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Der Telebasel Talk vom 2. September 2020. (Video: Telebasel)
Basel

Starks Kolumnen – Notizen eines Unbestechlichen

Wer politische Auseinandersetzungen nicht erträgt, sollte Roland Starks «BaZ»-Kolumnen überblättern. Nun erscheint eine Auswahl davon in Buchform.

Letztes Jahr trat Roland Stark von der Basler SP in die SP Appenzell Innerrhoden über. Damit setzte er seiner 35-jährigen Basler Polit-Geschichte ein Ende, die von Einsatz, Ehre und Enttäuschung geprägt war – etwa darüber, dass die Delegierten ihn 1996 bei den Regierungsratswahlen nicht für den zweiten Wahlgang  nominierten.

«Ja, ich war sauer», bekannte Roland Stark kürzlich in einem Interview mit der «bz». Was hier zerbrach, versteht nur, wer weiss, dass Roland Stark über 20 Jahre für die Partei im Grossen Rat sass und sie neun Jahre lang präsidierte.

Die skrupellose Dreckschleuder und die Mimose

Ab 2013 schrieb Roland Stark für die «Basler Zeitung» Kolumnen – drei Jahre davor hatte Markus Somm, der Erzfeind der Basler Linken, die Zeitung übernommen.

Und was schrieb Stark? Er kritisierte die linke Anti-Somm-Aktion «Rettet Basel», hielt den Unterschreibenden «masslose Kampfrhetorik» und «Gedächtnisverlust» vor. Bis heute sollten (fast) alle ihr Fett bekommen: Guy Morin, der Gewerbeverband, die Bürgerlichen mit ihrem Badehosen-Wahlkampf 2016, politisch korrekte Sprachwächter, Oswald Grübel («hat nicht mehr alle Tassen im Schrank»). SVP-Nationalrat Roger Köppel nannte er eine «skrupellose Dreckschleuder». Die SP sei zur «Mimose» geworden (Köppel-Sommaruga-Affäre 2016).

«Beim Lesen habe ich schon ausgerufen: Volltreffer, Roland. Seine Kolumnen sind für mich immer ein Genuss.» Helmut Hubacher, dem kürzlich verstorbenen ehemaligen SP-Parteipräsidenten und Nationalrat, scheinen die Kolumnen von Roland Stark gefallen zu haben.

«Man darf auch mal anderer Meinung als Roland Stark sein. Seine Artikel regen mich aber meist zum Nachdenken an und bringen mich immer auch wieder mal zum Schmunzeln. Und gar nicht so selten muss ich eingestehen: Er hat eigentlich recht und sagt offen, wo andere nur die Faust im Sack machen», so Jörg Schild, ehemaliger Polizeidirektor BS (FDP).

Unterwürfigkeit und Amtsschimmel

2018 konstatierte Roland Stark: «Die SP-Granden sähen es bestimmt lieber, wenn auch ich mich auf unpolitische Themen wie Alphornblasen, Talerschwingen oder St. Galler Bratwürste (mit und ohne Senf) beschränkte».

Und 2013 schrieb Stark: «Den Wünschen und Forderungen mächtiger Grossfirmen (Novartis, Roche, Banken, Messe Schweiz und so weiter) begegnet die rot-grüne Regierung mit Wohlwollen, maximaler Flexibilität, gelegentlich sogar übertriebener Unterwürfigkeit. Zum Wohle des Wirtschaftsstandorts Basel-Stadt werden mögliche Hürden immer schnell und gründlich abgeräumt. Kleine Betriebe jedoch, auf deren Existenz und Arbeitsplätze eine lebenswerte Stadt ebenfalls zwingend angewiesen ist, werden von der Verwaltung mit realitätsfernen Bestimmungen schikaniert. Sie spüren nicht die Sorge um ihre Zukunft, sondern nur die schmerzhaften Tritte des Amtsschimmels».

Schriftstellerische Sorgfalt und Kenntnisreichtum

Über alle Kolumnen gelesen ist Roland Stark wohl immer noch der «Linke». Der aber niemanden aus den eigenen Reihen schont. Wer mit der Lektüre einer Stark-Kolumne beginnt, lässt sich auf überraschende Bezüge ein, weiss kaum je im voraus, welche Haltung der Autor bis zum Ende entwickelt.

Das unterscheidet Roland Stark von der Masse. Auch die schriftstellerische Sorgfalt und der (historische) Kenntnisreichtum, aus dem der Autor schöpft. Jetzt ist unter dem Titel «Stark!» «Stark!» im IL-Verlag eine Auswahl seiner Kolumnen erschienen.

Im Talk: Roland Stark, Kolumnist, am Mittwoch, 2. September 2020, ab 18:45 Uhr.

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