Ein 43-Jähriger wurde nach dem tödlichen Unfall an der Liesberger Fasnacht im Jahr 2019 vom Baselbieter Strafgericht freigesprochen. (Symbolbild: Telebasel)
Baselland

Strafgericht spricht Fasnächtler nach tödlichem Unfall in Liesberg frei

Der Gerichtsprozess wegen fahrlässiger Tötung nach dem tödlichen Unfall an der Liesberger Fasnacht 2019 ist beendet. Der Angeklagte wurde freigesprochen.

Freispruch: Ein Liesberger Fasnächtler wurde am Dienstag vor dem Baselbieter Strafgericht vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Der 43-Jährige musste sich nach dem Tod eines Fasnächlers (40) am 3. März 2019 vor dem Gericht verantworten.

Der 40-Jährige war von seinem Wagen mehrere Meter in die Tiefe gestürzt. Dabei hatte er sich tödliche Verletzungen zugezogen. Wie die anderen drei Mitglieder der Clique war er zuvor im Superman-Kostüm durch die Luft geflogen. Mit Auffanggurten, Karabinern und Seilen gesichert waren sie an einem Drehkreuz gehangen, das an einem Kran auf ihrem Wagen befestigt war.

Gelöster Knoten war Schuld

Ein Knoten eines Seils, das sich gelöst hatte, hatte dann für einen Seilriss gesorgt. Wie die «bz Basel» berichtet, wurde der Unfallhergang am Dienstag hinter dem Muttenzer Gerichtsgebäude von einem Gutachter mit Seilen, Auffanggurten und einem Crashtest-Dummy nachgestellt.

Dem Angeklagten, der die Nachstellung sichtlich betroffen verfolgte, wurde vorgeworfen, für den gelösten Knoten verantwortlich gewesen zu sein. Nachweisen konnte man das nicht. Der Angeklagte habe in der Einvernahme gesagt: «Das kann ich nicht gewesen sein», so der Bericht weiter. Er wisse genau, dass ein solcher Knoten nicht geeignet sei, um schwere Lasten zu tragen. Gerichtspräsident Andreas Schröder bewertete die Aussagen am Dienstag als glaubwürdig.

Auch der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, die verwendeten Seile seien ungeeignet und mangelhaft gewesen, wurde abgewiesen. Zwar hatte der Beschuldigte die Seile zur Montage mitgebracht. Zu deren Qualität machte der Unfallgutachter aber keine klare Aussage. Der Seilriss sei zudem laut Gericht nicht Ursache des Unfalls, sondern der gelöste Knoten.

«Nicht automatisch Chef»

Auch dass der Angeklagte als «faktischer Chef» die Verantwortung getragen habe, war ein Argument der Staatsanwaltschaft. Als Familienvater, Person, die im Beruf Lernende ausbilde, Mitglied einer Gemeindebehörde und langjährigem Feuerwehrmann mit Führungserfahrung, könne man höhere Anforderungen an ihn stellen, so die Argumentation. Mildernd wirke, dass er über einen guten Leumund verfüge, aufrichtige Reue zeige und sich in der Untersuchung stets kooperativ gezeigt habe, so die Argumentation der Staatsanwaltschaft.

Der Verteidiger führte an, man habe den Angeklagten willkürlich aus den drei Überlebenden herausgepickt. «Eine spezielle Schlusskontrolle wäre womöglich hilfreich gewesen. Aber wer hätte dies tun sollen? Sicher nicht der Beschuldigte allein.» Der Fasnachtswagen sei ein Gemeinschaftswerk vier Erwachsener gewesen, so der Verteidiger. Gerichtspräsident Schröder stimmte bei: «Der Angeklagte war wohl der, der angepackt hat. Das macht ihn nicht automatisch zum Chef.» Er hätte in der Vierergruppe von Freunden keine herausragende Stellung gehabt. Alle – auch der Verunfallte – hätten gewusst, worauf sie sich einlassen.

Weiter hätten die Hinterbliebenen des Verstorbenen keinerlei Interesse an einer Strafverfolgung gezeigt. Die Mutter des Verstorbenen habe gesagt, dass für den tragischen Unfall niemand verantwortlich gemacht werden könne.

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