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Um 14 Uhr treten die Fachexperten der Behörden vor die Presse. (Video: Youtube)
Schweiz

Task Force: «Bleiben Sie zu Hause, wann immer es möglich ist»

Bevor der Bundesrat am Mittwoch weitere Coronavirus-Massnahmen auf Bundesebene beschliessen wird, geben um 14 Uhr Fachexperten Auskunft über die aktuelle Lage.
Wir beenden den Ticker an dieser Stelle

Vielen Dank für Ihr Interesse. Wir halten Sie weiterhin auf dem Laufenden, was Corona und alle anderen wichtigen Themen angeht. Bleiben Sie gesund.

Steht fest, dass Ärzte bald aussuchen müssen, wer ein Bett bekommt?

Bei maximalem Ausbau hat die Schweiz 1’400 Intensivbetten zur Verfügung. Flächendeckend wäre dies in 14 Tagen der Fall, wenn die Kurve nicht abgeflacht werden könne.

Lokal könne es bereits vorher zu solchen Situationen kommen, dass Ärzte entscheiden müssen, wer ein Bett bekommt und wer nicht mehr behandelt werden kann.

Man habe noch einen gewissen Spielraum, so Steffen, man müsse jetzt aber massive Massnahmen ergreifen.

Positivitätsrate muss runter

Das Ziel wäre eine Positivitätsrate von 5 Prozent, bei diesem Wert sagt man, dass die Lage unter Kontrolle sei. Deswegen müsse mehr getestet werden, so Ackermann.

Gesundheitspersonal am Anschlag, was passiert jetzt?

Man strebe einen Lastenausgleich innerhalb der Institutionen an. Gleichzeitig wurden mancherorts nicht-dringende Operationen abgesagt. Zudem wurde neues Personal rekrutiert, auch Pensionierte habe man in einzelnen Kantonen aufgefordert, wieder arbeiten zu kommen.

Das Arbeitsgesetz gelte, es sei nicht ausser Kraft gesetzt worden, im Vergleich zur ersten Welle. Aktuell gebe es keine offiziellen Anfragen, ob das möglich wäre. Das ist es in der aktuellen Lage nicht.

Möglich sei es laut Sozialpartnern, die maximale Höchstarbeitszeit pro Woche um vier Stunden zu erhöhen.

Diese Woche protestiert das Gesundheitspersonal gegen die Belastung der Corona-Krise und der damit verbundenen fehlenden Anerkennung.

Maskenpflicht für Kinder?

Ackermann: «Wir hoffen, dass wir die aktuelle Regelung so aufrechterhalten können.» Dabei tausche man sich aber mit Lehrerinnen und Lehrern oder Kinderärzten aus, um die Regelung allenfalls anzupassen.

Wie sieht es mit den Impfstoffen gegen die saisonale Grippe aus?

Die Grippeimpfungen seien von Lieferverzögungen betroffen, so Masserey. 1,25 Millionen Dosen seien aktuell verzögert. Diese werden erst im November, ev. im Dezember geliefert. Man versuche, so viele Impfstoffe wie möglich für die Schweiz zu erhalten.

Betreffend Covid-19-Impfungen sind zwei Verträge abgeschlossen worden, man stehe auch mit weiteren Produzenten in Verhandlungen. Unklar sei, welche Impfstoffe die Schweizerische Zulassung bekommen würde.

Gibt es eine Konkurswelle?

Es sei nach aktuellem Stand keine Konkurswelle absehbar, so Zürcher vom SECO. Das auch, weil die abfedernden Massnahmen von Bund und Kantonen gut greifen würden.

Taskforce will Schulen auflassen

Es sei wichtig, die Schulen offen zu lassen, betont die Taskforce. Dabei sei es wichtig, dies unter sicheren Umständen tun zu können. Auch der Bund ist der Meinung, dass Krippen und obligatorische Schulen offenbleiben müssen.

Wie sieht es bei den Bundesfinanzen aus?

«Wir sehen einen Anstieg der Staatsverschuldung», sagt Sturm, «Aber nicht eine, die wir in den nächsten Jahren nicht bewältigen könnten.»

Zürcher vom Seco ergänzt: «Wir sind bei der ALV bei Ausgaben von 8 Milliarden. Wir rechnen bis Ende Jahr von Ausgaben bei der Kurzarbeit von bis zu 12 Milliarden.»

Gibt es genug Tests?

«Wir sind daran, unsere Testkapazitäten auszubauen», so Masserey. Bald sollen Schnelltests verwendbar sein.

Wäre ein Mini-Lockdown wirtschaftlich schädlich?

«Wir haben keine Erfahrung mit Mini-Lockdowns», so Sturm. «In der Theorie ist das gut machbar, aber in der Praxis ist nicht klar, ob das etwas bringt. Es könnte sein, dass wir dann in eine Art Jojo-Effekt reinkommen würden.»

Zürcher: «Man kann nicht einfach Abschalten und dann auf einen Knopf drücken und dann geht alles wieder. Auch nicht, wenn man das euphemistisch ‹Mini-Lockdown› nennt.»

Gastronomie forderte, keine schärferen Massnahmen zu ergreifen

Die Fragerunde hat begonnen. Zuerst zur Forderung der Gastro, dass die Massnahmen nicht verschärt werden:

«Auch dieser Sektor profitiert davon, wenn die Pandemie eingedämmt wird», so Sturm. «Wenn wir nichts tun, dann trifft es die Gastronomie noch viel härter.»

Kantonsarzt Steffen

Basler Kantonsarzt Thomas Steffen: «Wir sind alle irritiert, vielleicht auch frustriert. Das kann in der Kommunikation gefährlich sein. Damit sind nicht nur die Medien gemeint, sondern auch die Fachleute und die Öffentlichkeit. Wir müssen alles dafür tun, um aus dem Sturm zu finden. Schuldzuweisungen bringen da nichts.»

«Wir haben die Ressourcen, auf allen Ebenen das Nötige zu tun, um aus dieser Situation zu kommen. Das braucht die Unterstützung aller. Wir wollen versuchen, mit möglichst wenig gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Schäden aus der Sache raus zu kommen.»

Man sei gut durch die erste Welle gekommen, habe den Sommer auch genutzt, Verbesserungen durchzuführen. Man sei in einer schwierigen Situation, die Situation sei aber nicht hoffnungslos.

Jeder einzelne müsse nun Verantwortung übernehmen, dabei müsse man aber auch strukturell nachziehen.

Man weiche vom klassischen Contact Tracing ab, und versuche stattdessen, betroffene möglichst gut zu informieren. Die Testkapazitäten und Spitalkapazitäten würden täglich überarbeitet und erhöht. In den nächsten Wochen müsse man mit grösseren Problemen rechnen.

Gemeinsam werde man diesen Sturm durchstehen, wenn man sich Mühe gebe, sogar gut überstehen.

Verhinderung des Lockdowns rettet die Wirtschaft nicht

Die Verhinderung des Lockdowns sei nicht unbedingt ein Gefallen für die Wirtschaft, wie es oft dargestellt wird. Denn auch die Unsicherheit beeinflusse die Wirtschaft. Der Handel Wirtschaft gegen Gesundheit gehe also nicht auf. Sagt Jan-Egbert Sturm, von der Expertengruppe Wirtschaft der Taskforce.

«Was wäre denn ohne Massnahmen?», fragt er. «Es ist klar: Das Gesundheitssystem würde überlastet.» Die Wirtschaft allgemein und der Tourismus im Speziellen würden dadurch aber ebenfalls leiden. Die Wirtschaft leide auch, wenn keine Massnahmen ergriffen werden, wie das Beispiel Schweden zeige, das weniger strenge Regeln beschlossen hatte, dessen Wirtschaft aber auf einem ähnlichen Niveau wie bei den Nachbarländern einbrach.

«Die Pandemie hat uns schon 40 Milliarden gekostet», sagt Sturm. Darum sei es umso wichtiger, alles zu tun, um noch mehr Schaden zu verhindern.

Taskforce fordert harten Eingriff

Taskforce-Ackermann erwartet durchgreifen des Bundes: «Es gibt keine Alternative zu drastischen Massnahmen.» Daten zeigen, dass die Bevölkerung ihre Mobilität nur leicht einschränke. Die Menschen reagierten aktuell zu wenig, so Ackermann. «Wir müssen unsere Kontakte stark reduzieren, zuhause bleiben, wann immer es möglich ist.»

Er appelliert an die Bevölkerung: «Wir haben keine Zeit zu verlieren.» Es gebe keine Alternativen zu einschneidenden Massnahmen. Die Spitäler seien bereits am Anschlag. Gehe die Entwicklung weiter, könnten nicht mehr alle Menschen, die medizinische Hilfe brauchten, versorgt werden.

Die wissenschaftliche Taskforce gehe deshalb davon aus, dass der Bundesrat am Mittwoch weitere Massnahmen beschliessen werde. Das sei richtig so. «Wir müssen die Entwicklung stoppen und die Hälfte aller Neuinfektionen verhindern», sagte Ackermann. Auch ein Lockdown müsse eine Option sein.

Unterstützung für Betriebe

Stéphane Rossini, Direktor des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV), hat vor den Medien festgehalten, dass verschiedene Massnahmen zur Stützung der Wirtschaft weiterhin gelten. Beispielsweise die Corona-Erwerbsersetzregelung bleibe bis Ende Juni 2021 in Kraft.

Andere Massnahmen hätten rückwirkende Auswirkungen, so Rossini. Gewisse Entscheide auf kantonaler Ebene würden sich ebenso auf Bundesgelder auswirken. Dies betreffe beispielsweise Angestellte, die eine arbeitgeberähnliche Stellung haben. Auch diese könnten sich rückblickend auf den Erwerbsersatz oder Lohnausfall beziehen – rückwirkend per 17. September 2020. So regle es das Covid-19-Gesetz

Bis Ende Dezember würden auch Selbstdeklarationen akzeptiert, sagte Rossini weiter. Man wolle so flexibel auf die Quarantänesituation reagieren können.

Contact-Tracing

Als nächster spricht Stéphane Rossini, Direktor, Bundesamt für Sozialversicherungen BSV. Er spricht eine Vereinfachung des Contact-Tracing-Systems für morgen. Den Selbstdeklarationen soll mehr Gewicht zugestanden werden.

Alarm in den Spitälern

Andreas Stettbacher, Delegierter des Bundesrates für den Koordinierten Sanitätsdienst (KSD): Wenn keine Massnahmen getroffen würden, reichen die Betten auf den Intensivstationen noch für 15 Tage. Die Kantone beantragen bereits jetzt beim Bund Beatmungsgeräte.

Mehr dazu hier.

Zur Lage

Virginie Masserey eröffnet: «Wir haben heute etwa 6’000 neue Fälle pro Tag, die Anzahl Hospitalisierungen ist auf dem Level der ersten Welle. Auch die Anzahl Todesfälle nimmt ähnlich stark zu, wie am Anfang der ersten Welle. Die Fälle und Hospitalisierungen verdoppeln sich etwa jede Woche.»

Die Infektionen ziehen sich über alle Altersgruppen, aktuell sind es vor allem Jüngere, die Kurve bei den Älteren steigt aber aktuell schneller. Deswegen mache man sich betreffend Hospitalisierungen Sorgen.

Sie appelliert, dass man nicht auf eine behördliche Anweisung warten solle, um in Quarantäne zu gehen, wenn man beispielsweise (positiv) getestet wurde sondern das sofort und selbständig machen solle.

Auch auf eine Maskenpflicht solle man nicht warten: «In Innenräumen gilt Abstand und Maske.»

Darum geht es

Am Montag hatte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) 17’440 neue Coronavirus-Ansteckungen über das Wochenende kommuniziert. Zudem registrierte das BAG gemäss Mitteilung vom Montag 37 neue Todesfälle und 259 Spitaleinweisungen. Auch wenn Gastro Suisse und die Tourismusverbände heute ausführten, wie hart ihre Branchen getroffen werden, ist davon auszugehen, dass der Bundesrat noch einmal die Schraube anziehen wird und neue Massnahmen beschliesst.

Folgende Experten und Expertinnen sind vor Ort: Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle, BAG; Andreas Stettbacher, Delegierter des Bundesrates für den Koordinierten Sanitätsdienst (KSD); Stéphane Rossini, Direktor, Bundesamt für Sozialversicherungen BSV; Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit, SECO; Thomas Steffen, Kantonsarzt Basel-Stadt, Vorstandsmitglied der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte; Martin Ackermann, Präsident National COVID-19 Science Task Force; Jan-Egbert Sturm, Leiter Expertengruppe Wirtschaft, National COVID-19 Science Task Force.

Telebasel überträgt die Pressekonferenz ab 14 Uhr live im TV und online.

1 Kommentar

  1. Gott sei Dank kommen morgen die verschärften Massnahmen für die ganze CH, ein Teil der Bevölkerung hat noch immer nicht verstanden,worum es geht; und dieser Teil der Bevölkerung reagiert erst, wenn die Massnahmen verordnet; ein ArmutszeugnisReport

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