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Helmut prägte über Jahrzehnte hinweg die Schweizer Politik. (Bild: Twitter)
Basel

Helmut Hubacher (94) ist tot

Der ehemalige Basler SP-Nationalrat und SPS-Parteipräsident Helmut Hubacher ist am Mittwoch in Pruntrut JU verstorben. Er erlag einer schweren Krankheit.

Mit Helmut Hubacher verliert die SP eine jahrelang prägende Figur. Er führte die Partei 15 Jahre lang und öffnete sie für neue Anliegen wie den Umweltschutz. Am Mittwoch ist er in Basel nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Er wurde 94 Jahre alt.

Ende Juni erschienen in der «Basler Zeitung» und im «Blick» seine letzten Kolumnen. Viele hundert Male hatte er seine engagierten und weitsichtigen Gedanken zur Tagespolitik mit einer breiten Leserschaft geteilt.

Hubacher war SBB-Beamter, Gewerkschaftssekretär, Journalist, Buchautor und Publizist. Einen Platz in der Schweizer Geschichte verschaffte er sich aber in erster Linie als Urgestein der Politik und als Doyen der Sozialdemokratie.

34 Jahre im Nationalrat

1963 zog der gebürtige Berner (Krauchthal) für den Kanton Basel-Stadt in den Nationalrat ein, dem er 34 Jahre lang angehörte. Ab 1975 war er 15 Jahre lang Präsident der sozialdemokratischen Partei der Schweiz.

In Basel politisierte er von 1956 bis 1968 als Grossrat. Seine Versuche, 1972 und 1976 vom Parlament in die Kantonsregierung zu wechseln, scheiterten jeweils am bürgerlichen Widerstand.

Für viel Aufmerksamkeit sorgte seine Kritik an der Armeepolitik. Er nahm zahlreiche Rüstungsvorlagen unter Beschuss wie etwa jene für den Panzer 68, den Leopard II und das Radarsystem Florida. Zur Armeepolitik verfasste er die Bücher «Schwarzbuch EMD» und «Aktenzeichen EMD».

In seine Zeit als SP-Präsident fiel die Öffnung der Arbeiterpartei für die Generation der 1968er-Bewegung und die Aufnahme neuer sozialdemokratischer Kernthemen wie Umweltschutz, Atomkraft oder Gleichberechtigung. Damit eckte er nicht nur bei bürgerlichen Politikerinnen und Politikern an, sondern auch beim konservativen Flügel der SP.

Gerade die politische Weitsicht von Hubacher imponierte vielen. So auch seinem Partei- und Ratskollegen Rudolf Rechsteiner: «Jetzt im hohen Alter von 94 hat er vor der Klimaerwärmung gewarnt und sagte, es geht zu wenig. Dass muss man Mal vormachen, so etwas, mit 94 denkt er an die junge Generation, also er war eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Wir verlieren einen wertvollen Menschen und das schmerzt.» Durch das schreiben und lesen von mehreren Tageszeitungen sei Hubacher immer im Bilde gewesen, was passiert und er konnte, «mit wenigen Worten, einem Satz, Dinge auf den Punkt bringen», so Rechsteiner.

Niederlage bei Wahl von Otto Stich

Stark unter Beschuss geriet Hubacher, als er 1982 mit einer Delegation der SP in die damalige DDR reiste und auch mit SED-Generalsekretär Erich Honecker zusammentraf.

Hubacher musste einige Niederlagen einstecken. Zu den grössten gehörte 1983 sein gescheiterter Versuch, die Zürcher Nationalrätin Lilian Uchtenhagen (1926-2016) als erste Bundesrätin zu portieren.

Die Eidgenössischen Räte wählten an ihrer Stelle den nicht zur Wahl aufgestellten Solothurner Nationalrat Otto Stich. Hubacher stellte nach dieser Niederlage gar einen Austritt seiner Partei aus dem Bundesrat zur Debatte.

Ein Leben für die SP

Hubacher war ein Leben lang der Sozialdemokratie verbunden. In den 1940er-Jahren lernte er bei den Basler Jungsozialisten seine Frau Gret kennen, die er 1959 heiratete und mit der er drei Kinder hatte. Mit ihr zog er sich ins jurassische Dorf Courtemaîche zurück. Ebenfalls in den 1940 lernte er den späteren Basler Ständerat Carl Miville kennen. Ein grosses politisches Talent, welches es geschafft habe, verschiedene Strömungen zusammenzuführen, sei Helmut Hubacher gewesen. Das, aber ohne seine eigenen Überzeugungen aufzugeben, so der 99-jährige Miville auf Anfrage von Telebasel am Telefon.

Seine Jugend hatte der 1926 geborene Hubacher in Zollikofen bei Bern verbracht. Nach seiner SBB-Beamtenlehre war er zunächst Stationsbeamter, danach aber viele Jahre lang Gewerkschaftssekretär.

Er begann im Eisenbahnerverband, von 1953 bis 1963 war er Sekretär beim VPOD und bis zu seiner Pensionierung 1991 im Sekretariat des Basler Gewerkschaftsbunds tätig.

Leidenschaftlicher Autor

Hubachers Leidenschaft galt stets auch dem Schreiben. 1963, als er als Nachrückender in den Nationalrat einzog, wurde er Chefredaktor der sozialdemokratischen «Basler AZ» und ab 1970 des AZ-Rings.

Ein vielbeachteter Schreiber blieb er auch nach seinem Rücktritt aus der Parlamentspolitik. Sein 1994 erschienenes Buch «Tatort Bundeshaus» besetzte monatelang Platz eins der Schweizer Sachbuch-Bestsellerliste.

Hier finden Sie den letzten Telebasel-Talk, bei dem Hubacher zu Gast war.

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