Dank der letzten Renovierung 2016 verfügt das Moods über einen Studio-Kontrollraum, automatisierte Kameras und eine eigene kostenpflichtige Streaming-Plattform. (Bild: Keystone)
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Zürcher Jazzclub Moods setzt auf Streaming

Der Zürcher Jazzclub Moods bietet seine Konzerte während der Coronakrise im kostenpflichtigen Video-Streaming an. Das Modell hat mässigen Erfolg - aber warum?

Für eine Woche, einen Monat oder ein Jahr können Musikliebhaberinnen und Musikliebhaber ein Abonnement abschliessen, erklärt die Bielerin Carine Zuber, Geschäftsführerin des Moods, im Gespräch mit Keystone-SDA. 70 Prozent des damit generierten Geldes geht an die Musiker.

Das Konzept ist nicht neu: Der Smalls Jazz Club in New York, das Triton in Paris, das Lincoln Jazz Center in New York und das Bimhuis in Amsterdam bieten ihre Shows ebenfalls im Streaming an – und weitere ziehen nach. «Die Angebote sind im Allgemeinen aber kostenlos und das Triton in Paris macht nur dann Aufnahmen, wenn sich dafür eine Finanzierungsmöglichkeit findet», so Zuber.

Perfekte Voraussetzungen dank Renovierung

Das Moods profitiert von besten Voraussetzungen. Der Club verfügt schon seit der letzten Renovierung 2016 über einen kompletten Studio-Kontrollraum mit Ton und Video, automatisierte Kameras und eine eigene kostenpflichtige Streaming-Plattform. «Wir haben alles selbst entworfen.» Zu verdanken sei dies Claudio Cappellari, mit dem Carine Zuber das Moods bis 2019 leitete. Als Streaming-Pionier hatte er diese Art von Infrastruktur bereits für das Montreux Jazz Festival eingerichtet .

Während der Coronakrise seien sie von diversen Veranstaltern um Fachwissen gebeten worden, sagt die Westschweizerin. «Aber es ist schwierig, das Modell zu übertragen, weil es im Rahmen einer sechsmonatigen Renovierung im eigenen Haus entworfen wurde.»

Werbung im Ausland

Trotz allem ist die Nachfrage nach Streaming-Videos, nachdem sie während des Lockdowns noch in die Höhe geschossen war, zusammengebrochen. Spätestens im Sommer habe niemand mehr am Bildschirm sitzen wollen. «Ich auch nicht», so Carine Zuber lachend. Seit September nehme das Bedürfnis nach Onlinekonzerten immerhin wieder ein wenig zu.

Während des Lockdowns begann das Moods, in Ländern wie Italien und Spanien für das Streaming-Angebot zu werben – mit wenig Resonanz. Der Club führte die Kommunikation in anderen europäischen Ländern sowie in den USA und Kanada fort. In Sachen Abonnementverkauf liegt Deutschland inzwischen hinter der Schweiz auf Platz zwei.

Als nächstes kommt Frankreich, wo kurze Abonnemente bevorzugt werden. Gefolgt von England (insbesondere London), Kanada, den USA (insbesondere New York und Chicago) sowie kleineren Ländern wie Österreich oder Belgien. Der Zürcher Club versuchte sein Glück auch in Japan, einem «anspruchsvollen Markt». Da aber nur fünf Prozent der Bevölkerung die Schrift lesen können und die Website nicht auf Japanisch übersetzt wurde, hat sich die Mühe laut Carine Zuber nicht gelohnt.

Nichts ersetzt das Live-Erlebnis

In der Coronakrise und nach einer Zeit, in der fast täglich ein Konzert online zu sehen war, musste das Moods sein Angebot reduzieren. Zu gross waren die Verluste. «Wir haben uns dann wie im Triton in Paris entschieden, nur Konzerte zu produzieren, die auf die eine oder andere Weise finanziert werden.»

Carine Zuber fand Koproduzenten, Sender wie etwa das holländische Stingray TV, die einige Gigs kauften. «Wir arbeiten auch mit dem von Quincy Jones gesponserten Jazzsender Qwest TV zusammen.» Ziel dieser Kooperation sei es, eine Sammlung qualitativer Jazz-Videos zu schaffen – insbesondere im Bezug auf den Ton. «Die Moods-Aufnahmen werden auch eines Tages ein grossartiges Erbe sein.» Schon allein dafür lohne sich die Arbeit, sagt Carine Zuber.

Alles in allem ist das Streaming-Erlebnis, das das Moods seit 2017 anbietet, nicht so gefragt wie erwartet. Es wir die Musikindustrie also nicht retten. Carine Zuber: «Es gibt wohl eine gewisse Sichtbarkeit, ist eine vorübergehende Alternative, doch letztlich will die Öffentlichkeit Konzerte live sehen und nichts wird dieses Erlebnis ersetzen.»

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