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Der Telebasel News Beitrag vom 20. September 2020.
Basel

Fasnacht in den Quartieren – die Rückkehr einer alten Idee

Die Idee einer dezentralen Fasnacht ist umstritten, aber nicht neu. Dialekt-Dichter Saubi erinnert sich an die Quartierfasnacht der Fünfzigerjahre.

Im Santihans anno 1956. Abmarsch vor einer Bäckerei. Auf dem Foto sind zwei Mädchen in Wintermänteln zu sehen sowie Buben mit Larven und Kostümen. Einer von ihnen hat eine Trommel umgehängt. Dieser Bub war Gerhard «Saubi» Saubermann, bekannt als Zahnarzt und Mundart-Dichter.

Er kann sich noch gut «Quartierziigli» aus seiner Primarschulzeit erinnern. «Die Quartierfasnacht, wie es sie damals gab, gibt es schon lange nicht mehr». Das sind kleine Züge von Kindern, die selber etwas kreiert haben – das kam nicht von den Schulen, die haben das von sich aus gemacht», erklärt der langjährige Fasnächtler.

Mundart-Dichter Saubis literarische Erinnerungen an die Fasnacht im Santihans. (Video: Telebasel)

Karton-Laterne und Hutschachtel-Trommel

Eine Laterne aus Karton, eine Holzkiste als Trommel – Fantasie war in den Fünfzigerjahren  gefragt. Das gilt auch für die Fasnacht 2021. Genau 64 Jahre später wird das besagte Foto mit den kleinen Quartierzug wegen Corona wieder aktuell. Das Fasnachtscomité nannte in der Medienmitteilung von letzter Woche mehrere Ideen, die man prüfen könnte. So etwa einen «dezentralen Morgestraich in den Quartieren, anstelle der Innenstadt, eventuell an allen drei Tagen».

Auch wenn dieser Vorschlag noch nicht spruchreif ist, hat er hohe Wellen geworfen. Wie Telebasel aus mehreren sicheren Quellen weiss, stösst die Idee einer Quartierfasnacht und einem dreifachen Morgestraich auf Skepsis. Auch User auf der Facebookseite von Telebasel sind unterschiedlicher Meinung. «Irgendwie ist eine halbe Fasnacht keine Fasnacht», schreibt etwa einer. Ein Guggenmusiker freut sich dagegen auf «eine Beizentour wie früher».

Als Fasnächtler in den Quartieren tanzten

Dabei ist die Idee einer Fasnacht in den Quartieren nicht neu. Im Gegenteil: Das Comité nimmt im Grunde genommen etwas auf, das im Laufe der letzten Jahrzehnte in Vergessenheit geraten ist.

Dabei waren nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene in Quartieren unterwegs. Saubi erinnert sich an Fasnächtler, die nicht nur die Innenstadt belebten: «Die haben dort ihre Schnitzelbänke gesungen, alles noch in den Quartieren. Das gab also schon mal, aber nur abends, wenn der Cortège fertig war – da wurde auch getanzt in den Quartieren».

Geht man noch weiter zu den Vorläufern der Fasnacht, trifft man immer wieder auf Umzüge durch die Vorstädte. Ein solcher ist bereits 1598 belegt. Dies schreibt der Stadtführer Grabmacherjoggi auf der Seite Altbasel. Die Umzüge in den Basler Quartieren dürften «als Keimzelle der heutigen Fasnacht» gelten.

Schlägereien zwischen den Quartieren

Allerdings sei damals das Wehrwesen im Mittelpunkt gestanden, weshalb die Jugendlichen ihre militärische Ausrüstung mit sich führten. Aus dem 18. Jahrhundert sind kostümierte Umzüge überliefert, die auch in Keilereien zwischen den Quartieren mündeten.

Zurück zur Gegenwart. Saubi stellt fest, dass es die Quartierfasnacht wie aus der Nachkriegszeit so nicht mehr geben kann. Dennoch könnte sie eine Inspiration sein, falls sich das fasnächtliche Treiben tatsächlich wieder in die Quartiere verlagern sollte. «Die Cliquen werden schon Ideen und sujetähnliche Sachen bringen – und hier im St. Johann klingt es fast besser als in der Stadt», findet er.

Vollführt Frau Fasnacht eine zeitweilige Rückkehr in die Quartiere? Sicher ist noch nichts. Wie das Comité letzte Woche mitteilte, können Fasnächtler bis am 26. September Ideen einreichen. «Anschliessend werden wir zusammen mit den Behörden evaluieren, welche Ideen wie umsetzbar sind», sagt Comité-Mitglied Daniel Hanimann gegenüber Telebasel.

1 Kommentar

  1. Ich finde es Super auch auf dem Land sollte wieder mehr in den Dörfern Fasnacht sein die Gesellschaften waren nicht mehr der Bevölkerung nah sie hatten alle ihre eigenen Feste und Guggen gingen bis nach Spanien. Zahlen oder Sponsoren durfte mann aber es kamen nur Grossanlässe zustande aber auch beim Plaketenkauf gab es keine Orangen oder es Mimösli von den Wagen ,es wurde Säckweise gehortet ich finde es super wieder kleinere Veranstaltungen liebe grüsse von Monika Kohler Ich habe Jahrelang geholfen Kostüme zu Nähen ich finde die Tradition an und für sich super gutes gelingen für 2021Report

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