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Der Telebasel Glam-Beitrag vom 7. Dezember 2020.
Basel

Basel-Stadt aus der Sicht eines Obdachlosen

Während des Sozialen Stadtrundgangs erzählen Armutsbetroffene und obdachlose Menschen aus ihrem Alltag in der Stadt Basel.

In Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen organisiert das Strassenmagazin Surprise die ersten «Sozialen Stadtrundgänge» dieser Art in der Schweiz. Armutsbetroffene und obdachlose Menschen – die Experten der Strasse – erzählen aus ihrem Alltag.

Neuer Stadtführer dabei ist Benno Fricker. Vier Jahre lang lebte Benno unter Bäumen und Brücken in Basel – sein ganzes Hab und Gut in einem 30-Kilo-Rucksack verstaut. Benno Fricker kämpft jahrelang um seine Wohnung, bis er auf der Strasse landete und lernen musste, sich als Obdachloser zu organisieren. In seinem früheren Leben war er politisch und sozial engagiert, Roadie bei einer Rockband – und er studierte ein paar Semester an der Universität Basel.

Er absolviert eine Lehre als Landmaschinenmechaniker und wurde das erste Mal stellenlos, als die Firma Konkurs anmeldete. Auch weitere Stellen verlor er wegen Konkursen und Umstrukturierungen der Unternehmen. Immer wieder konnte BennoM Fricker seine Arbeitslosigkeit mit Temporär-Jobs überbrücken, aber der Lohn reichte nicht für die Miete.

Schlussendlich gab er den Kampf mit dem Betreibungsamt, dem Arbeitsamt, dem Sozialamt und den Verwaltungen auf und landete mit zwei Taschen Habseligkeiten aus seinem alten Leben auf der Strasse.

Während der Sozialen Stadtrundgänge möchte er die Menschen darauf aufmerksam machen und darauf sensibilisieren, wie schnell man trotz Ausbildung und Einkommen in die Armut rutschen kann. «Ich hoffe sehr, dass ich vielen Menschen die Augen öffnen kann. Das sie sehen, was in Basel und der Schweiz sonst noch abgeht. Es gibt nicht nur die schönen Dinge, sondern auch noch eine andere Seite. Auch wenn es nur kleine Kieselsteine sind, die ich mit diesen Touren lostrete, hoffe ich sehr, dass ich den Graben zwischen Armut und Reichtum damit ein wenig schliessen kann», so Benno Fricker im Telebasel-Interview.

Im Sommer 2019 wusste Benno Fricker, dass er den nächsten Winter nicht mehr draussen verbringen wolle und er setzte alles daran, ein Dach über den Kopf zu bekommen. Mit Erfolg, denn heute lebt er in einem Zimmer.

Während der Rundgänge muss er sich aber immer wieder seiner Vergangenheit stellen. «Das macht mir überhaupt nichts aus. Es ist ein Teil von mir und ich habe nicht immer alles nur als schlimm empfunden.» Die Besucher der Stadtrundgänge können einiges lernen von Benno Fricker. Trotz harter Vergangenheit ist er gut gelaunt und hat immer ein Lächeln auf den Lippen. Von Verbitterung oder Wut auf die Gesellschaft ist nichts zu spüren.

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