Die Mieter dieser Liegenschaften müssen raus. (Bild: Google Maps)
Basel

Zurich Versicherung kündigt innert einer Woche 71 Mietparteien

Im Gellert und im Gotthelfquartier hagelt es für Mieter Kündigungen. Die Zurich Versicherung will renovieren.

71 Basler Mietparteien haben in den letzten Tagen von der Zurich Versicherung ein Kündigungsschreiben bekommen. Betroffen sind Liegenschaften im Gellert und im Goffhelfquartier. Über die Massenkündigung von 26 Parteien im Gotthelf informierte der Basler Mieterverband am Montag. Die betroffenen Häuser an der Sennheimstrasse 50, 52 und 54 seien erst 37 Jahre alt.

Die Zurich Versicherungen betonen, dass diese Zeitspanne nicht ausserordentlich kurz sei: «Der Lebenszyklus von grosszyklischen Sanierungen an Liegenschaften beträgt rund 40 Jahre», schreibt David Schaffner, Mediensprecher der Zurich auf Anfrage von Telebasel. Geplant seien umfassende Sanierungen. Zudem zeige die Analyse, dass der Raum besser ausgenutzt werden könne.

Der Mieterverband warnt vor einer «Masche», die auch im Gotthelfquartier zur Anwendung komme. Wer eine Erklärung unterzeichne, dürfe etwas länger bleiben. Mit der Unterschrift verzichte man aber auf sämtliche Einsprachen gegen rechtswidrige Kündigungen und Baugesuche sowie auf ein längeres Bleiberecht von bis zu vier Jahren. Als «Schlangenfängerpolitik» bezeichnet der Mieterverband dieses Vorgehen.

Mieterverband bereitet Sammelklage vor

Gerade in Zeiten von Corona sei dieses Vorgehen empörend, heisst es in der Medienmitteilung des Mieterverbandes. Es sei bereits das dritte Mal in Pandemie-Zeiten, dass die Zurich Versicherungen mit dieser Taktik Massenkündigungen vollstrecke. Auch in diesem Falle organisiere der Mieterverband eine Sammelklage dagegen.

«Zurich hat den Mietern einen fairen, marktüblichen und juristisch korrekten Vorschlag zur Erstreckung der Mietfrist gemacht. Sie erhalten damit die Möglichkeit, noch bis Juli 2022 in der Liegenschaft zu bleiben und innerhalb von zwei Jahren eine neue Wohnung zu suchen», argumentiert David Schaffner. Man unterstütze die Mieter ausserdem bei der Suche nach einer neuen Bleibe.

Höhere Immobilien-Gewinne seien in öffentlichem Interesse

Patrizia Bernasconi, Geschäftsleiterin des Mieterverbandes, teilt nicht nur gegen den Zurich-Konzern, sondern auch gegen die Basler Regierung aus. Dass die Massenkündigungen trotz der angenommenen Basler Wohnschutz-Initiativen passieren, gehe auf deren Kappe: «Nur aufgrund des Untätigbleibens der Basler Behörden sind solche Flächenbrände überhaupt noch möglich».

Ein Zusammenhang mit den Wohninitiativen bestehe beim Zeitpunkt der Kündigungen nicht, heisst es bei Zurich. «Angesichts des Tiefzinsumfelds besteht ein öffentliches Interesse, dass die Versicherten mit ihren Pensionskassenmitteln, die in Immobilien investiert sind, eine angemessene Rendite erzielen können und sanierungsbedürftige Liegenschaften in der üblichen Frist saniert werden.»

1 Kommentar

  1. Wieder einmal mehr Kostenerhöhung auf Kosten der älteren Mieter, die ja die nachfolgenden Mieten nicht mehr zahlen können. Typisch Versicherung.Report

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