Virologe Christian Drosten hält die zweite Welle für verhinderbar. (Bild: Keystone)
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Star-Virologe will mit Tagebüchern Kontakt-Ketten verhindern

Im Kampf gegen die zweite Coronavirus-Welle schlägt Star-Virologe Christian Drosten Übertragungsketten möglichst früh zu stoppen. Mit Kontakttagebüchern.

Die Angst vor einer zweiten Coronavirus-Welle ist gross. Mit den steigenden Corona-Zahlen stellt sich die Frage, ob sie bereits in der Schweiz angekommen ist.  Der deutsche Star-Virologe Christian Drosten gibt in der «Zeit» Vorschläge, wie sich diese verhindern lassen könnte, so ein Bericht von «Blick».

Weil das Virus bei der zweiten Welle nicht von aussen kommt, also wie beim Ausbruch der Pandemie durch Reisende eingeschleppt wird, könne ein zweites Aufbäumen des Virus eine ganz andere Dynamik haben.

Covid-19 sei nun in fast allen Bevölkerungsschichten angekommen, was das Nachverfolgen von Infektionsketten schwierig macht. Nun treten Neuansteckungen zeitgleich und flächendeckender auf. So kann etwas der Kanton Basel-Stadt knapp einen Drittel der Ansteckungsorte bei positiven Fällen nicht mehr nachvollziehen. Beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) beläuft sich diese Zahl sogar auf etwa 40 Prozent.

Zweite Welle verhinderbar

Deshalb sind präventive Massnahmen umso wichtiger. Die zweite Welle sei verhinderbar, so Drosten. Für exponentielle Verbreitungen sind vor allem Mehrfachübertragungen, sogenannte Cluster oder Superspreader-Fälle, verantwortlich.  Sie starten neue Infektionsketten.

Die zweite Welle lässt sich trotzdem verhindern, argumentiert Drosten. Denn das Virus werde nicht gleichmässig verbreitet. Für die exponentielle Verbreitung seien Mehrfachübertragungen verantwortlich, die Drosten Cluster nennt. Diese Cluster, in der Schweiz auch Superspreader-Fälle genannt, starten neue Infektionsketten.

«Der Blick zurück ist wichtiger als der Blick nach vorn», so Drosten. Wenn als ein Erkrankter im Grossraumbüro, an einer Party oder an einem Fussballspiel war, müssen laut dem Virologen sofort alle Mitarbeiter und Besucher dieses  sogennanten «Quellclusters» in Quarantäne. Dies pauschal und ohne Test, dafür reiche die Zeit nämlich oft nicht.

Für die Quarantäne empfiehlt Drosten eine verkürzte Isolierung, die nur fünf Tage dauert. Dann müssten die Personen getestet werden. Wer dann positiv sei, müsse isoliert bleiben. Diese Strategie erfordert penibles erfassen aller Kontakte. Drostens Vorschlag: Jeder soll im Winter ein Kontakttagebuch führen.

Dies würde einen schnellen Anstieg der Neuinfektionen besser verhindern, als das bisherige gezielte Isolieren von Infizierten, so der Virologe. Bis ein erkrankter Symptome zeige, sei er oft gar nicht mehr ansteckend. So fordert Drosten, dass mit den Corona-Tests vor allem getestet wird, ob jemand ansteckend ist – nicht, ob jemand angesteckt ist. Die gängigen Tests würden mit der  Viruslast die entscheidende Information bereits liefern.

Mitdenken von allen nötig

«Nehmen die Neuinfektionen plötzlich stark zu, brauchen wir einen pragmatischen Weg zum Stopp des Clusterwachstums: ohne Lockdown, dafür mit Restrisiko», so die Argumentation von Drosten. Das  Mitdenken der gesamten Bevölkerung, der Arbeitgeber und der Politik  sei dringend notwendig.

Der Starvirologe kritisiert, dass zwar viel Neues über das Virus gelernt werde, dies aber nur zögerliche Umsetzung findet. So sei inzwischen klar, dass das Virus sich vor allem über Aerosole in der Luft überträgt. Man müsse die Frage zu beantworten, welche technischen Lösungen es etwa in öffentlichen Gebäuden braucht, um einen hinreichenden Luftaustausch sicherzustellen.

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