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In Bern fand am Freitag erneut eine Point de Presse mit Fachexperten des Bundes zur Coronavirus-Lage statt. (Video: Youtube)
Schweiz

Fachexperten des Bundes zur Coronavirus-Lage

Der Bundesrat hat am Mittwoch die Corona-Massnahmen verschärft. Am Freitag haben die BAG-Experten über die aktuelle Lage informiert.

Am Freitagnachmittag haben die Fachexperten des Bundes über die aktuelle Lage informiert.

Anwesend waren:

– Virginie Masserey (Leiterin Sektion Infektionskontrolle des BAG)
– Isabelle Chassot (Direktorin Bundesamt für Kultur)
– Matthias Remund (Direktor Bundesamt für Sport)
– Olivier Schärli (Leiter Bereich Arbeitsmarkt SECO)
– Linda Nartey (Kantonsärztin Bern, Vorstandsmitglied der Vereinigung der Kantonsärztinnen und -ärzte)
– Martin Ackermann (Präsident National COVID-19 Science Taskforce)

Masserey: «Die Situation ist nicht mit jener im Frühling zu vergleichen»

Die Situation sei nicht mit derjenigen im Frühling vergleichbar, so Virginie Masserey. Erwachsene seien mehr betroffen als Kinder. Mit der neuen Kampagne des BAG wolle man auf die Dringlichkeit hinweisen, und darauf, dass es jetzt Zeit zum Handeln ist.

Das BAG hat laut Masserey eine neue Kampagne zur Selbsteinschätzung gestartet. Damit könne man bei Symptomen eine automatische Selbstevaluation online durchführen.

Corona Schnelltests ab Montag

Corona-Schnelltests sind ab Montag in Apotheken und Arztpraxen verfügbar. Der Test ist gratis und Resultate liegen innerhalb von 15 Minuten vor, wie Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle im Bundesamt für Gesundheit (BAG), am Freitag am Point de Presse erklärte.

Die Ergebnisse der Tests würden automatisch dem BAG übermittelt. Empfohlen werden Schnelltests für Menschen mit Symptomen seit weniger als vier Tagen, nicht aber für Risikogruppen.

Die Nachfrage nach Grippeimpfungen nimmt zu. Laut Virginie Masserey werden voraussichtlich noch mehr Impfdosen angeschafft.

Auch in Arztpraxen nimmt Belastung zu

Linda Nartey, Kantonsärztin Bern erläutert, dass die Kapazitätsgrenze bald erreicht sei: «Wir drohen an die Kapazitätsgrenzen zu stossen». Es werde nun aufgestockt, um ein funktionierendes Contact-Tracing zu gewährleisten.

In den Arztpraxen werden es zunehmend aufwändig, die Covid-Patienten von den anderen Erkrankten getrennt zu behandeln. Ausserdem erkranke auch das Gesundheitspersonal, das dann für die Behandlung ausfalle. Damit werde die Sicherstellung der medizinischen Behandlung, sowohl ambulant als auch stationär, zunehmend belastet.

Die Spitäler analysierten sehr genau, wie lange ihre Kapazitäten reichten, auch unter Berücksichtigung der erkrankten Mitarbeiter. Sie seien froh, dass es die Möglichkeit einer Unterstützung durch die Armee gebe und bereiteten sich auch darauf vor, sagte Nartey.

«Kann sein, dass weitere Massnahmen nötig sein werden»

Martin Ackermann, Präsident National COVID-19 Science Taskforce rechnet damit, dass die Spitalkapazitäten in den nächsten Wochen überschritten werden. «Je besser wir uns jetzt verhalten, desto kürzer wird diese Überlastung dauern.»

Bleibe der Trend ungebrochen, sei die Kapazität in den Spitälern erschöpft, sagte Ackermann am Freitag vor den Bundeshausmedien. Nicht notfallmässige Eingriffe würden verschiedenenorts bereits heute massiv reduziert. «Das ist ein massiver Eingriff in unser Gesundheitssystem.» Beispielsweise Tumorpatienten müssten auf ihre Operation warten.

«Leider hat sich die Lage in der vergangenen Woche so entwickelt wie wir es in den Prognosen erwartet hatten», sagte Ackermann. Die entscheidende Änderung sei aber, dass flächendeckende Massnahmen ergriffen worden seien. «Sie werden einen Effekt haben.» Jedoch sei dieser erst in 15 Tagen aussagekräftig messbar.

Ackermann machte auch deutlich, dass es sein könne, dass weitere Schliessungen auf Bundesebene notwendig würden. «Wenn wir alle den Ernst der Lage erkennen, können wir die Lage verbessern, wenn wir resignieren, dann nicht.»

«Verzicht auf Wahleingriffe löst Problem nicht»

Das Zurückstellen der Wahleingriffe in Spitälern sei zwar sinnvoll, löse das Problem aber nicht, sagte Martin Ackermann, Präsident der wissenschaftlichen Covid-19-Taskforce des Bundes. Nur das Stoppen des exponentiellen Wachstums helfe.

«200 zusätzliche Intensivbetten bringen uns bei gleichbleibendem Wachstum am Schluss genau 32 Stunden», sagte Ackermann. Man könne nicht mit linearen Massnahmen ein exponentielles Wachstum bekämpfen.

Linda Nartey, Berner Kantonsärztin, unterstreicht Ackermanns Einschätzung: «Die beste Chance, die wir haben, ist das Brechen der Welle.»

Taskforce warnt vor mentalen Folgen der Krise

Laut Martin Ackermann kommt in der aktuellen Corona-Lage nicht nur die Notfallmedizin, sondern auch die Psychiatrie an ihre Grenzen. «Wir erwarten, dass Institutionen der psychiatrischen Versorgung unter Druck geraten.»

Es brauche nun eine «vorausschauende Pflegeplanung», sagte Ackermann. Beispielsweise sei es wichtig, über die Finanzierung der Reha nachzudenken. «Viele Covid-Patienten werden eine Reha-Therapie brauchen.» Zudem sei es angezeigt, Hausärztinnen und Hausärzte mehr in die Überlegungen der Behörden miteinzubeziehen.

Ackermann warnte auch davor, dass viele Notfallpatientinnen und -patienten, aus Angst, sich anzustecken, zu Hause blieben. Diese Erfahrung habe man im Frühjahr während der ersten Welle gesehen.

Auch Sport muss Beitrag zur Virus-Eindämmung leisten

Laut Matthias Remund, Direktor des Bundesamts für Sport (Baspo), muss auch der Sport einen Beitrag zur Eindämmung des Coronavirus leisten. Die Einschränkungen auf Bundesebene seien stark, doch bleibe es möglich, sich zu bewegen.

Remund erwähnte am Freitag vor den Bundeshausmedien, dass insbesondere Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nicht von den Massnahmen betroffen seien. „Sie haben keine Einschränkungen, weder im Innen- noch im Aussenraum. Verboten seien nur Wettkämpfe und Spielnachmittage.

Auch erwachsene Personen könnten sich bewegen. Remund zählte etwa Wandern, Jogging oder Langlauf auf. In Innenräumen sei Sport ohne Kontakt und unter Einhaltung der kleinen Gruppengrössen zulässig. Wer turne, Yoga oder Pilates mache, müsse aber eine Maske tragen.

«Faktisch sind Breitensportanlässe nicht möglich, ausdrücklich verboten sind sie nicht». sagte Remund weiter. Sportanlagen dürften grundsätzlich offen bleiben.

Die Regelungen in Fitnesszentren bezüglich Maskentragepflicht seien unterschiedlich. Und auch in Siedlungsgebieten sei teilweise unklar, wann in einer Fussgängerzone eine Maske getragen werden müsse und wann nicht. Dazu äussert sich Masserey. Im Zweifelsfall solle eine Maske getragen werden.

100 Millionen-Stabilisierungspaket für Sportverbände

«Wir haben für den Breiten- und Leistungssport ein Stabilisierungspaket». Für dieses Jahr seien 100 Millionen Franken geplant. Das Schadenspotenzial sei jedoch sehr hoch. Für 2021 sei ein weiteres Hilfspaket in Planung.

Leicht mehr Anmeldungen für Kurzarbeit

Es gebe leicht mehr Anmeldungen für Kurzarbeit, sagte Oliver Schärli, Leiter des Bereichs Arbeitsmarkt und Arbeitslosenversicherung im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), am Freitag am Point de Presse zum Coronavirus.

Man sei aber noch auf tiefem Niveau und werde die zweite Welle wohl bald deutlicher spürten, sagte Schärli auf eine entsprechende Jorunalistenfrage.

Am Mittwoch hat der Bundesrat die Schraube weiter angezogen – und unter anderem ein landesweites Verbot von Grossanlässen erlassen. Derweil steigen die Zahlen aber weiter an – gestern zum Beispiel meldet das BAG Rekordzahlen.

Ob dieses Massnahmenbündel reicht, das ist umstritten. Jedenfalls haben einzelne Kantone das Regime verschärft. Zum Beispiel der Kanton Jura hat am Freitag beschlossen, ab nächster Woche sämtliche Bars und Restaurants zu schliessen.

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