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Der Telebasel Glam Beitrag vom 12. August 2020.
Basel

«Ach, das Meer» – Thomas Thüring stellt aus

Der Basler Künstler Thomas Thüring ruft mit seiner Ausstellung «Ach, das Meer» Kindheitserinnerungen und Sehnsucht nach unbeschwerten Zeiten hervor.

Zurzeit stellt der Basler Künstler Thomas Thüring in der Galerie Katapult verschiedene Installationen, Bilder und Objekte aus.

Der Name seiner Ausstellung «Ach, das Meer» lässt den Besucher vermuten, dass man in eine tief blaue Unterwasserwelt getaucht wird. Aber schon beim Betreten der Galerie ist klar, da geht es um viel mehr als nur ums Meer. «Meine Objekte und Installationen haben nicht immer etwas mit dem Meer zu tun. Beim Titel handelt es sich mehr um eine Symptom-Interjektion. Bei Ach, das Meer ist mehr die Sehnsucht gemeint, die man verspürt, wenn man an das Meer denkt. Genau solche Gefühle sollen meine Werke beim Betrachter auslösen», sagt Thomas Thüring zu Telebasel.

«Dr Seeleu»

Viele Objekte der Ausstellung rufen beim Betrachten Kindheitserinnerungen und Sehnsucht nach der unbeschwerten Zeit als Kind hervor. So auch der kleine Seelöwe der auf einem Luftpolster schwimmt. Die Augen des Seelöwen wirken echt und geben dem Tier aus Holz eine Seele. Schon auf den ersten Blick schon, verliebt man sich in das lächelnde Tier.

«Dieses Objekt ist eines meiner Lieblinge dieser Ausstellung. Inspiriert hat mich meine Kindheit. Als ich noch ein kleiner Junge war, sind meine Eltern mit mir am Sonntag immer in den Basler Zoo gegangen. Dort war jedesmal pünktlich um 16 Uhr die Seelöwen-Fütterung. Ich schaue sehr gerne auf dieses Zeit im Zolli zurück», so Thomas Thüring mit einem Strahlen in den Augen.

Nicht nur der Seelöwe ruft Erinnerungen hervor. Auch die Schildkröte Tolly die auf ihren langen dünnen Beinen, bei jeder Bodenvibration, fröhlich mit dem Kopf wackelt.

Um Erinnerungen geht es auch beim Objekt «Memories 2009 – 2019». Ganz hinten versteckt in der Galerie, so wie auch gewisse Erinnerungen im Kopf der Menschen versteckt sind, ist eine Speicherplatte ausgestellt. «Das ist meine alte Speicherplatte. Die Platte hatte einen mechanischen Defekt und leider wäre der finanzielle Aufwand, die Daten zu retten, riesig gewesen. Das heisst, meine ganzen Fotos, E-Mails usw. sind für immer auf dieser Platte gefangen. Ich habe dieses Objekt jetzt zum Speicher-Kunstwerk erklärt.» Als Symbol für das Leben, hat der Künstler noch einen Baum auf die Platte gemalt.

Wettkämpfe

Wenn man die Galerie Katapult betritt, sieht man als Erstes sechs farblich aufeinander abgestimmte Startblöcke, darüber parallel zueinander, hängen lange Spiegel.

Bei längerem Betrachten hat man das Gefühl, man rieche das Chlor aus dem Hallenbad und spüre die raue Oberfläche unter den Füssen. «Diese Installation heisst forget it, you’ll never make it, also: Vergiss es, du wirst es nie schaffen. Die Installation bedeutetet den Moment vor dem finalen Start von einem Wettbewerb. Die Spiegel sind so aufgehängt, dass der Betrachter sich in der Richtung des Wassers, also vom Start sieht. Die Betrachter stehen also immer individuell auf einem Block und stehen in einem Wettkampf zueinander», erklärt der Künstler.

Mit Wettkampf hat Thomas Thüring nicht nur sportliche Wettkämpfe im Sinn, sondern vielmehr auch die verschiedenen Wettkämpfe im Leben – und den Sprung in das kalte Wasser oder eben ins Ungewisse.

Der Name der Installation «forget it, you’ll never make it», ist mehr als nur ein Titel. «Der Name bedeutet, dass man Mut braucht, um auf diese Startblöcke zu steigen. Diese Worte können so verletzend sein, vor allem für ein Kind. Dieser Satz kann genau so schlimm sein wie physische Gewalt. Für mich sind diese Worte mehr eine Stärkung, dass ich es eben trotzdem schaffen werde», so Thomas Thüring stolz.

Beim Verlassen der Galerie Katapult fragt man sich, wann man das letzte mal den Satz «vergiss es, du wirst es nie schaffen» gehört hat, aber trotzdem in das kalte Wasser gesprungen ist.

Die Ausstellung «Ach, das Meer» von Thomas Thüring ist noch bis und mit dem 14. August 2020 in der Galerie Katapult zu sehen. 

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