Abstand halten in Innenräumen schützt laut Wissenschaftlern nicht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. (Bild: BAG)
International

Wissenschaftler stellen 1,5 Meter-Abstandsregel in Frage

Wissenschaftler warnen, dass ein Abstand von 1,5 Metern nicht genügt, um sich vor einer Corona-Ansteckung zu schützen. Das BAG will die Theorie nun überprüfen.

Neben der Maskenpflicht und regelmässigem Händewaschen soll auch die Abstandsregel dazu beitragen, die Ansteckungen mit dem Coronavirus zu bremsen. Bislang ging man davon aus, dass eineinhalb Meter zueinander ausreichend seien, da grössere Tröpfchen, die nicht weiter als einen Meter fliegen, Hauptansteckungsquelle seien. Kleiner Tröpfchen hingegen – Aerosole – spielten laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) keine grössere Rolle. Davon ging bislang auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) aus.

Nun haben sich Wissenschaftler aus aller Welt zusammengetan und die WHO aufgefordert, diese Theorie zu überprüfen. Aerosole würden sich vor allem in schlecht belüfteten Innenräumen weit ausbreiten und somit ebenfalls Ansteckungen begünstigen. So komme es in Innenräumen, wo sich viele Menschen aufhalten und schreien oder singen, wie etwa Bars, Chöre oder auch Schlachthöfe, besoners häufig zu Superspreading-Events. Darüber informieren nun zehn renommierte Professoren in einem Bericht.

«Lassen Leute naiv in gefährliche Situationen rennen»

Emma Hodcroft von der Universität Basel erzählt gegenüber 20 Minuten: «Wir wussten seit dem Sommer von der Übertragung durch Aerosole. Die Beweise, dass es ein bedeutender Ansteckungsweg ist, sind seither nur zahlreicher geworden». Daher fordere sie nun, dass das BAG in seiner Kampagne auch über die Gefahr von Aerosolen in Innenräumen warnt: «Es sollte betonen, dass eine Übertragung in geschlossenen und schlecht belüfteten Räumen auch über mehr als zwei Meter Distanz passieren kann.»

Die Wissenschaftlerin sei besorgt, dass sich die Leute in falscher Sicherheit wiegen, wenn sie sich schlicht an die 1,5 Meter-Abstandsregel hielten: «Die Behörden lassen die Leute naiv in gefährliche Situationen rennen, indem sie ihre Empfehlungen nicht aktualisieren».

Der Aussage pflichtet auch Epidemiologieprofessorin Olivia Keiser von der Universität Genf bei: «Hier sollte das BAG über die Bücher gehen und die Aerosol-Problematik endlich anerkennen.» Die ausgedehnte Maskenpflicht und die Homeoffice-Empfehlung seien sinnvoll, sagt sie gegenüber der Zeitung. Kritisch sieht sie hingegen, dass es in Schulen und Büros keine schweizweite Maskenpflicht gibt: «Stundenlang ohne Masken im Schulzimmer zu sitzen, kann wegen der Aerosole dazu beitragen, dass das Virus zum Teil auch unbemerkt verbreitet wird.» Lüften sei deswegen umso wichtiger.

BAG bestellt neuen Bericht zum Thema

Das BAG hingegen weiss aktuell nicht, wie viele Menschen sich tatsächlich über mehr als 1,5 Meter Distanz ansteckten. Laut Stefan Kuster, Leiter Abteilung übertragbare Krankheiten beim BAG, sei die erweiterte Maskenpflicht keine Reaktion auf Ansteckungen durch Aerosole. Primär gehe es darum, die Tröpfcheninfektion in Innenräumen zu unterbinden.

Er führt dazu das Beispiel eines Maserpatienten an, der im Normalfall 18 weitere Personen anstecke; bei Covid-19 seien es derzeit 1,6. Ergo gebe es da eine deutliche Diskrepanz bei der Übertragung der Viren über die Atemluft. Er resümiert: «Aerosole haben wahrscheinlich einen Anteil an der Übertragung, aber der Anteil ist aus der Sicht des BAG nicht so relevant, dass man den ganzen Fokus darauf legen sollte.»

Trotzdem wolle das BAG der Theorie nachgehen und hat deswegen einen neuen Bericht bei der wissenschaftlichen Covid-Taskforce des Bundes bestellt. Der Leiter der Taskforce, Martin Ackermann, erklärte am Freitag, es gebe neue wissenschaftliche Hinweise zu dem Thema, die man dem BAG «sehr gerne schnell zur Verfügung stellen» würde.

Die nächste Pressekonferenz der Taskforce ist für Freitag angesetzt.

1 Kommentar

  1. 1,5 Meter Distanz lengt miteinander, mann soll nur hygienisch Regel halten, in der Schweiz gibt genug Wasser zum duschen, und Mundhygiene gut zu haben dann soll kein Problem sein.🙂Report

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