Brosche und Plakate fotografiert an Medienkonferenz des Ja-Komitees für einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub. (Foto: Key)
Schweiz

Zwei Wochen Vaterschaftsurlaub – Einigkeit bei grossen Parteien

Ein zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub könnte bald Realität werden. Jedenfalls befürworten diesen Schritt die Vertreter aller grossen Parteien in der Schweiz.

Angesichts moderner Familienmodelle sei es höchste Zeit, dass die Schweiz einen gesetzlich geregelten Urlaub einführe, sagte Travail-Suisse-Präsident Adrian Wüthrich am Donnerstag vor den Bundeshausmedien. Für den Präsidenten des Ja-Komitees eines zweiwöchigen Vaterschaftsurlaubs handelt es sich bei der Vorlage um einen Kompromiss.

Dieser ist breit abgestützt, wie die Zusammensetzung des Komitees «Vaterschaftsurlaub jetzt» zeigt. Vertreterinnen und Vertreter von links bis rechts wollen den Vaterschaftsurlaub. Er freue sich auf die Abstimmung, sagte Wüthrich. Unter anderem verschiedene Abstimmungsumfragen stimmten ihn zuversichtlich.

«Familienpolitisches Entwicklungsland»

Der Walliser SP-Nationalrat Mathias Reynard kritisierte, die Schweiz sei das einzige Land in Europa, dass keinen Vaterschaftsurlaub und keine Elternzeit kenne. «Die Schweiz ist ein familienpolitisches Entwicklungsland», sagte auch die St. Galler Nationalrätin Susanne Vincenz-Stauffacher.

Den Vaterschaftsurlaub brauche es für eine faire Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern in Haus- und Erwerbsarbeit, sagte die Baselbieter Ständerätin Maya Graf (Grüne). «Die heutige Regelung ist aus der Zeit gefallen», monierte die Berner GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy.

Amaudruz wird zur Ja-Sagerin

Mit der Genfer SVP-Nationalrätin und -Vizepräsidentin Céline Amaudruz gehört auch eine bekannte Politikerin der Partei zu den Befürworterinnen, welche zusammen mit den Jungfreisinnigen das Referendum gegen einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub ergriffen hatte.

«Mit dem Vaterschaftsurlaub investiert die Schweiz in die Zukunft», sagte sie. Die KMU hätten sich immer so organisiert, dass sie Personal zum Wohle der Allgemeinheit hätten freistellen können. Sie und weitere SVP-Vertreter würden bei dieser Vorlage ausnahmsweise zu Ja-Sagern, witzelte Amaudruz.

«Pragmatischer Kompromiss»

Die Gegner eines Vaterschaftsurlaubs sehen keinen Grund dafür, dass Väter nach der Geburt eines Kindes bezahlten Urlaub erhalten sollen. Kritisiert werden die «Gratis-Ferien», die alle mit Lohnabzügen finanzieren müssten.

Der Bündner CVP-Nationalrat Martin Candinas konterte: «Die ersten Wochen nach der Geburt sind einmalig und entscheidend für den Beziehungsaufbau zwischen Kind und Eltern», sagte er. Vaterschaft in der Schweiz dürfe nicht länger so behandelt werden wie ein Wohnungsumzug. Der Kompromissvorschlag sei pragmatisch und finanzierbar.

Elternzeit nicht vom Tisch

Bereits gibt es indes Pläne für Projekte, die eine längere Elternzeit verlangen, welche die Eltern zu einem Teil frei unter sich aufteilen könnten. Verschiedene Fraktionen hatten sich im Parlament für ein solches Modell ausgesprochen.

Am Donnerstag wichen die Verantwortlichen der Frage weitgehend aus, was nach dem zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub kommen könnte. Die Diskussion sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht opportun, sagte Wüthrich. Die im Parlament hängigen Vorstösse «haben nichts mit diesem Anliegen zu tun», sagte Graf.

Die bürgerlichen Vertreter sagten jedoch unisono, dass eine Diskussion über eine Elternzeit bei einem Ja zum Vaterschaftsurlaub erst mal nicht angezeigt sei. «Das ist dann genug» sagten Candinas und Vincenz-Stauffacher.

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