Ob die Brände von Migranten oder Inselbewohnern gelegt wurden, blieb vorerst unklar – die Angaben dazu gingen zunächst auseinander. (Bild: Keystone)
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Flüchtlingslager Moria brennt erneut

Erneut brennt es im Flüchtlingslager Moria. Die Lage sei ausser Kontrolle, berichten Augenzeugen. 12'000 Menschen sind obdachlos geworden.

Und wieder brennt es im Flüchtlingslager Moria. Am Mittwochabend, 9. September 2020, steht das Camp auf Lesbos erneut in Flammen. «Bild»-Reporterin Liana Spyropoulou berichtete, dass vor Ort Explosionen zu hören waren, wie die Zeitung berichtet. So soll beim Feuer der Rest des Lagers zerstört worden sein.

Mehrere tausend Migranten flohen mit ihren Habseligkeiten vor den Feuern. Mehr als 12’000 Menschen sollen durch die Brände obdachlos geworden sein. 4’000 davon sind Kinder.

Der griechische Migrationsminister Notis Mitarachi (47) hatte gesagt, das erste Feuer sei ausgebrochen, als Asylbewerber gegen die verhängte Corona-Quarantäne protestierten. Ob es sich um Brandstiftung handelt, liess er offen. Regierungschef Kyriakos Mitsotakis (52) sagte, die Feuer seien eine «gewalttätige Reaktion» auf positive Coronavirus-Tests im Lager.

«Es ist verrückt. Die Polizei bekommt die Lage nicht unter Kontrolle», sagt Krankenschwester Elena Lydon (56) gegenüber «Blick». Die Irin betreut unbegleitete Minderjährige auf der Insel: «Die Situation ist sehr schlimm. Ich versuche, 900 Kinder zu finden».

Bereits am Mittwochmorgen grosse Zerstörung

Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos steht nach dem Ausbruch mehrerer Brände in der Nacht zum Mittwoch fast vollständig in Flammen.

In den frühen Morgenstunden wütete das Feuer weiter, angefacht von Winden mit bis zu 70 Stundenkilometern. Schon in der Nacht begannen die Behörden laut griechischen Medienberichten mit der Evakuierung des Lagers, nachdem Wohncontainer Feuer gefangen hatten. Über Verletzte oder gar Tote gab es zunächst keine Informationen.

Vorangegangen waren Unruhen unter den Migranten, weil das Lager seit voriger Woche nach einem ersten Corona-Fall unter Quarantäne gestellt worden war. Am Dienstag wurde dann bekannt, dass die Zahl der Infizierten bei 35 liege.

Manche Migranten hätten daraufhin das Lager verlassen wollen, um sich nicht mit dem Virus anzustecken, berichtete die halbstaatliche griechische Nachrichtenagentur ANA-MPA. Einige Infizierte und ihre Kontaktpersonen, die isoliert werden sollten, hätten sich hingegen geweigert, das Lager zu verlassen und in Isolation gebracht zu werden.

Ob die Brände von Flüchtlingen oder Inselbewohnern gelegt wurden, blieb vorerst unklar – die Angaben dazu gingen zunächst auseinander.

«Bye bye, Moria!»

Nach Ausbruch des Feuers hätten Lagerbewohner die Feuerwehrleute mit Steinen beworfen und versucht, sie an den Löscharbeiten zu hindern, berichtete der Einsatzleiter im Fernsehen. Sondereinheiten der Bereitschaftspolizei waren im Einsatz. Videos in sozialen Netzwerken zeigten herumirrende, verängstigte Menschen und auch solche, die «Bye bye, Moria!» sangen.

Viele der mehr als 12’000 Migranten und Flüchtlinge, die zuletzt im Lager lebten, flohen in die umliegenden Wälder und auf Hügel, andere machten sich auf den Weg zur Inselhauptstadt Mytilini, wie griechische Medien berichteten. Stellenweise sollen sich ihnen Inselbewohner entgegengestellt und ihnen den Weg versperrt haben.

Spannungen habe es in Moria immer gegeben, wegen der Corona-Problematik sei die Situation nun regelrecht explodiert, sagte Mytilinis Bürgermeister Stratos Kytelis dem griechischen Staatssender ERT. Man wisse nicht, wo die Menschen nun untergebracht werden sollten, Tausende seien obdachlos. Auch für die Einheimischen sei die Situation eine enorme Belastung.

Das Flüchtlingslager Moria ist seit Jahren heillos überfüllt, zuletzt leben dort nach Angaben des griechischen Migrationsministeriums rund 12’600 Flüchtlinge und Migranten – bei einer Kapazität von gerade mal 2’800 Plätzen.

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