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James Bond-Ikone und Erz-Schotte Sean Connery ist tot

Schauspieler Sir Sean Connery ist tot. Der ehemalige James Bond-Darsteller ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Ein Nachruf auf die Schauspiel-Ikone.

Als Sean Connery unten im Gesicht schon wesentlich mehr Haare hatte als oben, wurde er noch zum «Sexiest Man of the Century» gewählt, zum Mann mit dem grössten Sex-Appeal des Jahrhunderts. Das war 1999, und er war damals schon fast 70. Connery war das beste Beispiel dafür, dass ein Hollywood-Star auch in Würde altern kann.

Nun ist Sean Connery mit 90 Jahren gestorben. Das teilte der britische Sender BBC am Samstag unter Berufung auf seine Familie mit. Er sei in seinem Zuhause in Nassau auf den Bahamas gestorben, hiess es. Connery war der erste James Bond-Darsteller – und für viele Fans auch der beste. Der Schotte spielte den britischen Geheimagenten zwischen 1962 und 1983 sieben Mal.

2003 letzte Filmrolle – dann der Rückzug

In den letzten Jahren seines Lebens hatte sich Sir Sean – so durfte er sich seit dem Ritterschlag durch Königin Elizabeth II. nennen – aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Seine letzte Filmrolle hatte er 2003 in dem Film «Die Liga der aussergewöhnlichen Gentlemen». Nur gelegentlich sah man den Rentner danach noch auf Fotos und in Videos, die seine Enkelin Saskia Connery bei Instagram veröffentlichte.

Interviews gab der Charakterkopf mit dem eisgrauen Bart schon lange nicht mehr. Und wer gedacht hatte, dass er in seiner 2008 erschienenen Autobiografie süffisante Anekdoten preisgeben würde, sah sich getäuscht: «Mein Schottland, mein Leben» war vor allem eine Hommage an seine Heimat.

Vom Milchmann zum Schauspiel-Star

Bevor Sean Connery zur Schauspielerei kam, hatte er als Milchmann und LKW-Fahrer gearbeitet. Er posierte am Edinburgh College of Art als Aktmodell für Kunststudenten und landete 1953 bei der Wahl zum Mr. Universum auf dem dritten Platz. Ausserdem war er ein begabter Fussballer. Eine mögliche Profikarriere lehnte der junge Connery aber ab, weil er langfristig mehr Potenzial in der Schauspielerei sah.

Er selbst studierte nicht. Die vielen Hinweise auf die schottische Geschichte und Literatur in seinen Memoiren verraten aber deutlich den Stolz des Autodidakten, der sein Wissen selbst erworben hat. Als junger Mann fuhr er jeden Morgen mit dem Fahrrad in die Stadtbücherei, um dort englische Klassiker zu lesen.

Ian Fleming musste von Sean Connery überzeugt werden

Bond-Erfinder Ian Fleming war anfangs gar nicht angetan von dem ungeschliffenen jungen Mann, den die Filmemacher für die Titelrolle in «James Bond jagt Dr. No» auserkoren hatten. Sean Connery, der als Sohn einer Putzfrau und eines Arbeiters 1930 in einem Vorort von Edinburgh geboren wurde, war dem versnobten Fleming nicht mondän genug. «Ich suche Commander Bond und keinen zu gross geratenen Stuntman!», soll Ian Fleming gesagt haben. Doch der Autor liess sich überzeugen – und gab Bond in seinen Romanen sogar schottische Wurzeln.

James Bonds allererster Auftritt auf der Leinwand – verkörpert durch Sean Connery in «James Bond jagt Dr. No» (1962). (Video: Youtube/StefanD99)

Sieben Mal schlüpfte Sean Connery in die Rolle des englischen Elite-Killers. Seinen schottischen Akzent mit dem merkwürdig vernuschelten «sch» an Stellen, wo man eigentlich ein «s» erwartet hätte, legte er dabei nie ab. Die unverwechselbare Stimme fehlte natürlich in der deutschen Synchronfassung, doch dem Sprecher Gert Günther Hoffmann (1929-1997) gelang es durchaus, Connerys lässige Selbstbeherrschung rüberzubringen. Sie dürfte seinen Sex-Appeal wesentlich ausgemacht haben.

James Bond liess ihn nie los

Da Sean Connery nicht auf die Bond-Rolle festgelegt werden wollte, hörte er mit «Man lebt nur zweimal» 1967 auf, nur um dann 1971 für «Diamantenfieber» erneut zurückzukehren. Danach wollte er die Rolle eigentlich nie wieder spielen, drehte dann aber doch noch den ironisch betitelten «Sag niemals Nie», ein inoffizielles Remake seines eigenen Bond-Films «Feuerball» (1965), das 1983 in Konkurrenz zu Roger Moores «Octopussy» lief.

Der Ur-Bond blieb er immer, für viele auch der beste. Nicht alles, was danach folgte, ist erinnerungswürdig, so trat er 1974 in dem grotesken Science Fiction-Film «Zardoz» in einem knallroten Badeanzug auf, der den Borat-Mankini vorwegnahm.

Unvergessen bleibt er als Archäologie-besessener Vater von Indiana Jones – dessen Darsteller Harrison Ford nur zwölf Jahre jünger war als er – und natürlich als mittelalterlicher Sherlock Holmes in «Der Name der Rose». Der Franziskanerpater William von Baskerville, der sich der Heiligen Inquisition entgegenstellt, ohne dabei auch nur einmal mehr als unbedingt nötig mit der Augenbraue zu zucken, war in Europa seine erfolgreichste Rolle nach Bond.

Sean Connery spielte in «Der Name der Rose» die Rolle des William von Baskerville. (Video: Youtube/Movieclips Classic Trailers)

Eine der schönsten Szenen des Films ist, wie der junge Novize Adson von Melk (Christian Slater) nach seiner Verführung durch ein junges Mädchen zu seinem Meister William von Baskerville kommt und ihn fragt, ob er schon mal jemanden geliebt habe. «Natürlich», erwidert der: «Aristoteles». Dies aus dem Munde des «Sexiest Man of the Century» – das ist einfach von bestechendem Witz.

Charakterdarsteller und Oscar-Preisträger

Sean Connery wurde in den letzten 20 Jahren seiner Laufbahn vor allem als Lehrmeister und Mentor von Jüngeren gecastet, etwa in «Highlander» mit Christopher Lambert und in «Die Unbestechlichen» mit Kevin Costner. Für seine Nebenrolle in diesem Polizeifilm aus dem Chicago von Al Capone erhielt er 1988 seinen einzigen Oscar.

Einige grosse Rollen liess er sich entgehen: So lehnte er den Part des Zauberers Gandalf in Peter Jacksons «Herr der Ringe»-Verfilmung ab, weil sich ihm das Drehbuch nicht erschloss.

Die Erhebung in den Adelsstand durch die Queen liess lange auf sich warten. Nach seiner festen Überzeugung hatte das damit zu tun, dass er – der Ihrer Majestät als Commander Bond so treue Dienste geleistet hatte – privat eifrig am Zerfall des Vereinigten Königreichs arbeitete: Sean Connery war ein treuer Förderer der Scottish National Party und machte sich für ein unabhängiges Schottland stark.

Erz-Schotte auf den Bahamas

Andererseits ging seine Vaterlandsliebe auch wieder nicht so weit, dass er dafür schlechtes Golfwetter in Kauf genommen hätte. Den grössten Teil des Jahres verbrachte der Erz-Schotte unter südlicher Sonne, weshalb ihn seine politischen Gegner als «Abgeordneten von den Bahamas» verspotteten.

Sean Connery wird 2005 von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen. (Bild: Keystone)

Sean Connery war seit 1975 mit der ein Jahr älteren französischen Malerin Micheline Roquebrune verheiratet. Aus seiner ersten Ehe mit der australischen Schauspielerin Diane Cilento (1933-2011) entstammt sein Sohn Jason, der Regisseur ist.

Schlagzeilen in der Klatschpresse hat Sean Connery selten gemacht. Seine Autobiografie schliesst mit dem kurzen Satz: «Ich habe viele gute Zeiten erlebt».

Von Christoph Driessen und Philip Dethlefs, dpa

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