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Der Telebasel News-Beitrag vom 16. September 2020.
Basel

Enuu-Miniautos – Ärger über die «Eier auf vier Rädern»

Seit zehn Tagen sind die Elektro-Miniautos in Basel. Bedenken an diesen mietbaren Fahrzeugen kommen sowohl vom Veloverband wie auch von Rollstuhlfahrern.

Die Rollstuhlfahrerin Liz Isler ist wenig begeistert. «Das waren ursprünglich Wägeli für Gehbehinderte». Dass nun ähnliche Vehikel der Allgemeinheit als Mietobjekt zur Verfügung stehen, findet sie problematisch. In ihren Augen werden damit die Grenzen zwischen mobilen Fahrzeugen für Gehbehinderte und Trendfahrzeugen für alle verwischt.

Vom Pendlerfonds unterstützt

Die Rede ist von den Enuu-Elektromobilen, die man seit zehn Tagen in Basel mieten kann. Zum Einsteigen braucht es einen Moped-Führerausweis (Kategorie M) wie auch die passende App. Betreiber ist das Bieler Start-Up Enuu. Der Pendlerfonds unterstützt das Verleihsystem mit 65’000 Franken.

Falsch parkierte Enuu-Miniautos sorgen bereits wenige Tage nach ihrer Einführung in Basel für rote Köpfe. Insgesamt sind aber nur 40 solche Mobile zu vermieten (Bild: Leserfoto).

Offiziell ein «motorisierter Rollstuhl»

Tatsächlich ist diese Neuheit für Basel formell vom Bund als «motorisierter Rollstuhl» klassifiziert. Wie Mark Duff von der Firma Enuu auf Anfrage von Telebasel schreibt, habe das ASTRA das Miniauto gemäss Kriterien wie Geschwindigkeit, Gewicht und Stromstärke so kategorisiert.

Doch nicht nur mit der Rollstuhl-Bezeichnung hat Liz Isler Mühe. Die «Eier auf vier Rädern», wie sie die Fahrzeuge nennt, sind ihrer Meinung nach zu sperrig für die Stadt. So habe sie vor zwei Tagen einen nicht sehr schön geparkten Enuu gesehen, der das Trottoir blockiert habe – ein ärgerliches Hindernis für Gehbehinderte.

Parkiert ein Nutzer dieses Mobil falsch herum, nimmt er den Velos den Platz weg, wie hier in der Nähe des Aeschenplatzes zu sehen ist (Bild: Leserfoto).

Generell bedeuteten falsch geparkte Velos, E-Bikes, E-Trottinette und jetzt auch noch Miniautos einen Slalom für Rollstuhlfahrer. Zudem sagt Liz Isler, habe sie kürzlich sogar einen Enuu auf einem Behindertenparkplatz gesichtet.

Vandalenakte in Zürich

Solche Probleme sind aus Zürich bekannt. Dort beschlossen die Behörden, die Verleihflotte von 150 auf zwanzig Fahrzeuge herunterzuschrauben. Wie TeleZüri im Juni berichtete, kam es einerseits zu vielen Vandalenakten gegen Enuu-Mobile. Andererseits wurden diese auch an Orten hingestellt, an denen sie nichts verloren haben, etwa auf Trottoirs oder auf Plätzen.

Auffällig ist, dass bei manchen abgestellten Enuus die Fenster offen gelassen werden (Bild: Leserfoto).

Mark Duff von Enuu schreibt, das Unternehmen sei darum bemüht, dass sich Szenen wie in Zürich nicht wiederholen. Das Start-Up sei im Austausch mit den Basler Behörden, damit die Falschparkerei nicht aus dem Ruder laufe.

Keine Enuu-Parkplätze in der Innenstadt

Dies bekräftigt auch das Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD). Daher sei einerseits der Bestand auf 40 Fahrzeuge beschränkt. Andererseits könne man den Enuu überall dort, wo die Veloparkplätze dicht belegt sind, nicht parken. «Wir haben in Zusammenarbeit mit der Polizei den Innenstadtperimeter ausgenommen», sagt BVD-Sprecherin Nicole Ryf-Stocker. Dort könne man gar keine Enuus hinstellen. «Es ist von der Technik her gar nicht möglich, man kann sich dort über die App nicht abmelden.» Mit anderen Worten: Es wäre sehr teuer, das Vehikel längere Zeit beim Barfi oder Marktplatz stehen zu lassen.

Kritik an Mini-Autos auf Veloparkplätzen

Müssen aber die «Elektro-Wägeli» partout auf Veloparkplätzen stehen? Diese Frage wirft der Verband Pro Velo auf. Wie Co-Präsidentin Anina Ineichen betont, sei sie nicht gegen die kleine Alternative zum Auto.

«Man muss einfach schauen, dass sie Autoparkplätze nutzen und dass sie nicht auf den Velowegen und -streifen fahren, sondern auf Strassen der Autos», sagt Ineichen. «Dann hat es einen Mehrwert als kleines mobiles Auto». Gegenüber dem Velo bestehe hingegen kein Gewinn. Schliesslich sei das Velo schmaler und brauche noch weniger Platz. Anina Ineichen hält es daher für einen Fehler, dass die Enuu-Mobile nicht die Autoinfrastruktur nutzen.

Wie BVD-Sprecherin Nicole Ryf-Stocker sagt, sei dies vom Bund aus durchaus möglich. Die Krux sei aber die Parkraumbewirtschaftung: Man bezahlt bei solchen Verleihsystemen für die Fahrt. Sobald man sich mit der App abmeldet, müsse man Parkgebühren zahlen. «Hier muss man eine Lösung suchen, wie man das in Basel-Stadt umsetzen kann – das ist im Interesse des Kantons», sagt Ryf-Stocker.

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