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Der Telebasel Report vom 26. August 2020.
Basel

Report: Warum Roma-Bettler nach Basel kommen

Kommen sie, weil das Betteln nun erlaubt ist oder aus anderen Gründen? Ganz Basel stellt sich diese Frage zu den Roma-Bettlern. Der Report liefert Antworten.

Sie sitzen buchstäblich an beinahe jeder Ecke der Stadt. Oft im Schatten, hinter einer Tramstation. Andere ziehen mit ihren Kartonbechern am Rheinbord entlang – nicht selten fordernd und aufdringlich: Roma-Bettler.

Osteuropa-Experte Michael Derrer im Gespräch mit einer Roma-Bettlerin. (Bild: Teleabasel)

Oft aus Rumänien, aber nicht nur

Momentan sind es derart viele, dass beinahe alle, die sich in Basel bewegen, schon einmal Erfahrungen mit einem Roma oder einer Roma gemacht haben. Oft diskutierte Frage am Stammtisch: Woher kommen die? Und warum sind es plötzlich so viele?

Viele der Roma in der Stadt stammen aus Rumänien. Jedoch nicht ausschliesslich. Auch in Bulgarien oder Moldawien leben zahlreiche Roma. Einige davon sind dem Report-Team bei dessen Recherchen in der Stadt begegnet. Die Frage nach dem «Warum gerade jetzt?» ist hingegen schwieriger zu beantworten.

Zurzeit kaum zu übersehen: Kartonschilder und Papp-Becher beinahe überall in der Stadt. (Bild: Telebasel)

Hat der Anstieg mit dem Bettelverbot zu tun?

Einige Journalisten haben sich in den letzten Tagen dank Übersetzern mit den Roma unterhalten. Auch Telebasel hat vergangene Woche ein Interview geführt. Doch was den Journalisten offiziell erzählt werde, stimme kaum mit der Realität überein, sagt Michael Derrer. Er hat 30 Jahre Erfahrung mit Osteuropa, hat in Rumänien studiert, berät Firmen, die in Osteuropa Fuss fassen wollen.

Michael Derrer ist überzeugt, dass die Bettler ihre Geschichten untereinander abgesprochen haben. Die Polizei habe ihnen Geld abgenommen, jetzt könnten sie nicht mehr zurück. Über Frankreich und Deutschland seien sie in die Schweiz gekommen. Klassische Geschichten, wie er sagt. Zu den Gründen und zur Organisation der Roma-Bettler wird aber stets geschwiegen.

«Früher hatten Fahrende hier nicht das Recht, zu betteln. Jetzt ist es aber frei», sagt eine Bettlerin im Telebasel Report. (Bild: telebasel)

«Die Männer haben uns das gesagt»

Verdeckte Recherchen des Telebasel Reports zeigen nun jedoch: Dass derzeit so viele Roma in der Stadt sind, hängt sehr wohl mit dem Wegfall des Bettelverbots zusammen. Gleich mehrere Roma geben an, sie seien gekommen, weil Betteln jetzt erlaubt sei. Woher sie wissen, dass sich das Gesetz hier verändert hat? «Das haben uns die Männer gesagt», berichtet eine Bettlerin: «Einer ist hier vor Ort, er kennt die Sache».

4 Kommentare

  1. Das hat sich Basel ja selbst eingebrockt.
    Betteln erlaubt aber nicht organisierte Banden.
    Wie naiv muss man da sein. Und jetzt das Gejammer. Humanität und Dummheit sind nahe beieinanderReport

  2. Super Strategie Kanton Bern
    NZZ, 19.8.2020
    „Gleichzeitig setzte Ott auf das Ausländerrecht: Weil in der Schweiz Bettelei nicht als Erwerbstätigkeit gilt, leitet sich daraus kein Aufenthaltsrecht gemäss Freizügigkeitsabkommen ab. Auch als Touristen müssen EU- und Efta-Bürger ausreichende finanzielle Mittel nachweisen können. Bettler wurden so aus Bern in ihre Herkunftsländer zurückgeschafft. Das sprach sich in der Szene herum. Weil die Bernerinnen und Berner zudem direkt dazu aufgefordert wurden, kein Geld mehr zu geben, kippte für die Banden das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag. Wirkung hat dies bis heute.“
    Ott vermutet, dass die Situation in Basel ähnlich ist, wie sie sich in seiner Stadt vor gut zehn Jahren präsentierte. Aus seiner Sicht zielt die Debatte über das Bettelverbot im Übertretungsstrafrecht deshalb am eigentlichen Problem vorbei. Dies sei höchstens ein behelfsmässiges Instrument. Wichtiger sei es, verschiedene Stellen zu involvieren und die Perspektive zu wechseln: «Das Problem ist nur zu lösen, wenn diese Personen in ihrer Heimat eine längerfristige Perspektive erhalten.»Report

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