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International

Nadal in der Pariser Tennis-Blase gefordert

Zwei Wochen nach dem US Open startet mit dem French Open das zweite Grand-Slam-Turnier nach dem Corona-Unterbruch. Rafael Nadal peilt den 13. Triumph an.

Im verrückten Corona-Jahr ist auch am Grand-Slam-Turnier in Paris kaum etwas wie sonst: Der Anlass beginnt vier Monate später als üblich, dem Topfavoriten fehlt nach langer Pause und dem Verzicht auf das US Open die Matchpraxis, es gibt weniger Preisgeld für die Besten, über dem Court Philippe Chatrier, dem Hauptstadion, lässt sich neu ein Dach ausfahren. Und nach wie vor gelten strenge Sicherheits- und Hygienevorschriften mit intensiven Testreihen, die auch schon ihre Opfer forderten. Hinzu kommt, dass die Meteorologen für die erste Turnierwoche kühle Temperaturen sowie einiges an Regen ankündigen, und dass mit neuer Ballmarke gespielt wird. Faktoren, die dem Topspin von Nadal und Thiem etwas die Wirkung entziehen.

Vom ursprünglichen Plan, täglich 20’000 Zuschauer zuzulassen, mussten die Organisatoren wieder abrücken. Ob die nun vorgesehenen 5000 Zuschauer die Partien auf den grossen Courts vor Ort mitverfolgen dürfen, ist unsicher. Frankreich schränkte die Besucherzahl für Veranstaltungen in Paris am Donnerstag auf 1000 Personen ein, eine Ausnahmebewilligung für Roland Garros steht aus.

Sorgen, Frust und eine Forderung

Dass das Coronavirus die Pläne durchkreuzt, scheint trotz der Vorkehrungen jeden treffen zu können. In der Qualifikation wurden sechs Spielerinnen und Spieler ausgeschlossen, wobei insbesondere der Fall von Damir Dzumhur für Diskussionen sorgte. Der Bosnier wurde wegen Kontakts zu einem positiv getesteten Trainer aus dem Turnier genommen. Allerdings war der Trainer schon einmal infiziert, weshalb die Tests – wie bei Benoît Paire in Hamburg – unterschiedliche Ergebnisse liefern können. Eine erste Probe beim Trainer war wenige Tage zuvor negativ, eine dritte danach ebenfalls. Dzumhur fordert deshalb, dass künftig ein zweites Mal getestet wird, bevor Akteure verbannt werden. Etwas, was sich wegen dem eng getakteten Spielplan kaum umsetzen lässt.

Rafael Nadal verfolgte das Treiben bis letzte Woche von seiner Heimat Mallorca aus. Der Spanier hatte gesundheitliche Bedenken, verzichtete aber auch deshalb auf den Abstecher in die USA, weil die Vorbereitung auf das French Open beeinträchtigt gewesen wäre. Seinen 13. Roland-Garros-Titel nimmt er nun in ausgezeichneter physischer Verfassung in Angriff, aber mit sehr wenig Matchpraxis. Bei der Rückkehr in Rom überzeugte er in den ersten beiden Spielen und schied im Halbfinal gegen Diego Schwartzman aus.

Verhindern könnten Nadals 20. Grand-Slam-Triumph in Abwesenheit von Roger Federer insbesondere Novak Djokovic und Dominic Thiem. Djokovic, der in diesem Jahr auf spielerischem Wege noch nicht zu bezwingen war, zeigte sich in Rom gut erholt von der so unglücklichen wie unrühmlichen Disqualifikation in New York. Gefahr geht auch vom US-Open-Sieger Thiem aus. Der 27-jährige Österreicher ist seit längerem der Sandprinz neben König Nadal. Stan Wawrinka seinerseits steigt mit einigen Fragezeichen ins Turnier. Dem Lausanner, der im Hauptfeld noch Gesellschaft vom allfälligen Qualifikanten Henri Laaksonen bekomme könnte, fehlen die Referenzen auf höchstem Niveau.

Halep führt Feld der Frauen an

Bei den Frauen heisst die Topfavoritin in Abwesenheit von Ashleigh Barty (WTA 1), Naomi Osaka (WTA 3) und Bianca Andreescu (WTA 7) Simona Halep. Serena Williams‘ Chancen auf den 24. Major-Sieg scheinen auf Sand etwas kleiner als am US Open. Gleichwohl sehen die Buchmacher die 39-Jährige im engeren Favoritenkreis, zu dem die als Nummer 7 gesetzte Belinda Bencic nach missglücktem Neustart nicht gehört – wie Jil Teichmann, die zweite Schweizerin im Haupttableau.

Halep, die auf das US Open verzichtet hat, ist seit dem Neustart ungeschlagen. Sie triumphierte in Prag und gewann die Hauptrobe in Rom. In Paris holte die rumänische Weltnummer 2 vor zwei Jahren ihren ersten von zwei Grand-Slam-Titeln.

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