Sorgt mit ihrem neusten Roman über einen mordenden Trans-Menschen für grosse Kritik: Joanne K. Rowling. (Bild: Keystone)
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Joanne K. Rowlings neustes Buch sorgt für massiven Shitstorm

Der Zauber um J.K. Rowling scheint endgültig verflogen. Kritik um transphobe Haltungen der Autorin werden mit ihrem neusten Buch immer lauter.

Joanne K. Rowling schöpfte mit der «Harry Potter»-Buchreihe einen der grössten Erfolge der Literaturgeschichte. Ihre Romane wurden weltweit je rund 500 Millionen Mal verkauft und erfreuen sich anhaltender Beliebtheit.

Diese Beliebtheit überträgt sich aber immer weniger auf die Schöpferin der Kultromane. So titelt nicht nur «20 Minuten» einen Artikel über die 55-Jährige mit der «meistgehassten Frau des Internets» – von allen Seiten wird Kritik um die Autorin immer lauter. Das seit Jahren. Die Kritik und der Hass erreichen in diesen Tagen ihren Zenit: Todesdrohungen und Aufrufe, ihre Bücher zu boykottieren oder gar zu verbrennen machen im Netz die Runde. Was ist passiert?

Negative Darstellung von Trans-Menschen

Verdichtet hat sich die negativen Schlagzeilen um die Autorin durch ihr jüngstes Buch, das kürzlich veröffentlicht wurde. In «Troubled Blood» geht es um einen Serienmörder, der Frauenkleider trägt. Das erntet harsche Kritik in der queeren Community: Die Darstellung von Trans-Menschen in den populären Medien sei geprägt von Zeichnungen «gestörter» Psychopathen.

Die Trans-Community kämpft seit Jahren gegen negative Bilder in den Medien sowie gegen die Unterrepräsentation der Community in der Mainstream-Kultur. Mit der wachsenden Akzeptanz von Trans-Menschen in der Gesellschaft, wächst die Kritik an böshaften Darstellungen von Menschen, die sich Kleider des anderen Geschlechts anziehen. Dies, weil sie als Unterstützung dieses lang kultivierten Stereotyps von Trans-Menschen gesehen werden.

Homophob und rassistisch?

Joanne K. Rowling gilt nicht als Freundin der Trans-Community. Während sie bereits für ihre Harry Potter-Werke kritisiert wurde, wenig kulturelle Vielfalt und keine queeren Charaktere eingebaut zu haben, wehrte sie sich nachträglich gegen die Vorwürfe. So sei etwa der weise Schulleiter der Zaubererschule Hogwarts, Albus Dumbledore, eigentlich schwul und es habe auch einen jüdischen Schüler in Harry Potters Klasse gegeben.

Weil beide Punkte aber in den Romanen nicht zur Sprache kommen, werden diese nachträglichen Zusätze der Autorin von vielen als im Nachhinein hinzugefügte Gedanken kritisiert. Was für weiteres Stirnrunzeln sorgte: Mit dem Pseudonym Robert Galbraith wählte sie für ihr Buch «Ein plötzlicher Todesfall» zudem ein Autoren-Alter-Ego, das den gleichen Namen trägt, wie ein berühmter Psychiater, der der sich in den 50er-Jahren auf Konversionstherapien für Homosexuelle spezialisierte. Joanne K. Rowling bestritt aber einen Zusammenhang.

Transphobe Aussagen

Ärger steht es aber um ihre Beziehung zu Trans-Menschen. J.K. Rowling hatte sich bereits mehrfach mit Aussagen gegen Trans-Menschen negativ in die Schlagzeilen gebracht. Erstmals im Jahr 2017, als sie einen trans-feindlichnen Tweet gelikt hatte. Es folgte ein weiterer Eklat, als sie einen Tweet likte, in dem Transfrauen als  «Männer in Kleidern» bezeichnet wurden. Ihr Management behauptete damals, sie sei aus Versehen auf den Like-Knopf gekommen

Im Dezember 2019 verteidigte sie zudem die Forscherin Maya Forstater, als diese sich weigerte, Transmenschen mit den korrekten Pronomen anzusprechen. Im Juni dann bereits der nächste Skandal: Joanne K. Rowling regte sich über einen Artikel auf, in dem aus Gründen der Inklusion Frauen «Menschen, die menstruieren» genannt wurden. Sie zeigte sich wütend darüber, dass das Geschlecht als soziales Konstrukt dargestellt wird. Wenn Geschlecht nicht real sei, dann sei die gelebte Realität aller Frauen ausgelöscht, so die Argumentation der Autorin.

Es folgte ein wirrer, als transphob kritisierter Essay der Autorin. Danach wurde nicht nur die Kritik seitens Harry-Potter-Fans lauter, auch die Stars der Zauberer-Filme wie Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint schalteten sich in die Diskussion ein und zeigten Solidarität mit der queeren Community. Weitere Vorwürfe der Homophobie und des Rassismus flammten zudem wieder auf.

Joanne K. Rowling verliert Followers

Mit der Veröffentlichung ihres neuen Buches erreicht die Kritik an Joanne K. Rowling einen neuen Höhepunkt:Über 300’000 Follower hat die Autorin bereits auf Twitter verloren. Der Aufschrei gegen das neue Werk und seine Autorin hallt während Tagen durch die sozialen Medien. «Sie ist nicht nur EIN transphober Mensch, sie ist DER transphobe Mensch, das berühmte Gesicht der Anti-Trans-Bewegung», schreibt etwa eine Userin auf Twitter. Wer kein Problem mit Rowlings Aussagen habe, sei selbst transphob, schreibt ein anderer User.

«Meine Güte, sie hat Monate damit verbracht, Hass gegen Trans-Menschen zu schüren, kurz bevor sie ein Buch mit einem mörderischen Pseudo-Trans-Bösewicht veröffentlicht?», heisst es in einem weiteren Tweet.

In einer Kritik zum Buch heisst es indes: «Rowling kreiert eine Fantasie-Welt in der sie über Trans-Menschen recht behält». Es häufen sich zudem Aufrufe, der Autorin nicht mehr in den sozialen Medien zu folgen sowie ihre Werke zu boykottieren.

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