Eine Reglementsänderung bei Coop sorgt für grosse Kritik. (Bild: Keystone)
Basel

Erschwerte Mitbestimmung bringt Kritik für Coop 

Coop verschärft das Reglement für Regionalratswahlen. Weil die Mitbestimmung nun erschwert wird, sorgt das für Kritik.

Coop hat das Reglement für Regionalratswahlen verschärft. Der Verein Detailwandel.ch wirft dem Detailhandelsriesen vor, damit freie Wahlen in der Genossenschaft zu verhindern und fordert, die beschlossenen Verschärfungen des Wahlreglements zurückzunehmen. Er hatte eigene Kandidaten für die Wahlen aufstellen wollen.Die Besitzer von Coop, die rund 2,5 Millionen Genossenschafter, können in erster Linie über die Wahl der Regionalräte beim Detailhändler mitbestimmen. Aus den Regionalräten werden die Mitglieder der Delegiertenversammlung gewählt, die über den Verwaltungsrat entscheiden. Der Verwaltungsrat wiederum bestimmt die Geschäftsleitung. Bislang wurden die Kandidaten für die Regionalratswahlen mangels Gegenvorschlägen allerdings immer in stiller Wahl bestimmt.

Um Kandidaten aufstellen zu können, müssen laut Coop-Reglement Unterschriften gesammelt werden. Der Verein Detailwandel.ch wirft Coop laut einer Mitteilung vom Montag vor, das konkrete Reglement kürzlich unbemerkt von der Öffentlichkeit geändert zu haben, in einer «Nacht und Nebelaktion». Über die Geschichte hatten zuvor das Onlineportal «Republik» und Radio SRF berichtet.

«30 mal schwieriger als bei Referendum»

Neu braucht es die Unterschrift von 6 statt 2 Prozent der Genossenschafter. Diese müssen zudem neu in 15 statt 30 Tagen gesammelt werden. Weiter darf nur noch auf der Strasse gesammelt werden und bei jeder Unterschrift muss die Mitgliedsnummer von Coop angegeben werden. Damit sei eine erfolgreiche Unterschriftensammlung bei Coop nun 30 mal so schwierig wie bei einem nationalen Referendum, schreibt Detailwandel.ch.

Der Verwaltungsrat habe im Rahmen der regelmässigen Überprüfung des Wahlreglements dem Umstand Rechnung getragen, dass sich die Zahl der Coop-Mitglieder in den letzten 20 Jahren beinahe verdoppelt habe und elektronische Hilfsmittel die Mobilisierung von Wählern und das Sammeln von Unterschriften stark vereinfachten, begründet Coop auf Anfrage die Änderungen. Um wirtschaftlich und arbeitsplatzmässig auch zukünftig erfolgreich zu sein, müsse der Regionalrat ausgewogen sein und sich auf Leute abstützen können, die Coop kennen und ihre Werte mittragen würden. Bewerben könne sich jedes Coop-Mitglied.

Klimastrategie und faire Preise

Der Verein Detailwandel.ch hat alternative Wahlvorschläge mit über 500 Regionalräten und Regionalrätinnen aufgestellt. Diese Woche hätten die Unterschriftensammlungen beginnen sollen. Der Verein verfolgt das Ziel, Coop von innen heraus zu verändern. Der Verein fordert eine konsequente Klimastrategie, bessere Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden und faire Preise sowohl für die Konsumierenden wie auch für die Produzierenden.

Die Gruppe agiere bisher im Geheimen, schrieb die «Republik». Damit sollte verhindert werden, dass Coop die Hürden für die Wahlen erhöht. Doch das ist nun passiert.

Der Verein Detailwandel.ch sei zu keinem Zeitpunkt bei Coop vorstellig geworden und habe nie seine Anliegen dargelegt, sagte dazu eine Coop-Sprecherin der Nachrichtenagentur AWP am Montag auf Anfrage. «Uns sind namentlich keine alternativen Kandidaten bekannt.» Über das Projekt habe man erst vor wenigen Tagen erfahren. Und die Regionalratswahlen finden schon bald statt. Voraussichtlich würden die Regionalräte am 15. Oktober gewählt sein, so die Sprecherin.

Detailwandel.ch gibt sich aber noch nicht geschlagen. In einem offenen Brief fordert der Verein den Coop-Verwaltungsrat einerseits auf, die beschlossenen Veränderungen des Wahlreglements zurückzunehmen. Andererseits soll ein demokratischer Wandel bei Coop eingeläutet und die Regionalratssitze zu je einem Drittel an die eigenen Mitarbeitenden, Produzenten/Lieferanten sowie Konsumenten in freien Wahlen vergeben werden.

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