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Schweiz

1,6 Millionen Senioren sind keine Risikogruppe mehr

Zwei der Themen in der Sonntagspresse: Eveline Widmer-Schlumpf wünscht faire Behandlung der Senioren und unterschiedliche Corona-Bewilligungspraxis der Kantone.

«Altersguillotine» aus Gesetz entfernen

Alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, die den Stiftungsrat von Pro Senectute Schweiz präsidiert, wehrt sich in einem Interview mit dem «SonntagsBlick» dagegen, dass Senioren in der Corona-Pandemie allein aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe erklärt werden. «Für ­Pro Senectute war es zu rigoros, Menschen im Pensionsalter, also 1,6 Millionen Menschen in der Schweiz, allein aufgrund ihres ­Alters zur sogenannten Risiko­gruppe zu zählen. Auch ist der ­Begriff «Risikogruppe» problematisch. Von diesen Menschen geht kein Risiko aus – sie müssen durch unser aller Verhalten besonders vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt werden, ­respektive müssen sich ganz besonders schützen», so die Alt Bundesrätin im Interview.

Die Senioren seien heute länger gesund und nähmen aktiv am gesellschaftlichen Leben teil. Zudem seien sie eine wichtige Ressource und würden viel zum Funktionieren der Gesellschaft beitragen. Pro Senectute setze alles daran, in der Öffentlichkeit und bei den Behörden ein Umdenken bei der Altersgrenze zu bewirken. Laut Widmer-Schlumpf mit Erfolg: Pro Senectute habe beim Covid-19-Gesetz ­erwirken können, dass die Altersgrenze 65 nun gestrichen werden soll.

Unterschiedliche Bewilligungspraxis in Kantonen

Bei der Bewilligungspraxis von Grossanlässen agieren die Kantone sehr unterschiedlich. Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, fehlt ein allgemein gültiges Grundkonzept für die Beurteilung der epidemiologischen Lage. Diese Analyse sei mitentscheidend dafür, ob Events durchgeführt werden könnten. So habe der Kanton Zürich zwar eine Beurteilungsmatrix, mit der die epidemiologische Lage eingeschätzt werden könne, lege dieses Instrument aber nicht offen. Der Kanton Zug habe dagegen bereits ein Alarmierungskonzept publiziert. Nun wolle der Kanton auch Beurteilungen der epidemiologischen Lage veröffentlichen, sagte Kantonsarzt Rudolf Hauri. Die Veranstalter sollten nachvollziehen können, wie der Kanton zu seinen Einschätzungen komme, so die Begründung.

Test und Maskenpflicht für Kinder

Die Annahme, dass Kinder in der Corona-Pandemie keine Risikogruppe seien, stimmt nach Ansicht der Genfer Virologin Isabella Eckerle nicht. Mit dem Coronavirus infizierte Kinder hätten eine gleich hohe Virenlast wie Erwachsene. Eckerle fordert laut einem Bericht der «NZZ am Sonntag» deshalb, dass Kinder gleich oft auf Corona zu testen seien wie die ganze Bevölkerung. Wenn Kinder nicht getestet würden, werde man Ausbrüche in Schulen, wie jüngst im Aargau und in Genf, allenfalls zu spät bemerken. Bereits in der Primarschule sollte daher eine Maskenpflicht für Kinder gelten. Sie müsste aber mit andere Massnahmen wie kleinere Klassen, einem Mix aus Präsenz- und digitalem Unterricht sowie guter Belüftung verbunden werden. Mehr dazu hier.

Aufholeffekt in Spitälern ausgeblieben

Bei den Schweizer Spitälern ist der erwartete Aufholeffekt nach Aufhebung des Behandlungsverbots ab 27. April bis Ende Juni ausgeblieben. Das bringt die Spitäler in Erklärungsnot, wie die «NZZ am Sonntag» gestützt auf Aussagen des Spitalverbandes H+ schreibt. Der Schluss liege nahe, dass viele der geplanten Eingriffe nicht nötig gewesen seien, sagte die CVP-Nationalrätin Ruth Humbel. Hätte man medizinisch etwas verpasst, würden die Patienten längst ihre Behandlungen einfordern. Humbel sei nicht allein mit dieser Feststellung. Die Mitte-Fraktion fordere eine Analyse, inwiefern durch das Behandlungsverbot unnötige Eingriffe verhindert worden seien.

Maskenpflicht im ÖV desavouieren

Skeptiker der Corona-Pandemie versuchen, die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr und in einzelnen Kantonen beim Einkauf zu umgehen. Unterstützung erhalten sie dabei von Ärzten, die sich im Internet kritisch zu den Massnahmen der Behörden äussern. Nach Angaben der «SonntagsZeitung» stellt zum Beispiel eine Berner Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie auf Anfrage ein Attest aus. Als Gegenleistung verlangt sie 20 Franken, zugestellt per Brief. Ausserdem fordert sie Unterstützung bei einer Petition an den Bundesrat gegen die Maskenpflicht. Die Ärztin ist Teil eines Netzwerkes von Corona-Skeptikern. Laut der Berner Gesundheitsdirektion könnte das Verhalten der Ärztin disziplinarrechtliche Massnahmen nach sich ziehen.

SP unterstützt Idee von KOF-Leiter

Die SP nimmt die von KOF-Leiter Jan-Egbert Sturm eingebrachte Idee auf, das Loch in der Staatskasse wegen der Corona-Pandemie durch Steuererhöhungen für jene Firmen zu stopfen, die trotz der Rezession noch Gewinne erzielen. Um die Schulden zu tilgen, schlägt die SP einen Steuerzuschlag von 3 Prozent auf den Unternehmensgewinn vor, wie «Le Matin Dimanche» und der «SonntagsBlick» berichten. Der Zuschlag solle ab 2022 für einen Zeitraum von fünf Jahren eingeführt werden. Die Partei wird in der Herbstsession einen entsprechenden Antrag stellen. Für den Fraktionspräsidenten Roger Nordmann ist der Zuschlag eine Frage der Solidarität. Die Schweiz bleibe auch mit dem Zuschlag mit einem Unternehmenssteuersatz von rund 18 Prozent international sehr attraktiv.

Wirtschaft kommt mit blauem Auge davon

Die Schweizer Wirtschaft dürfte laut «SonntagsZeitung» mit einem blauen Auge aus der Corona-Pandemie davonkommen. Laut einer Umfrage des Bundesamtes für Statistik bei 18’000 Unternehmen wollen 71 Prozent der Firmen ihren Personalbestand im dritten Quartal 2020 beibehalten, 9 Prozent wollen ihn erhöhen und 7 Prozent planen einen Stellenabbau. Insgesamt 13 Prozent wollten sich nicht äussern. Die positive Entwicklung spiegelt sich im Arbeitsmarkt wider. Von Juni bis August ist die Zahl der ausgeschriebenen Stellen von 26’500 auf knapp 40’000 gestiegen, was einer Zunahme von über 50 Prozent entspricht. Das zeigt eine Auswertung zum Rekrutierungsverhalten aller Schweizer Firmen durch die beiden Datenfirmen Novalytica und X28. Zwar liegt die Zahl der offenen Stellen klar hinter dem Vorjahr zurück. Doch es zeichnet sich eine Erholung ab.

Verbot von 33 Pflanzenschutzmittel

Das Bundesamt für Landwirtschaft hat seit Anfang Jahr 33 gefährliche Pflanzenschutzmittel verboten. Das sind mehr als je zuvor in einem vergleichbaren Zeitrum, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Die Verbote sind eine Folge davon, dass die EU viele Pestizide schon Jahre zuvor aus dem Verkehr gezogen hat. Aber auch der Druck der Öffentlichkeit gegen die flächendeckende Verwendung von Pflanzenschutzmittel wirkt sich aus. Der «SonntagsBlick» zitiert einen Biobauer mit der Aussage, dass Bauern keine Pestizide einsetzen, sondern mehr tüfteln sollten, was ihr Boden benötige. Ein konventioneller Bauer wies auf die dramatischen Folgen beim Verzicht auf Pestizide hin: weniger einheimische Lebensmittel, weniger Verarbeitungsbetriebe und eine sinkende Zahl an Arbeitsplätzen.

Gesetze gegen Lügen und Hass auf Internetplattformen

Das Bundesamt für Kommunikation prüft laut «SonntagsBlick», ob neue Gesetze gegen Lügen und Hass auf Internetplattformen geschaffen werden sollten. Im Auftrag des Bundesrates soll das Bakom zu dieser Frage bis im Frühjahr 2021 einen Bericht erstellen. Der Bericht werde sich mit der Frage befassen, ob aus Schweizer Sicht Regulierungsbedarf bestehe und welche Massnahmen sich dafür eignen würden. Im März hatte der Bund in einer Vorstudie bereits abklären lassen, wie Internetplattformen zu regulieren wären, ohne verfassungsrechtliche Prinzipien wie die Meinungsfreiheit zu verletzen. Eine Möglichkeit wäre, Suchmaschinen und soziale Medien zu zwingen, ihre Algorithmen transparent zu machen. Also jene Mechanismen, die entscheiden, wann und wo bestimmte Inhalte angezeigt werden.

CS droht weiteres Ungemach

Die Grossbank Credit Suisse kommt nicht zur Ruhe. Laut «SonntagsZeitung» verdichten sich die Hinweise, dass es nach der Spy-Gate-Affäre um den Chef der Vermögensverwaltung, Iqbal Khan, zu zwei weiteren Observierungsfällen gekommen ist. Eine der Überwachungen soll in den USA stattgefunden haben, die andere in Asien. Sie hätten sich nicht gegen Mitglieder der Geschäftsleitung der Bank gerichtet. Laut «SonntagsBlick» dürfte der Einblick in allfällige weitere Geheimdienstaktionen bei der CS künftig verwehrt bleiben. Das Zwangsmassnahmengericht Meilen habe Mitte Juli verfügt, dass beschlagnahmte Gegenstände von der Staatsanwaltschaft nicht ausgewertet werden dürfen. Dabei gehe es um Computer, Laptops, Kameras und Handys, die beim verstorbenen Sicherheitsexperten beschlagnahmt worden seien.

Fast-Food digital bestellen ist teuer

Kunden, die digital Fast-Food bestellen, geben im Schnitt 30 Prozent mehr aus, als wenn die Bestellung im Geschäft selbst erfolgt. Die Art der Bestellung – ob via Touchscreen, Handy oder Computer – verleite dazu, mehr auszugeben. Das hat laut «NZZ am Sonntag» die Zuger Firma Menu ermittelt. Die Firma ist auf digitale Bestellsysteme in der Gastrobranche spezialisiert und rüstet derzeit sämtliche Burger-King-Filialen in Südamerika und der Karibik um. Am Bildschirm seien die Kunden zwar nicht hungriger, aber hemmungsloser. Die Kontrollmechanismen seien ausser Kraft gesetzt. Scham sei ein ganz wichtiger Faktor bei der Essensbestellung.

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