Schweiz

SNB bleibt trotz Corona-Krise bei Leitzins von -0,75 Prozent

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) tastet in der Corona-Krise die Zinsen nicht an und führt damit ihre sehr expansive Geldpolitik fort.

Sie geht zudem davon aus, dass sich die Schweizer Wirtschaft im nächsten Jahr nur allmählich erholen wird.

Die Corona-Pandemie beeinträchtige die Wirtschaft stark, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan am Donnerstag anlässlich der geldpolitischen Lagebeurteilung. «Vor diesem Hintergrund führen wir unsere expansive Geldpolitik fort.»

Konkret belässt die SNB ihren Leitzins sowie den Zins auf Sichtguthaben bei -0,75 Prozent. Die SNB betonte ausserdem ihre Absicht, bei Bedarf weiterhin «verstärkt» am Devisenmarkt zu intervenieren. Denn sie sieht den Franken als nach wie vor «hoch bewertet» an.

US-Druck nicht erwähnt

Die USA hatten erst am Vortag die Schweiz auf eine Liste von Währungsmanipulatoren gesetzt, u.a. weil die SNB im ersten Halbjahr am Devisenmarkt mit 90 Milliarden Franken stark interveniert hatte. Dazu schwieg sich Jordan vorerst aus.

«Wir haben in diesem Jahr beachtliche Mittel eingesetzt, um angemessene monetäre Bedingungen beizubehalten», räumte er jedoch ein und nahm so indirekt Bezug auf die Vorwürfe aus Washington. Diese Massnahmen brauche es, meinte er. Denn ein Aufwertungsdruck würde seiner Meinung nach die Wirtschaft in der Krise besonders belasten.

«Wir werden mit unserer Geldpolitik alles daran setzen, die Preisstabilität zu sichern und zur wirtschaftlichen Erholung beizutragen», stellte Jordan daher klar. Dazu zählt er auch die Massnahmen, um das Bankensystem «grosszügig mit Liquidität» zu versorgen.

«Schwache Dynamik im Winterhalbjahr»

Die Währungshüter rechnen für das ablaufende Jahr nach wie vor mit einer tiefen Rezession in der Schweiz, sind aber nicht mehr gar so pessimistisch. Sie rechnen nun mit einem Rückgang des Bruttoinlandproduktes (BIP) um rund 3 Prozent. Bislang war sie von einem Einbruch von rund 5 Prozent ausgegangen. Die Revision sei darauf zurückzuführen, dass der Einbruch in Folge der ersten Corona-Welle weniger stark gewesen sei als ursprünglich erwartet.

Für das kommende Jahr wird die Rückkehr zu Wachstum vorhergesagt. Die erstmalige Prognose für 2021 lautet auf +2,5 bis +3 Prozent. «Die Wirtschaftsdynamik dürfte im Winterhalbjahr schwach ausfallen», sagte Jordan aber. Die zweite Corona-Welle habe die Aussichten erneut eingetrübt.

Die SNB geht daher auch von weiter ansteigenden Arbeitslosenzahlen aus. Die SNB betonte ausserdem, dass die Risiken für diese Prognosen sehr hoch seien.

Inflation leicht tiefer erwartet

Die neue bedingte Inflationsprognose ist etwas tiefer als im September. Für 2020 geht die SNB neu von einer Inflation von -0,7 Prozent aus (alt: -0,6). Der Hauptgrund dafür ist die erneute Verschlechterung der Wirtschaftslage als Folge der zweiten Pandemiewelle, wie die SNB betont. Für 2021 werden nun 0,0 Prozent (alt: +0,1%) und für 2022 unverändert +0,2 Prozent vorhergesagt.

«Die langfristigen Inflationserwartungen sind fest verankert und liegen bei rund 1 Prozent», sagte Jordan ausserdem. Die bedingte Inflationsprognose beruht wie immer auf der Annahme, dass der SNB-Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum bei -0,75 Prozent bleibt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel