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Der Telebasel News Beitrag vom 18. Oktober 2020.
Basel

In Quarantäne versetzt – Wer für den Lohn aufkommt

Vom Risikoland in die Quarantäne: Welche Lohnansprüche hat dann ein Arbeitnehmer, was muss er auf die eigene Kappe nehmen? Ein Arbeitsrecht-Experte erklärt.

Wer in ein Land der BAG-Liste verreist, geht leer aus. Zehn Tage Quarantäne, also auch keine Lohnfortzahlung in dieser Zeit.  Dies geschieht aber nur, wenn der Arbeitsausfall selbstverschuldet ist. Kurt Pärli, Professor für Soziales Privatrecht an der Uni Basel, erklärt: «Wenn Sie ins Land fahren und es ist bereits ein Risikogebiet, tragen Sie selbst die Verantwortung für die Konsequenzen: Sie haben dann keinen Anspruch auf Lohn und keinen Anspruch auf EO-Entschädigung.»

Anders sieht es aus, wenn den Arbeitnehmer keine Schuld für den Arbeitsausfall trifft. Etwa dann, wenn seine Reisedestination überraschenderweise erst während seines Aufenthalts auf die BAG-Liste rutscht. In diesem Fall muss der Reisende den Quarantäneausfall nicht auf die eigene Kappe nehmen. Die Erwerbsersatzordnung (EO) kommt dafür auf. Zudem stehen die Chancen gut, dass der Reiserückkehrer den vollen Lohn bekommt. «Die Arbeitgeberin muss in diesem Fall die Differenz zwischen der EO-Entschädigung von 80 Prozent des Lohnes und dem Rest bezahlen – sofern und soweit der betreffende Arbeitnehmer noch einen Lohnfortzahlungskredit hat nach dem Arbeitsvertrag». Will heissen: «War der Arbeitnehmer schon oft krank oder hat aus anderen Gründen gefehlt, muss er sich mit 80 Prozent EO-Geld begnügen».

Kompromisse auch bei Risiko-Reisenden möglich

Wiederum anders sieht die Sachlage aus, wenn eine Firma einen Arbeitgeber in ein Risikogebiet schickt. In diesem Fall liege die Verantwortung beim Arbeitgeber, so Kurt Pärli. Aber auch wenn der Arbeitnehmer mit seinem Reiseantritt in ein Land auf der BAG-Liste wissentlich eine Quarantäne in Kauf nimmt, muss er sich den Lohn nicht zwangsläufig ans Bein streichen. Wie Kurt Pärli erklärt, kämen Arbeitnehmer manchmal im Gespräch mit dem Chef auf einen grünen Zweig. Er kennt dazu mehrere Fälle. Etwa dann, wenn Leute ihre Familienangehörigen im Ausland trotz BAG-Warnungen besuchen. «Mir sind Lösungen bekannt, in denen Arbeitnehmende bereit waren, ein paar Überstunden daran zu geben oder den einen oder anderen Ferientag», so Pärli. «Und die Arbeitgeberin war im Gegenzug als Ausdruck guten Willens nicht einzufordern, was ihr zugute stand, nämlich keinen Lohn zu zahlen».

Arbeitet der Rückkehrer ausschliesslich im Homeoffice, erübrigen sich all die obigen Fragen. Da ja Arbeit geleistet werde, werde der normale Lohn bezahlt. Wohl aber gibt es EO-Anspruch, wenn jemand ausfällt, da er die Kinder betreut, wenn etwa coronabedingt die Kita schliesst. Wie viele nicht wissen, so Kurt Pärli, gilt dies auch für Selbständigerwerbende.

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