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Der Telebasel News Beitrag vom 26. November 2020.
Basel

Immobilienfonds stellt Frauenverein-Brocki vor die Türe

Die Brockenstube des Frauenverein Riehen hat von der Eigentümerin Akara die Kündigung erhalten. Auch die Mieter in der Coop-Liegenschaft nebenan müssen raus.

Geschirr wie aus Grossmutters Küche, weihnachtliche Engel und Schallplatten. Nostalgiestimmung kommt in der Brockenstube am Schopfgässchen auf. Sie erfreut sich in Riehen hoher Beliebtheit. Bald ist wohl Schluss mit dem Brocki und Kinderkleiderbörse in der ehemaligen Schudel-Druckerei. Wie die «Riehener Zeitung» schreibt, hat der Frauenverein auf den 31. Mai 2021 das Kündigungsschreiben erhalten.

Silvia Schweizer, Präsidentin des Frauenvereins Riehen, findet klare Worte. «Wir sind schockiert und finden den Zeitpunkt in der Corona-Krise nicht glücklich gewählt», sagt sie gegenüber Telebasel.

Einnahmequelle bedroht

Die Suche nach einem kurzfristig verfügbaren, zahlbaren und genug grossen Ersatzstandort sei bis jetzt erfolglos geblieben. Für den 142-jährigen Traditionsverein würde mit einem Verlust der Brockenstube die Einnahmequelle versiegen. Rund 80 Frauen der 450 Mitglieder arbeiten ehrenamtlich für den Verein. «Diese erwirtschaften einen anständigen Nettogewinn, den wir Ende Jahre spenden. In den letzten Jahren waren das über 450’000 Franken». Das Geld kommt jeweils gemeinnützigen Projekten für Frauen und Kinder zugute.

Hinzu komme die Beliebtheit der Brocki und der Kinderkleiderbörse. «Für viele Besucher ist es ein sozialer Treffpunkt», sagt Silvia Schweizer. Zudem gebe die ehrenamtliche Arbeit vielen Frauen Halt im Alltag.

Frauenverein will Fristerstreckung

Die Liegenschaft gehörte einst der Familie Schudel, nun ist sie im Besitz des Immobilienfonds Akara Funds AG aus Zug. Wie Silvia Schweizer vermutet, wolle das Unternehmen eine «nachhaltigere Nutzung» für den ehemaligen Druckereiraum suchen. So habe sie schon von einer Nutzung als Kindergarten gehört.

Offenbar hat die Firma die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Als Gemeinderätin mit dem Ressort Schulen weiss Silvia Schweizer, dass ein Kindergarten ohne Aussenbereich gar nicht möglich wäre und sie ein solches Vorhaben gar nicht bewilligen könne. Akara Funds AG stand auf Anfrage von Telebasel für eine Stellungnahme zu diesen Kritikpunkten bis dato nicht zur Verfügung.

Der Verein will den Kopf nicht hängen lassen. «Der Vorstand hat beschlossen, dass wir zur Mietschlichtstelle gehen», sagt Silvia Schweizer. «Wir werden aber zuerst nochmals den Kontakt mit dem Vermieter suchen – sonst werden wir probieren, eine Erstreckung zu bekommen».

Auch Coop-Mieter wehren sich gegen Kündigung

Wie Recherchen von Telebasel ergeben haben, handelt es sich beim Brocki nicht um die einzige Kündigung in diesem Häuserensemble. Dieses erstreckt sich weiter bis zur Schmiedgasse 7 und 9. Die dortige Liegenschaft aus dem Jahr 1965 gehört Coop Immobilien. Diese haben den Mietern über der Coop-Filiale per Ende März 2021 gekündigt, da die Wohnungen totalsaniert werden. Mehrere Mietparteien wollen nun diesen Entscheid anfechten. Das bestätigen zwei Bewohner, die nicht namentlich genannt werden möchten, gegenüber Telebasel.

Ein Sprecher von Coop schreibt auf Anfrage, man werde man den Betroffenen Ersatzwohnungen und Unterstützung bei der Wohnungssuche anbieten. Zudem werde man die Wohnung auch den bisherigen Mietern anbieten – einige hätten dieses Angebot angenommen. Offenbar vermochte das Angebot nicht alle Mietparteien zu überzeugen. Wie Coop bestätigt, haben zwei Mietparteien unabhängig voneinander die Schlichtungsstelle angerufen.

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