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Der Telebasel-News-Beitrag vom 11. September 2020.
Basel

So leiden Schwerhörige unter der Maskenpflicht

Hinter Schutzmasken verschwinden die Lippen und Lippenlesen wird unmöglich. Das gesellschaftliche Leben von Schwerhörigen leidet unter der Maskenpflicht.

Unter der Maske verschwinden auch die Lippen und Lippenlesen wird für Schwerhörige unmöglich. Doch das Ableiten der Lippenbewegungen um ihr Gegenüber zu verstehen ist für Leute, die schlechter hören, zentral.

Gesellschaftliches Leben eingeschränkt

«Das ist schon das, was den Leuten am meisten zu schaffen macht», erklärt Marcel Richner, selbst schwerhörig.  Dass die Kontaktmöglichkeiten eingeschränkt werden, sei ein grosses Problem. Soziale Kontakte sind schwieriger aufrecht zu erhalten.

«Da kommt es zwar ein wenig auf den eigenen Bekanntenkreis und Verwandschaft darauf an, was man für Möglichkeiten hat. Es gibt aber Leute, welche die Tendenz haben zu vereinsamen», fügt Richner hinzu.

Besonders schwer sei es für Einige, sich dem Gegenüber zu offenbaren. «Zuzugeben, dass man nicht so gut hört, fällt vielen schwer», erklärt Richer gegenüber Telebasel. Doch für eine gute Kommunikation sei es äusserst wichtig, dass das Gegenüber weiss, wenn man hörbeeinträchtigt ist.

Doch genau das sei wichtig. «Darum sagen wir auch, man soll raus gehen und Gespräche führen», denn wer das Lippenlesen nicht regelmässig praktiziert, verliert an Sicherheit bei der Kommunikation.

Es gibt Lösungen

Nun sind spezielle Masken geplant, die beim Mundbereich durchsichtig sind. «So kann das Gegenüber von den Lippen ablesen», erklärt Gabi Huschke Geschäftsführerin des Schwerhörigen Verein Nordwestschweiz.

«Leider gibt es diese Masken aber noch nicht in grossen Mengen. Vom Bund ist zugesprochen, dass wir ab Januar 2021 solche Masken haben können», die Hoffnung des Vereins auf diese Masken ist gross.

Kann man nicht auf solche Masken Rückgriff nehmen, gibt es Alternativen. «Abstand halten, ohne Maske reden. Maske anlegen, nach vorne gehen und beispielsweise als Pfleger etwas machen. Danach zurück gehen, Abstand halten und erst dann wieder reden», laut Huschke funktioniere das ziemlich gut. Besonders in Apotheken oder beim Einkaufen sei diese Methode für Schwerhörige sehr hilfreich.

Verständnis und Bedauern

«Ich bin noch nie auf Widerstand gestossen im Sinne von, es interessiert jemanden nicht. Ich bin bis jetzt immer damit zurecht gekommen. Auch wenn es schwieriger und stressiger ist», schätzt Richner seine Situation ein.

Schätzungsweise ist jeder Achte von Hörbeeinträchtigungen betroffen, und umso mehr hoffe man trotzdem auf ein rasches Entgegenkommen mit den transparenten Masken.

Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger bedauert diese aktuelle Situation. «Hier muss ich um Verständnis bitten, dass wir keine massgeschneiderten Lösungen für alle Situationen und Betroffenheiten finden konnten», so Engelberger. Doch im nächsten Jahr sollten die transparenten Masken kommen.

1 Kommentar

  1. Ja nicht nur schwerhörige , sondern auch Gehörlosen leiden darunter, weil wegen der Maske kann unmöglich das Ablesen von der Lippen , aber auch Gesicht- Mimik fehlt, wichtig auch das ganze Gesicht abzulesen. Nicht alle respektieren … muss Maske behalten und auch schwierig zu sagen: dass ich nicht hören kann. Ich bewundere das Universitätsklinikum, hat super reagiert und Respekt genommen und auch besser Verständlich für Gehörlosen, gutes Mundbewegungen, viel besser als vor 20 Jahren. Ja bin hier geboren und aufgewachsen, Ja die Zeiten ändern sich. Wünsche bessere Mundschutz mit Klarschicht, hoffe auf neues Jahr, dass ich es kaufen kann. Und jemandem geben fürs Gespräch miteinander. Gruss SonjaReport

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