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Basel

Aktivistinnen machen sexuelle Belästigung in Basel sichtbar

Mit «Catcalls of BSL» startete eine Gruppe von Baslerinnen eine Street-Art-Aktion. Diese soll auf verbale sexuelle Belästigung aufmerksam machen.

«‹Dich würde ich gern richtig flachlegen› – ich war 14, er 55» steht mit farbiger Strassenkreide auf dem Basler Marktplatz geschrieben. Die Botschaft ist Teil der Street-Art-Aktion «Catcalls of BSL».

Das Projekt setzt ein Zeichen gegen verbale sexuelle Belästigung – die der englische Begriff «Catcalling» also «Katzenrufen» umschreibt. Dies weltweit: In verschiedenen Städten rund um den Globus gibt es die Aktion. In Basel ist eine Gruppe von zwölf jungen Frauen verantwortlich für das Street-Art-Projekt. Auch in Zürich oder Bern gibt es die Aktion, in Basel ist sie besonders aktiv.

Gegenüber «20 Minuten» sagt eine der Initiantinnen, die anonym bleiben will: «Wir haben dieses Projekt gestartet, weil viele von uns und unseren Bekannten schon einmal ‹gecatcalled› wurden. Nach so einem Vorfall fühlt man sich oft lange unsicher und erniedrigt.»

Erlebnisse werden am Ort des Geschehens aufgeschrieben

Die Gruppe stiess auf «Catcallsofnyc» aus New York, wo die Aktion erstmals im Jahr 2016 aufgetaucht war. Ende Oktober startete die Gruppe in Basel. «Wir wollen damit auf das Problem aufmerksam machen und Catcalling entnormalisieren.»

Hinter dem Projekt stecken jugendliche Frauen im Alter von 17 bis 19 Jahren. Auch auf Instagram ist die Gruppe präsent, dort können Betroffene jeden Geschlechts Nachrichten senden und erzählen, was ihnen zugestossen ist. Jemand mache sich dann auf den Weg, um das Geschehene direkt am diesem Ort, wo der Vorfall stattgefunden hat, mit Kreide festzuhalten. «Es ist uns wichtig, das Erlebnis der Person an den Tatort zu schreiben, damit man sieht, wo es passiert ist und um darauf aufmerksam zu machen, dass es überall passieren kann», heisst es seitens der Gruppe.

Zahlreiche Rückmeldungen hatte die Aktion bereits. Neben vielen positiven Nachrichten, vor allem von Betroffenen, habe die Gruppe aber auch negative Reaktionen erhalten: «Der Inhalt solcher Nachrichten ist meist, dass man das Kompliment doch einfach annehmen, und nicht so dumm tun solle. Nachrichten wie diese zeigen uns, dass unser Projekt wichtig ist, da viele Menschen nicht verstehen, wie schlimm diese Catcalls wirklich sind.»

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«Gesellschaft hat Verantwortung»

«Oft nehmen Frauen sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum als ‹gehört halt dazu› wahr», sagt Corina Elmer, Geschäftsführerin der Frauenberatung Sexuelle Gewalt gegenüber der Zeitung. Diese Normalisierung übergriffiger Handlungen hätten viele Frauen verinnerlicht: «Meine Grenzen und meine sexuelle Selbstbestimmung werden nicht respektiert», erläutert Elmer die Auswirkungen. «Diese breite Toleranz dieser Herabwürdigung bildet den Boden für schwerere Delikte», sagt sie. Manche Betroffene würden erst im Falle schwerer Gewalt realisieren, dass der Anmachspruch Teil des Problems sei, das eine Vorstufe dazu bilde.

Die Aktion der Catcall-Aktivistinnen stufe Elmer als wichtig ein: «Sie zeigen auf, dass hier etwas passiert ist, dass nicht in Ordnung ist», betont sie. Das Handeln der Belästiger, das nicht auf Augenhöhe mit den Betroffenen stattfinde, werde so aus der Normalität gerissen und sichtbar gemacht. «Die Nachricht ist: ‹Es ist nicht okay und kommt viel zu oft vor›», so Elmer.

Sie warne dabei davor, die Verteidigung nur auf die Betroffenen und Opfer abzuwälzen. «Wenn man so etwas beobachtet, kann man einschreiten. Entweder weist man die Täter darauf, dass ihr Handeln nicht in Ordnung ist, oder man fragt die Betroffenen, ob sie Unterstützung benötigen», sagt sie. Die Täter seien Teil der Gesellschaft, und diese habe die Verantwortung, zu intervenieren.

1 Kommentar

  1. Ich finde es durchaus wichtig und nötig über solche Vorfälle zu berichten und die Öffentlichkeit aufzuklären. Vor ca. zwei Monaten, als ich auf den Tram wartete, tauchte ein Mann auf, der mich auf das übelste behandelt hat, als ich ihn darauf hingewiesen habe, er solle Abstand halten und eine Gesichtsmaske tragen. «Schau Mal wie Du aussiehst. Dich würde wohl kaum jemand f….en. Ich würde Dich nicht einmal as Prostituierte im Puff besuchen.» Als ich in bat damit aufzuhören (ansonsten werde ich die Polizei rufen), antwortete er «Das kannst Du ruhig machen, hier nim mein Telefon». Da war ein junger Man anwesend der mich ständig auslachte und hat sich mit dem Belästiger sogar angefreundet. Ebenso eine Gruppe von 4 oder 5 jungen Frauen stand in der Nähe und lachte sich kaputt. Der Belästiger darauf «siehst Du nicht, wie lächerlich Du bist, jeder lacht Dich auf
    s.» Dabei fing er an zu spucken und wiederholte einige Beleidigungen. Keine der Anwesenden hat überhaupt darauf reagiert und mir Hilfe geleistet. Solche Vorfälle habe ich auch früher erlebt als ich noch jung war. ZB. «hey, guck dir diesen an. Ich würde sie gerne f….en. SIe hat grosse Titten.» oder ein anderer fall als ich unterwegs war, da fuhr ein Auto vorbei mit 3 jungen Männern vorbei. Einer davon rief laut «oh, sooooo viel Milch.»Report

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