Featured Video Play Icon
Der Telebasel Talk vom 22. Oktober 2020.
Basel

Zürcher Ethnologin untersuchte den «Basler Daig»

Gibt es den Basler Daig noch? Ja, sagt Ethnologie-Studentin Fiona Schärer: Und nach wie vor bleibt er unter sich, man kann nicht aufgenommen werden.

Immer wieder mal poppt der Begriff in den Medien auf, etwa gerade jetzt im Wahlkampf, wenn von der LDP als «Daig-Partei» die Rede ist. Aber wohl erstmals hat sich jemand dem Phänomen «Daig» mit wissenschaftlichen Mitteln genähert. Die Zürcher Ethnologie-Studentin Fiona Schärer musste sich für ihre Bachelor-Arbeit mangels Erhebungen an Zeitungsartikeln, summarische Geschichtsbücher oder Studien über die Reichen in unserem Land halten. Kein Wunder, der Daig entspricht der Basler Neigung zum Privaten und Diskreten: Zugänge kontrolliert man am Besten, in dem man darüber schweigt, ob es die Adresse überhaupt gibt. Von diversen Persönlichkeiten, die etwa eine Zeitung (Beatrice Oeri) oder einen Museumsbau (Maja Oeri) finanzieren, ist öffentlich bekannt, dass sie beispielsweise keine Interviews geben.

Wer dazu gehört, sagt es nicht

Aber Schärer hatte doch Kontakt zu einem Daig-Mitglied, dessen Name sie nicht nennt. Was sie über den Mann schreibt, ist symptomatisch: «dass der Gesprächspartner eindeutig den Habitus eines Daig-Mitglieds hat, auch wenn er selbst nie klar sagen würde, dass er dazu gehört. Doch wie sich zeigen wird, ist auch das ein Aspekt des Habitus des Daig, und bestätigt demnach seine Zugehörigkeit zu ihm.» Eine wesentliche Erkenntnis: Wer zum Daig gehört, sagt es nicht, und redet dessen Einfluss klein oder verleugnet sogar dessen Existenz. Zitiert wird der bekannte Aktionär und Unternehmer Rolf Soiron, der anerkennt, dass er als Belgier nie dazugehören werde.

Sehr gut ausgebildet und vermögend

Natürlich, die Familien Bernoulli, Vischer, Burckhardt, Staehelin, Christ, Faesch, Iselin, Sarasin treten heute viel weniger tagespolitisch und wirtschaftlich bestimmend auf als in früheren Jahrzehnten. Aber Schärer arbeitet heraus, dass der Daig nach wie vor eine einflussreiche Eliteschicht in Basel aus Ärzten, Juristen, Architekten darstellt, die ein schweizweit einzigartiges Mäzenatentum unterhalte. Dass wer zum Daig gehört, sehr gut gebildet, vernetzt und überdurchschnittlich vermögend ist, einen «sentimentalen Lokalpatriotismus», ein protestantisches Leistungsethos und den bescheidenen Auftritt pflegt. Dass das «Baseldytsch» ein wichtiger Code darstelle. Und dass man unter sich bleibe, sei Folge von Erziehung und sozialer Steuerung, die sogar unbewusst zu erwünschten Heiraten führe – was als Verfahren die früher übliche arrangierte Ehe abgelöst habe.

Im Talk spricht die Autorin über ihre Erkenntnisse, den Daig und ihre Basler Wurzeln, am Donnerstag, 22. Oktober 2020, 18.45 Uhr.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

Mehr aus dem Channel