(Symbolbild: Keystone)
Schweiz

Triage-Richtlinien für Alter, Demenz und Behinderungen präzisiert

Präzisierungen bei Alter, Demenz und Behinderungen: Die SAMW und die SGI haben eine aktualisierte Version der Triage-Richtlinien veröffentlicht.

Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) und die Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) haben eine aktualisierte Version der Triage-Richtlinien veröffentlicht. Diese präzisieren unter anderem, dass die «Fragilitätsskala» bei Menschen mit Behinderungen nicht angewendet werden darf.

Die Triage-Richtlinien bei Engpässen auf Intensivstationen wurden erstmals im März 2020 publiziert. Nach der Veröffentlichung der dritten Version Anfang November zeigte sich, dass gewisse Passagen betreffend Alter, Behinderung und Demenz teilweise zu knapp formuliert wurden und zu Missverständnissen führten, teilte die SAMW am Donnerstag mit. Das Ziel der Richtlinien sei jedoch, Klarheit und schweizweit einheitliche Kriterien zu schaffen.

Aus diesem Grund veröffentlichten die SAMW und SGI nun eine aktualisierte Version. Die Empfehlungen für die Entscheidungsfindung der Fachpersonen auf den Intensivstationen bleiben im Kern unverändert.

Präzisierungen bei Alter, Demenz und Behinderungen

Die Version 3.1 präzisiert, dass Alter, Behinderung und Demenz unzulässige Kriterien bei Triageentscheidungen sind. Ebenfalls klären die Richtlinien nun, dass die Gebrechlichkeitsskala (die sogenannte «Clinical Frailty Scale») bei Menschen mit Behinderung nicht angewendet werden darf: «Die Clinical Frailty Scale ist für die Einschätzung der Gebrechlichkeit von Menschen mit Behinderungen nicht validiert und somit hier irrelevant», heisst es.

Die Dachverbände Inclusion Handicap und Agile.ch begrüssen diesen Entscheid. Die Anwendung der Gebrechlichkeitsskala hätte dazu geführt, dass Menschen mit Behinderungen überdurchschnittlich häufig von einer intensivmedizinischen Behandlung ausgeschlossen werden, teilten die Organisationen am Donnerstag mit.

Eine weitere Präzisierung betrifft die Bedeutung des Prinzips der kurzfristigen Überlebensprognose. So soll es dabei immer darum gehen, möglichst vielen Menschen das Leben zu retten. Auch weist die aktualisierte Version darauf hin, dass es lokal oder regional unumgänglich sein kann, die Richtlinien anzuwenden, bevor der Schwellenwert für Triagen auf nationaler Ebene erreicht ist.

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