Novartis legt in Sachen Home Office vor und erlaubt den Angestellten auch nach der Pandemie noch von Zuhause aus zu arbeiten. (Symbolbild: Keystone)
Basel

Novartis überwacht die Aktivitäten der Angestellten im Home Office

Novartis erlaubt Mitarbeitenden auch über die Pandemie hinaus im Home Office zu arbeiten. Im Gegenzug werden deren Aktivitäten überwacht.

Der Pharmakonzern Novartis weitet sein Home Office Angebot aus und erlaubt den Angestellten auch über die Pandemie hinaus an bestimmten Tagen von zuhause aus zu arbeiten. Im Gegenzug misst das Unternehmen Aktivitäten wie beispielsweise Mails oder Telefonanrufe, um die Arbeitszeit weiter zu gewährleisten.

Gegenüber der «Baz» erklärt Personalchef Steven Baert die Entscheidungsfindung in Sachen Home Office: «Wir haben unsere Leute gefragt, was sie eigentlich brauchen, um möglichst produktiv zu arbeiten. Wir bekamen über 60’000 Antworten und über 100’000 Kommentare. Dabei kam heraus, dass unsere Mitarbeitenden flexibler arbeiten wollen. Konkret bedeutet das, dass rund 60 Prozent wählen wollen, wo sie wann arbeiten wollen, also flexibel zwischen Arbeitsorten wechseln. 14 Prozent bevorzugen, primär zu Hause zu arbeiten. 14 Prozent wollen nur im Büro arbeiten, obwohl ihnen Flexibilität zur Verfügung stehen würde. Der Rest sagt: Ich muss im Büro sein, es geht gar nicht anders. Und dann haben wir experimentiert, was funktioniert und was nicht».

Arbeitsvolumen bleibe im Home Office gleich

Das Arbeitsvolumen im Homeoffice sei laut Baert nicht gesunken. Anhand der Software «Arbeitsplatz-Analytics» überwacht Novartis, ob die Mitarbeitenden telefonieren, E-Mails schreiben oder in digitalen Meetings sind. Doch wie reagieren die Mitarbeitenden auf diese Art der Überwachung?

«Erstens müssen die Mitarbeitenden bei dieser Datenerhebung nicht mitmachen, sie können sie ablehnen. Und zweitens messen wir nicht die individuelle Tätigkeit eines Angestellten. Wir schauen nur auf aggregierte Daten. Die Analyse reicht maximal auf ein Team aus mindestens 30 Beschäftigten herunter… 97 Prozent machen mit, 3 Prozent nicht», so Baert.

Die ersten Auswertungen der Softwaredaten hätten Steven Baert überrascht. «Wie viel sich die Leute austauschen. Sie nehmen sich weniger Zeit zum stillen Nachdenken, als wir gedacht hätten. Und wir sehen: Mit vermehrtem Homeoffice gibt es mehr vereinbarte Termine. Statt kurz zum Kollegen zu gehen, buchen sie einen Termin im Kalender».

Grossraumbüros werden verschwinden

Weite Teile der Belegschaft bekommen einmalig rund 680 Franken, um sich ihr Heimbüro einzurichten. Es müsse im Vorfeld nicht mehr um Erlaubnis fürs Home Office gefragt werden, stattdessen müsse man die Vorgesetzten einfach informieren.

Baert rechnet damit, dass Novartis auf dem weitläufigen Basler Campus künftig weniger Einzelbüros anbieten wird – stattdessen mehr Kreativräume und Sitzungszimmer. «Wir brauchen sicher keine Grossraumbüros mehr, nur damit der Chef sehen kann, wer was macht», so Beart.

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