheimen zum Zug kommen.

Die heutige Medienkonferenz zum Thema Coronavirus-Pandemie auf Fachebene zeigt Telebasel ab 14 Uhr live im TV und online.

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