Seggiani und Zürcher haben festgestellt, dass Männer im Grossen Rat länger und mehr reden. Dagegen möchten die beiden nun etwas tun. (Bild: Keystone)
Basel

Zwei Linkspolitikerinnen fordern gendergerechte Redezeit im Grossen Rat

Tonja Zürcher (BastA!) und Michela Seggiani (SP) fordern einen gendergerechten Redeanteil im Grossen Rat. Der Anzug ging am Mittwoch ans Ratsbüro.

Männer reden häufiger und länger als Frauen im Grossen Rat – so lautet die Aussage der beiden Linkspolitikerinnen Tonja Zürcher (BastA!) und Michela Seggiani (SP). Eine Auszählung der Anzahl Voten von Frauen und Männern an drei zufällig ausgewählten Grossratssitzungen hätten die Annahme der beiden Politikerinnen bestätigt. Sie fordern deshalb Massnahmen gegen dieses Problem. Rund 70 Prozent höher sei der Anteil von Männer-Voten im Rat durchschnittlich, so Seggiani und Zürcher in ihrem Schreiben.

Stichproben

Der Eindruck, dass Männer mehr Reden, sei auch deshalb gegenwärtig, weil sie im Schnitt auch länger reden als Frauen. Um zu diesen Aussagen zu gelangen, hätten die beiden Frauen die Redezeit von Frauen und Männern mittels Stichproben gemessen. Dabei kam heraus, dass die männlichen Redner rund 80 Prozent der Redezeit einnehmen. Dies decke sich mit Auswertungen der Redeanteile bei anderen Parlamenten, wie dem Stände- oder Nationalrat, so Zürcher und Seggiani.

Die beiden Grossrätinnen möchten nun Transparenz schaffen, um einen «effizienten und gendergerechten Parlamentsbetrieb zu ermöglichen». Die Redezeit soll ausgeglichen werden. Um diese Transparenz zu gewährleisten, fordern die beiden Frauen das Ratsbüro dazu auf, weitere Messungen, sprich, eine Redezeitstatistik zu erstellen.

«In Wespennest gestochen»

Auf Twitter erhitzte der Anzug zu gendergerechtem Redeanteil im Grossen Rat bereits einige Gemüter. Wie Tonja Zürcher via Twitter betont: «Da haben wir offenbar in ein Wespennest gestochen». Denn die beiden Frauen ernten für ihren Vorstoss Kritik. So äusserte sich beispielsweise Benjamin von Falkenstein (LDP): «Jeder und jede hat im Rat dasselbe Recht sich zu melden.»

Hitziger wird es bei Joël Thüring: «Immer wenn man denkt, dass die Grenze der Gender-Absurdität erreicht wurde, gibt’s einen neuen Vorstoss obendrauf», twittert der SVP-Grossrat am Mittwoch. Er fühle in seinen parlamentarischen Recht verletzt.

Anders sieht es SP-Grossrätin Jessica Brandenburger. Sie unterstützt den Vorstoss von Seggiani und Zürcher und findet auch, dass die männlichen Grossräte ihre Reden in die Länge ziehen.

Doch was ist jetzt nun das grössere Problem? Dass die Männer zu viel reden, oder das die Frauen sich dagegen wehren? Darüber wird im nächsten Sonntags-Talk am 22. November um 19:15 Uhr unter anderem mit Regierungskandidatin Heidi Mück diskutiert.

3 Kommentare

  1. Komisch…. die Redezeit ist ja genau festgelegt! Auch Männer dürfen diese Zeit nicht überziehen und ALLE dürfen sie bis zur letzten Sekunde ausnützen. Fraktionssprechende 10 Minuten, Einzelsprechende 5 Minuten etcpp…Report

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