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Der Telebasel News Beitrag vom 6. Oktober 2020.
Basel

KVA-Skandal: Das sagen die Arbeiter zu den Ausbeutungsvorwürfen

In der Kehrichtverbrennungsanlage Basel soll in ausbeuterischen Verhältnissen gearbeitet werden. Telebasel hat mit den polnischen Gastarbeitern gesprochen.

«Ich bin da zum Arbeiten, nicht um Urlaub zu machen», ist die Einstellung, die uns ein polnischer Arbeiter bei unserem Baustellenbesuch zeigt.

Telebasel hat berichtet, wie rund 60 polnische Bauarbeiter auf der Kehrichtverbrennungsanlage ohne Unterbruch arbeiten sollen. Am Montag kam dann der Vorsteher des zuständigen Departements, Christoph Brutschin, zu Wort.

Bei der Gelegenheit hat Brutschin Telebasel auch angeboten, ihn und seine Polnisch-Dolmetscherin am selbigen Abend auf die Baustelle der IWB zu begleiten. Der Anlass schien für Telebasel organisiert geworden zu sein. Dennoch wollten die Arbeiter sich erst nicht über die Zustände vor der Kamera äussern. Dann antworteten sie sehr einsilbig: «Sehr gut.», «Wie immer», «Wir arbeiten hier schon seit vielen Jahren.», «Keine Probleme.»

Am liebsten durcharbeiten

Die Arbeitergruppe beschreibt die Bedingungen weiter: Arbeitszeiten von 7.00 bis 18.00  Uhr (jeweils zwei Pausen), fünf Tage arbeiten, einen Tag frei, fünf Tage arbeiten, einen frei… Es klingt nach harten Wochen, welche die Polen in Basel verbringen.

Von 70-Stunden-Wochen und unbezahlten Stunden ist aber nicht die Rede. Man sei froh, das man arbeiten könne und würde auch noch mehr arbeiten, wenn man das dürfte: «Ich bin da zum Arbeiten, nicht um Urlaub zu machen. Wären diese Pflichtpausen nicht gewesen, wäre ich schon längst zu Hause. Ich halte mich an die Pausen, aber eigentlich würde ich lieber durcharbeiten.», sagt einer der Arbeiter.

In Deutschland mache man das auch, doch hier lasse man sie nicht.

Fall noch nicht vom Tisch

Die Anschuldigungen der Arbeitsmarktkontrolle stehen aber immer noch im Raum. Mittlerweile liegt Telebasel ein Fragebogen vor, in dem von Siebentagewochen die Rede ist:

«Kein freier Tag seit Ankunft, am 17.08.2020 sollte er frei haben. Die Karte wurde nicht gestempelt.» (Quelle: zVg)

«Und wenn sich herausstellt, dass es zu Verstössen kam, welche diese Leute vielleicht als nicht so schlimm erlebt haben, aber gegen das Arbeitsgesetz verstossen oder gegen den Gesamtarbeitsvertrag, dann wird die entsprechende Busse ausgesprochen und je nachdem auch eine Dienstleistungssperre», sagt Regierungsrat Brutschin bei der KVA-Begehung.

Und von genau dieser Sperre wären auch die Arbeiter betroffen, die wir befragt haben. Bis es dazu kommen könnte, muss der Bericht der paritätischen Kommission vorliegen. Das kann jedoch noch  dauern. Gemäss Arbeitsmarktkontrolle, müsse der Kanton bereits mit dem jetzigen Wissensstand die Einhaltung des Arbeitsgesetzes durchsetzen.

Bis dann kann man hoffen, dass das stimmt, was die Arbeiter uns erzählt haben und alles halb so schlimm ist.

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