Auch Impfstoffe werden die Situation nicht von einem Tag auf den anderen total verändern. (Bild: Keystone)
Schweiz

Ist die langersehnte Corona-Impfung nur ein Luftschloss?

Banges warten auf einen Impfstoff, der die Covid-19-Situation entschärfen wird. Doch was wird ein Impfstoff alles können?

90 Forscherteams arbeiten weltweit daran, einen Impfstoff gegen das Coronavirus zu finden. Mehrere Impfstoffe sind  nahe daran, fertig entwickelt zu sein. 40 Mittel werden derzeit an Menschen getestet – zehn davon in der dritten und letzten klinischen Phase.

Was überaus positiv klingt, muss aber noch nicht das Ende der Pandemie bedeuten. Daniel Speiser, Impfstoff-Experte der wissenschaftlichen Covid-19-Taskforce warnt bei SRF vor zu grossen Hoffnungen: «Allzu viel darf man nicht davon erwarten, weil sie sicher nicht für alle eingesetzt werden können.» So seien die Impfstoffe nicht in grossen Mengen verfügbar. Und: «Weil jeder neue Impfstoff, gerade wenn man noch nicht so viel darüber weiss, nur für manche Situationen nützlich ist und für andere nicht.»

Wirksam bei Risikopatienten?

Zuerst geschützt werden sollen Leute aus der Risikogruppe. Ob der Impfstoff bei diesen Menschen wirkt, sei aber fraglich, so Speiser. «Solche Impfungen – und das hat man bereits gesehen – sind in vielen solchen Patienten schwächer wirksam. Vor allem bei älteren Leuten.»

Dies, weil ältere Menschen ein langsameres Immunsystem haben. Für sie braucht es spezifische, stärkere Impfungen und mehr Studien. Zum Teil seien solche Impfungen bei älteren Leuten noch nicht richtig getestet worden, so Speiser.

Gefahr von Nebenwirkungen

Ein weiteres grosses Fragezeichen sind die Nebenwirkungen: Gemäss einiger Impfstoff-Firmen zeigt gut die Hälfte der Studienteilnehmer Nebenwirkungen, in Form von milden Covid-19-Symptomen. Speiser befürchtet, dass ein potenzieller Impfstoff zu schnell zugelassen wird: «Bedenken, dass es zu schnell geht, haben wir alle. Dass man das breit einsetzt, bevor man genügend Daten hat. Und wenn man es breit einsetzt, zu wenig genau analysiert, was passiert.»

Daniel Speiser plädiert dafür, dass alle Verantwortlichen genau hinschauen, wie die neuen Impfstoffe wirken und ob sie Nebenwirkungen auslösen: «Der Prozess muss seriös laufen, so wie es in der Vergangenheit der Fall war.» Ihm sei bewusst: «Dass Fehler passieren, ist möglich.»

Wird die Pandemie gestoppt?

Ob die Impfung auch die Weiterverbreitung der Coronaviren unterdrückt, steht derzeit in den Sternen. Erzeugt eine Impfung eine gute Immunität, dann bilden sich auch sogenannte IgA-Antikörper, die sich auf den Schleimhäuten bilden «Diese sind von den jetzigen Impfstoffen nicht induziert. Zurzeit sieht man das bei den schnellsten Impfstoffkandidaten nicht», erläutert Speiser.

Die Viren bleiben also in Schleimhäuten von Nase und Rachen bestehen, Geimpfte könnten andere weiterhin anstecken. Auch wenn es bei ihnen nicht mehr zu einem schweren Verlauf kommt.

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