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Der Telebasel News-Beitrag vom 10. November 2020.
Basel

Kritik an Corona-Demo: «Eine Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus»

Ein Nachkomme von Holocaust-Überlebenden und ein Historiker kritisieren den Vergleich zwischen Judenstern und Maskenpflicht an der Corona-Demo vom Samstag.

«Gehorsam früher und heute». Darunter eine Armbinde mit Judenstern sowie Gesichter mit Masken. Diese Gegenüberstellung auf einem Demo-Transparent ist nicht der einzige Vergleich zwischen Corona-Massnahmen und Nationalsozialismus. Die Corona-Massnahmen «erinnern stark an 1933», sagt die Thurgauer SP-Kantonsrätin Barbara Müller in einer Rede und erntet dafür Applaus. Ein weiterer Demonstrant heftet sich einen gelben Stern an seine Maske.

«Nazis waren keine Modedesigner»

Solche Szenen aus der Demo gegen Corona-Massnahmen vom Samstag, 7. November 2020, in Basel sorgen bei Yshai Kalmanovitch für Kopfschütteln. Der Musiker, Klavierbauer und Sprachwissenschaftler findet klare Worte. «Für mich als Jude, dessen Familie im Holocaust war und dessen Vater im Alter von zwei Jahren noch einen Judenstern tragen musste, ist das extrem verletzend», sagt der Basler mit rumänisch-israelischen Wurzeln. Mehrere seiner Verwandten väterlicherseits wurden von den Nazis umgebracht.

Die Maskenpflicht während der Corona-Pandemie und die Verfolgung der Juden während des Dritten Reichs – ein hanebüchener Vergleich, der jeglicher Beschreibung spotte. Yshai Kalmanovitch findet klare Worte zu diesen Banalisierungen des Judensterns: «Das ist für mich nichts weniger als Holocaust-Leugnung – die Nazis waren schliesslich keine Modedesigner». Befremdlich findet er dabei, dass solche Transparente und Reden bei der Corona-Demo kaum auf Widerspruch stiessen. «Wenn sich die Leute nicht davon distanzieren, legitimieren sie das».

«Nichts anderes als Antisemitismus»

Auch der Historiker Erik Petry von der Uni Basel kritisiert solche Shoah-Relativierungen scharf. «Das ist eine Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus, wenn man die Maskenpflicht mit dem Zwang, ab 1941 einen Judenstern tragen zu müssen, vergleicht». Erik Petry sieht noch andere problematische Punkte, wie etwa am Beispiel mit dem Gehorsam-Transparent. Damit suggerierten die Demonstranten, die jüdischen Verfolgten seien selber schuld an ihrem Schicksal, da sie angeblich zu gehorsam waren. Dies verhöhne auch die Widerstandsbewegungen gegen die Nazis.

Geschichtsrevisionismus dieser Art ist nicht nur in Basel, sondern auch an Corona-Demos in Deutschland anzutreffen. Bei den genannten Beispielen fällt auf, dass die Demonstranten die Machtergreifung der Nazis wie auch den Holocaust umdeuten und für ihre Zwecke missbrauchen. Wenn jemand solche Vergleiche zieht, nicht bloss im Sinne von «wir fühlen uns gerade so», sondern bewusst solche Relativierungen betreibt, sei das nichts anderes als Antisemitismus, so Erik Petry.

1 Kommentar

  1. Ich fasse es nicht! Anti-Corona-Masken sind dem Judenstern gleichzusetzen? Wer so etwas sagt, hat jedes Mass verloren. Historisches Unwissen, Polemik, Populismus, Antisemitismus, Larmoyanz. Eine ungute Gemengelage. Welche Partei nochmal? AfD? Ekre? Front National? Ich muss nachschauen.Report

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