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Die Medienkonferenz mit Fachexperten des Bundes vom Freitag, 23. Oktober 2020. (Video: Youtube/Der Schweizerische Bundesrat)
Schweiz

Taskforce-Leiter: «Kapazität Spitäler wohl Anfang November erreicht»

Die Experten des Bundes schlagen Alarm. Werde nicht sofort gehandelt, würden die Spitäler bereits an ihren Anschlag kommen, erklärte Taskforce-Chef Ackermann.

«Wir haben schlicht keine Zeit mehr abzuwarten, ob die nun getroffenen Massnahmen in zwei Wochen greifen». Das hat Martin Ackermann, Präsident der wissenschaftlichen Covid-19-Taskforce des Bundes, am Freitag vor den Bundeshausmedien in Bern gesagt.

«Wir haben festgestellt, dass sich die Hospitalisierungen jede Woche verdoppeln», sagte Ackermann. Auch die Einweisung in die Spitäler und die Todesfälle verdoppelten sich jede Woche.

«Sie wissen alle, was auf dem Spiel steht»

Die Taskforce des Bundes gehe davon aus, dass «zwischen dem 5. und 18. November die Kapazität der Spitäler bei den Intensivbetten erreicht ist», sagte Ackermann. «Die Eindämmungsstrategie funktioniert nicht mehr. Jeder muss die Hälfte seiner Kontakte vermeiden.»

Veranstaltungen müssten dringend eingegrenzt werden. «Wenn wir jetzt schnell und entschieden reagieren, können wir dafür sorgen, dass die Schulen offen bleiben. Sie wissen alle, was auf dem Spiel steht. Wir müssen unsere Kontakte auf ein Minimum beschränken. Warten wir nicht auf Massnahmen, tun wir das richtige, ab sofort», sagte Ackermann.

Laut Stefan Kuster, Leiter Übertragbare Krankheiten im Bundesamt für Gesundheit (BAG), ist die Corona-Lage in der Schweiz immer noch sehr ernst. «Wir haben mittlerweile alle Nachbarländer deutlich überholt», sagte er am Freitag vor den Bundeshausmedien.

Die Zahlen in der Schweiz lägen beispielsweise fünf Mal so hoch wie jene in Deutschland. Umso mehr heisse es jetzt, sich an die Regeln zu halten. «Wir müssen unnötige Kontakte vermeiden», sagte Kuster.

«Wir brauchen die Hilfe aller»

Das Contact Tracing habe seine Grenzen erreicht, sagte Rudolf Hauri, Zuger Kantonsarzt und Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, am Freitag vor den Bundeshausmedien.

Deshalb könne es nun sehr helfen, enge und gute Bekannte selber zu informieren, damit sie sich vorsichtig verhalten und in Selbstquarantäne begeben könnten. Angesichts der Lage müssten die engen Kontakte dringend runter.

Dies sei durch Verminderung körperlicher Nähe sowie unnötigen Ansammlungen in Freizeit und Sport erreichbar. Dies stehe allerdings im Widerspruch zum Bewegungsbedürfnis der Menschen. Es gelte deshalb Massnahmen sorgfältig abzuwägen. «Soziale Kontakte müssen möglich bleiben», so Hauri. Dies stelle vor allem Pflegeheime vor grössere Herausforderungen.

Hinter den nüchternen Fallzahlen würden zunehmend wieder ältere Personen und Personen mit Vorerkrankungen stecken. Ein Fünftel der positiven Fälle sei zwischen 50 und 65 Jahre alt, jeder Zehnte über 65, gesamthaft rund ein Drittel über 50 Jahre. Das werde sich auf die Zahl der Hospitalisierungen auswirken.

Ausdehnung der Maskenpflicht

Laut Hauri hat es die Bevölkerung in den eigenen Händen, den Getriebeschaden zu beheben, indem sie konsequent Schutzmasken trage, Abstand halte, die Hände regelmässig wasche und desinfiziere sowie die Kontakte auf das Nötigste beschränke.

Die Ausdehnung der Maskenpflicht sei eine milde, sehr schnell umsetzbare Massnahme. Antigentests sind laut Hauri erwünscht, aber alleine für sich kein Problemlöser.

Bei den Spitalkapazitäten sei ein praktisches Umdenken nötig, aber die Behandlung anderer Patienten dürfe nicht zu kurz kommen, das sei eine grosse Herausforderung. Die Koordination der Intensivpflegeplätze sei weiter entwickelt als im Frühling, bleibe jedoch eine Herausforderung.

Positivitätsrate von über 20 Prozent

Innert einer Woche haben sich die Ansteckungszahlen in der Schweiz mehr als verdoppelt. Ins Auge sticht auch die hohe Positivitätsrate von über 20 Prozent. «Mehr als ein Fünftel aller Tests fallen positiv aus», sagte Kuster dazu.

Der Anstieg gehe so lange exponentiell weiter, bis die Reproduktionszahl unter 1 sinkt. Momentan steckten 10 infizierte Personen 16 weitere Personen an.

Betroffen sind laut Kuster weiterhin alle Altersklassen. Speziell die Kurve von über 80-jährigen Personen steige schnell an. Auch alle Regionen seien vom Anstieg betroffen – einige mehr als andere. Die 14-Tage-Inzidenz variiere von 190 Ansteckungen pro 100’000 Einwohnern bis 1100 Ansteckungen pro 100’000 Einwohnern.

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