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Der Telebasel News Beitrag vom 4. November 2020.
Basel

US-Bürger in Basel: «Amerika ist stärker gespalten denn je»

Jason Stadnik ist US-Amerikaner und lebt in Basel. Er ist nicht überrascht, dass am Dienstagmorgen noch kein Sieger feststand.

Auf der anderen Seite des Atlantiks entscheidet das Stimmvolk, wer die nächsten vier Jahre in der Supermacht USA die Zügel in der Hand hält. Jason Stadnik, gebürtiger US-Amerikaner und seit dreieinhalb Jahren in Basel wohnhaft, verfolgt das Politikgeschehen in seinem Heimatland sehr genau.

«Das Land muss heilen und zusammenkommen»

«Amerika ist stärker gespalten denn je: Schon nur, wenn man die verschiedenen Fernsehsender beobachtet, auf denen ich die Wahlen verfolgt habe. Von jenen mehr links bis zu denen mehr rechts. Sie reden zwar über das Gleiche, aber es scheint, als würden sie zwei völlig unterschiedliche Wahlen sehen», schildert Stadnik seine Eindrücke der Wahlnacht.

Wer auch immer das Rennen macht. Für Stadnik ist klar, was die Vereinigten Staaten jetzt brauchen: «Amerika muss meiner Meinung nach darauf achten, dass die Leute vor dem Coronavirus geschützt werden. Und zweitens hat das alles zu einem Land geführt, das jetzt heilen und zusammenkommen muss.» Für wen er gestimmt hat, will er nicht preis geben. «Da sind wir Amerikaner etwas komisch.» 

Umfragen in der Kritik

Nach dem zunächst engen Wahlergebnis in den USA ist am Dienstag und Mittwoch Kritik an den zuvor veröffentlichten Umfragen laut geworden. Die Wahlforscher hatten im Durchschnitt einen landesweiten Vorsprung des Demokraten Joe Biden von rund acht Prozentpunkten vorhergesagt. Am Mittwochmorgen (Ortszeit) lag Biden zwar nur etwa zwei Punkte vor Amtsinhaber Donald Trump, allerdings haben sich auch in der Vergangenheit durch Briefwahlstimmen und die teils langwierige Auszählung im von Demokraten dominierten Kalifornien noch grössere Umschwünge von mehreren Prozentpunkten ergeben.

Unterschiede können deshalb entstehen, weil in Umfragen nur ein winziger Bruchteil der Wähler befragt wird und nicht alle Bevölkerungsgruppen zu gleichen Teilen teilnehmen wollen. In der Regel ist es beispielsweise schwieriger, junge und ärmere Wähler zu erreichen. Ungenauigkeiten kommen etwa daher zustande, dass die Wahlbeteiligung 2020 deutlich höher liegt als bei letzten Wahlen vor vier Jahren – vorherzusagen, wie sich die zusätzliche Beteiligung zusammensetzt, ist schwieriger.

Trump verkündet voreilig Wahlsieg – «Nicht sehr überraschend»

Momentan liegen beide Kandidaten ungefähr gleich auf. Donald Trump hat sich trotzdem schon selbst zum Sieg gratuliert. Der Friedensforscher und Politikwissenschaftler Laurent Goetschel von der Uni Basel sagt, dass sei typisch für ihn. «Ich denke, dass ist etwas das zu seiner Art passt, wie er sich eigentlich immer als Sieger präsentiert. Er kann eigentlich gar nicht verlieren. Daher gesehen ist es nicht sehr überraschend.»

Die USA liegen momentan in der Schwebe. Das Worst-Case-Szenario kann noch eintreffen. «Das wäre, wenn es die Wahlresultate so eng beeieinander liegen, dass sie gerichtlich angefochten werden und es zu Unruhen kommen würde, die dann noch vom Präsidenten angeheizt werden. Das ist ja etwas, mit dem Trump gedroht hatte», so Götschel. Für wahrscheinlich hält er dies jedoch nicht.

Schicksalswahl könnte sich hinziehen

Die internationale Politik hängt stark von der Personalie, die das Präsidentenamt bekleidet, ab. «Konkret gesehen ist Joe Biden jemand, der multilateraler unterwegs wäre, also mehr mit anderen zusammen versuchen würde, die internationalen Interessen der USA wahrzunehmen. Donald Trump hat nicht viel übrig für internationale Institutionen.» Kleine Länder wie die Schweiz hätten laut Götschel ein Interesse daran, dass internationales Recht über internationale Institutionen gelöst werden.

Die Entscheidung, ob Trump oder Biden der nächste Präsident der USA wird, könnte sich noch hinziehen. In diesem Jahr hatten wegen der Zunahme der Briefwähler bereits mehrere Bundesstaaten davor gewarnt. Die Auszählung der Briefstimmen ist wegen zusätzlicher Arbeitsschritte komplexer als das Zählen der in Wahllokalen abgegebenen Stimmen. Der Gouverneur von Pennsylvania, Tom Wolf, hatte die Bürger aufgefordert, sich zu gedulden. Die Auszählung könne etwas länger dauern als gewohnt, «sogar ein paar Tage, aber das ist in Ordnung», so Wolf in einem Werbespot. «Denn es ist entscheidend, dass Ihre Stimme ausgezählt wird – und das wird sie auch.»

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