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Lukas Engelberger betont, wie ernst die Lage momentan ist. (Video: Telebasel)
Basel

Engelberger: «Wir haben es in der Hand, Schliessungen zu verhindern»

Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger im Interview zur Verantwortung der Kantone, der Zusammenarbeit mit dem Baselbiet und einem zweiten Lockdown.

Der Basler Regierungsrat Lukas Engelberger ist Präsident der Konferenz der Gesundheitsdirektionen der Kantone. Damit nimmt der Kanton Basel-Stadt eine Vorbildrolle ein: Was in Basel gilt, könnte demnächst für die ganze Schweiz gelten. Telebasel traf den Vorsteher des Basler Gesundheitsdepartement zum Interview.

Telebasel: Was ist der wichtigste Punkt der Verschärfung der Corona-Massnahmen?

Lukas Engelberger: Der wichtigste Punkt ist, dass allen klar wird, dass wir einen Gang hochschalten müssen. Die Zahlen steigen schnell, wir müssen jetzt reagieren, um ein Szenario wie im Frühling zu verhindern. Die Maskenpflicht gilt jetzt für alle öffentlich zugänglichen Innenräume und in den Restaurants und bei Veranstaltungen gelten strengere Vorschriften

Ist es möglich, dass das Gesundheitswesen bald wieder am Anschlag ist?

Heute sind wir eindeutig nicht an diesem Punkt. Wir sehen schweizweit, dass die Zahl der Hospitalisierungen steigt, das wird sich mit mehr Infektionen auch noch verstärken. Das müssen wir sehr ernst nehmen. Ich möchte alle aufrufen, ihren Beitrag zu leisten, sich vorsichtig zu verhalten.

Die Verschärfung der Regeln wird die Gastronomie und Clubszene hart treffen. Hätte man die Betriebe nicht besser gleich geschlossen?

Wir möchten möglichst nicht Betriebe schliessen. Schlussendlich müssen die Besucher und Betreiber selbst entscheiden, ob das sinnvoll ist. Wir wollen nicht verbieten, müssen aber Auflagen machen, um das Ansteckungsrisiko zu senken. Wenn wir sehen, dass es nicht funktioniert, müssen wir uns ein Verbot vorbehalten.

Das Baselbiet hat am Donnerstag die Bevölkerung zu mehr Vorsicht aufgerufen, Basel-Stadt hingegen hat direkt Massnahmen ergriffen. Warum handeln die beiden Basel nicht Hand in Hand?

Es gibt sehr wohl eine Zusammenarbeit, wir sind auch in einem intensiven Austausch. Zusammenarbeit muss nicht heissen, dass man die selben Massnahmen ergreift. Das Baselbiet hat die erforderlichen Massnahmen anders beurteilt als wir. Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Tagen eine Vereinheitlichung der Massnahmen auf einem höheren Level passieren wird.

Das Baselbiet wird seine Massnahmen also anpassen?

Ich gehe davon aus, dass alle Kantone ihren Massnahmen-Mix anpassen werden. Wichtige Fragen werden wahrscheinlich durch den Bund geregelt werden. Ich würde es auch begrüssen, wenn der Bund wieder eine aktivere Rolle übernehmen würde.

Kommen die Kantone an ihre Grenzen?

Die Kantone haben ihre Verantwortung in ihren Bereichen wahrgenommen und auch schnell neue Massnahmen ergriffen. Schweizweit steigen jetzt aber die Zahlen, es gibt keine regionalen Hotspots mehr, alle haben jetzt ein Corona-Problem. Somit ist es richtig, dass der Bund wieder stärker in die Verantwortung genommen wird.

Aber die Kantone hätten sich ja auch untereinander auf gemeinsame Linien festlegen können, ohne dass der Bund mehr Verantwortung tragen muss?

Das Epidemiengesetz sieht vor, dass es die Teilung der Verantwortung gibt. Die Kantone sind dabei für regionale Bereiche verantwortlich, der Bund für das Nationale. Jetzt sind wir klarerweise wieder in einem nationalen Bereich. Man muss das auch nicht überpolitisieren. Es liegt in der Natur der Sache, dass 26 Kantone nicht so einheitlich und schnell Massnahmen treffen können, wie es der Bund kann.

Schiebt man sich da nicht einfach gegenseitig die Verantwortung ab?

Nein, es geht um einen partnerschaftlichen Föderalismus. Im Gespräch versuchen wir jeweils, herauszufinden, wer die geeigneten und benötigten Massnahmen sinnvollerweise verordnen kann. Lange waren das Kantone, die auf regionale Hotspots reagiert haben. Doch jetzt wäre es sinnvoll, darauf sind wir im Gespräch mit Bundesrat Alain Berset gekommen, wenn der Bund nun wieder gewisse Massnahmen gesamtschweizerisch anordnen würde. Dabei bleiben die Aufgaben für die Kantone sehr gross. Beispielsweise das Contact Tracing, das uns stark fordert, oder die Organisation der Spitäler. Es geht darum, die Rollen zwischen Bund und Kantonen möglichst gut zu verteilen.

Welche Forderungen stellt die Gesundheitsdirektoren-Konferenz?

Wir wollen die Maskenpflicht in öffentlichen Räumen schweizweit und der Bund soll auch Regeln aufstellen, was private Veranstaltungen angeht. Damit sollen Ausweichbewegungen zwischen den Kantonen verhindert werden. Und wir fänden es wichtig, wenn der Bund wieder eine nationale Empfehlung betreffend Homeoffice aussprechen würde.

Wie weit sind wir, Stand Freitag, von einem zweiten Lockdown entfernt?

Wir haben es in der Hand, Schliessungen wie im Frühling noch zu verhindern. Dafür müssen wir aber alle diszipliniert sein und Abstand halten oder Masken tragen, wo das nicht geht. Wir müssen uns regelmässig die Hände waschen oder desinfizieren und uns vorsichtig durch den Alltag bewegen. Jetzt ist nicht Partyzeit, sondern Zeit, aufzupassen.

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