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Telebasel Report vom 18. November 2020.
Region

Report: Impfzwang für Gesundheitspersonal?

Pflegepersonal soll als erstes geimpft werden. Im Raum steht gar ein Obligatorium. Doch das Gesundheitspersonal geht auf Barrikade.

«Ich könnte mir gut vorstellen, dass einige für sich persönlich diese Konsequenz ziehen würden», sagt Isabelle Stocker, Pflegerin auf der Covid-Station des Unispitals Basel. Die Frage lautet, ob denn mit Kündigungen zu rechnen sei, im Falle eines Impfobligatoriums. «Ja», ist sie überzeugt. Das könne zu einem Riesenproblem für die Gesundheitsversorgung in der Region werden.

Piksen oder nicht? Viele Menschen sind in Sachen Corona-Impfung noch unsicher. (Bild: Telebasel)

«Wollen keine Versuchskaninchen sein»

Daniel Simon ist Präsident des SBK beider Basel, dem Berufsverband des Pflegepersonals. Auch er habe von seinen Mitgliedern die Rückmeldung erhalten, dass ein Impfobligatorium der berühmte Tropfen zu viel sei: «Nicht wenige würden dem Beruf wohl endgültig den Rücken kehren.» Grund: Man wolle nicht Versuchskaninchen für eine halb ausgegorene Impflösung sein: «Das Pflegepersonal ist ohnehin schon am Anschlag – da ist kein Spielraum für weiteren Ärger», sagt Simon.

«Wollen keine Versuchskaninchen sein» – das Gesundheitspersonal möchte selber entscheiden können, ob eine Impfung angemessen ist oder nicht. (Bild: Telebasel)

Personal in starker Position

Beide Vertreter der Pflege sind aber überzeugt: Die Mitarbeitenden sitzen am längeren Hebel. Denn: «Es fehlen 20‘000 Pflegepersonen in der Schweiz – wer kündet, findet im Nu einen neuen Job», ist Simon sich sicher. Eine Kündigungsflut würden sich die Spitäler gar nicht leisten können. Und eine solche Drohe im Falle eines Obligatoriums ganz bestimmt: «Das Personal möchte selber entscheiden, ob eine Impfung in Frage kommt oder nicht», sagt Stocker.

Erst vor wenigen Wochen ging das Gesundheitspersonal auf die Strasse, um ihrem Ärger Luft zu verschaffen. Ein Impfobligatorium wäre «der berühmte Tropfen zu viel», sagt SBK-Präsident Daniel Simon. (Bild: Telebasel)

Spitäler winken vorerst ab

Zurzeit plane man kein Obligatorium für eine allfällige Covid-Impfung, vermelden das Kantonsspital Baselland sowie das Unispital Basel auf Anfrage des Telebasel Report unisono. Man werde den Mitarbeitenden die Impfung aber sehr wohl empfehlen.

Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger spricht sich ebenfalls gegen ein Obligatorium aus, lässt sich mit dem Zusatz «aus meiner heutigen Sicht» jedoch ein Hintertürchen offen. Bei der Baselbieter Gesundheitsdirektion fehlt dieser Zusatz, man plane keine speziellen Regelungen für das Gesundheitspersonal.

Hintergründe zu einem allfälligen Impfobligatorium für das Gesundheitspersonal sehen Sie im Telebasel Report vom 18. November 2020.

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