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Telebasel Report vom 9. Dezember 2020.
Basel

Report: Frieren in Basel

Sie liegen in Unterführungen, Parks und frieren sich durch die Winternächte: Roma-Bettler. Der Report hat sie eine Nacht lang begleitet.

«Es ist kalt. Sehr kalt. Es regnet, wir wachen auf und rücken noch näher zusammen…», sagt einer der Roma, eingepackt in eine dicke Jacke, auf dem Kopf eine offizielle Mütze des Schweizer Skiteams. Es ist 6 Uhr morgens. Er ist früher wach als der Rest der Gruppe: «Schlecht geschlafen», sagt er.

Gewohntes Bild: Seit Wochen sind Basels Unterführungen mitunter Schlafplatz für Roma-Bettler. (Bild: Telebasel)

Dach über dem Kopf ist wichtiger als Kleider

Der Rest der Gruppe liegt eng beieinander im Pavillon des De-Wette-Parks. Dass sie überhaupt Decken, Jacken und Mützen haben, verdanken sie den Einwohnern Basels. Die kämen immer wieder vorbei und würden allerhand zum Anziehen bringen. Aber die Kleidung sei mittlerweile gar nicht mehr das Problem, sagt der Bettler: «Immer mehr neue Kleider übereinander bringt nichts, wenn wir darunter schlecht riechen und uns nicht waschen können.»

Viel wichtiger sei deshalb, dass man ein Dach über dem Kopf fände. Eine Unterkunft mit Duschen und Toiletten, wo man sich anständig waschen könne: «So wie wir aussehen, machen die Leute automatisch einen Bogen um uns», sagt er. Dabei hätten sie deren Spenden so dringend nötig.

Freiwilligen-Einsatz: Helferin Janet verteilt Schokolade und Kleider an die Bettler. (Bild: Telebasel)

«Ich denke, Basel hat einen sehr guten Bürgermeister»

Unterdessen ist auch ein Kollege aufgewacht. Am Bahnhof hat er sich einen Kaffee geholt. Was er denn über die Stadt Basel denke, will der Report wissen. Im Glauben, hier gäbe es einen zuständigen Bürgermeister, wird viel Lob verteilt: «Er erlaubt den Leuten, hier Geld zu verdienen. Er hat uns erlaubt, hier zu schlafen. Früher durfte man hier nicht schlafen», sagt der Bettler.

Dann sagt er einen Satz, der Kritikern des im Sommer aufgehobenen Bettelverbots Wasser auf die Mühlen spült: «Ich habe gesehen, ab dem 1. Juni ist es erlaubt, dass hier jeder machen darf, was er will. Deshalb denke ich, das ist ein sehr guter Bürgermeister.»

Eine Bettlerin präpariert ihren Schlafplatz im De-Wette-Park: Jeden Morgen muss sie ihren Platz wieder räumen. (Bild: Telebasel)

Das Hamsterrad dreht sich

Kurz vor 8 Uhr hat die Gruppe ihr Lager wieder abgebaut. Sämtliche Decken und Matratzen werden in Richtung Bahnhof geschleppt, wo sie tagsüber deponiert werden. Wer den leeren Pavillon sieht, kann kaum ahnen, welche Zustände hier wenige Stunden vorher geherrscht haben mögen.

Das Material deponiert, versuchen die meisten der Bettler einen Kaffee zu bekommen. Wer noch etwas Geld übrig hat kauft sich einen, der Rest bettelt. Danach verteilen sie sich über die ganze Stadt. Gegen 19 Uhr kehren sie zurück an den Bahnhof, buckeln ihre Matratzen und die Geschichte beginnt von vorne.

Die Reportage «Frieren in Basel – Eine Nacht mit Roma Bettlern» sehen Sie am 9. Dezember 2020 um 19:45 Uhr auf Telebasel und schon jetzt online im Video oben. 

Übrigens: Auch die Kollegen von Bajour waren am Wochenende mit den Roma-Bettler*innen unterwegs. Die genauso ausführliche wie spannende Reportage von Adelina Gashi finden Sie hier.

9 Kommentare

  1. Ich habe heute morgen gesehen wie es am Bahnhof aussieht.“Schrecklich“ sieht aus wie im Ghetto. Man kann kaum 20 Schritte machen ohne dass man angebettelt wird und sind noch aufdringlich.
    Wir haben schon genug Obdachlose brauchen die Romas nicht.
    Bettelverbot unbedingt einführen.Report

  2. In Basel muss niemand auf der Strasse übernachten. Es gibt für alle einen Platz in Notschalfstellen und es gibt für alle genügen zu Essen. Es können sich auch alle waschen, wenn sie es nur wollen. Die Naivität derjenigen, die den Leuten helfen ist schon fast rührend. Bettelverbot wieder einführen und sie sind weg von der Strasse, dies hat nun unbedingt zu geschehen.Report

  3. Bin sprachlos, hoffe das Bettlergesetz tritt bei uns auch wieder in Kraft! Je mehr geholfen wird, desto mehr werden kommen….Die Regierung von BS schaut einfach zu…sehr bedenklich was in Basel passiert!Report

  4. Jetzt haben die Basler Politiker die Meinung des Experten gehört,der sich mit Osteuropa und den Traditionen der Bettler wohl auskennt! Jetzt soll man dem entsprechenden auch handeln! Auch aus Respekt zu Bettlern..
    Aufdringliches Betteln kann wirklich niemand brauchen.. hätte so was in Basel nie erwartet oder gedacht! So ein Bild von der Stadt..
    Und was ist mit einheimischen? Hat man diese abgeschafft?Report

  5. Finde ws als Baslerin schlimm wie aggressiv die Bettler betteln.
    Es ist unheimlich all 5 -10 Meter sitz ein Roma.. . Nun humpeln Sie schon direkt auf einem zu und sind aufdringlich.

    Wo bleibt die Hilfe für Basler Obdachlose? Die haben kaum noch schlafplätze, haben keine Orte mehr an den Sie betteln könnten.Report

  6. Die nützen das voll und ganz aus.und werden noch unterstützt.sollen in ihr land und dort sehen, was sie bekommen. So was geht nicht ,was die hier aufführen.Report

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