Noch immer protestieren die Menschen in Bulgarien gegen die Regierung. (Bild: Keystone)
International

Weitere Proteste in Bulgarien trotz Corona-Geldern

Bulgariens Regierung hat vor dem Hintergrund von Rücktrittsforderungen ein weiteres Corona-Hilfspaket beschlossen. Protesten tat dies keinen Abbruch.

Die wirtschaftlichen und sozialen Massnahmen kosten den Staat 1,1 Milliarden Lewa (rund 590 Millionen Euro), wie die Regierung in Sofia am Montag mitteilte. Die Proteste gegen die Regierung von Ministerpräsident Boiko Borissow gingen trotz des neuen Corona-Pakets den 19. Abend in Folge weiter. Die Demonstranten in dem ärmsten EU-Land stellen politische und soweit keine wirtschaftlichen Forderungen. In Sofia und anderen grossen Städten verlangen sie seit fast drei Wochen Neuwahlen.

Die Demonstranten werfen der seit 2017 amtierenden bürgerlich-nationalistischen Regierung Korruption und Verbindungen zu einem Oligarchen vor. Die Regierung schliesst wegen der Corona-Krise einen Rücktritt aus: «Es stehen ausserordentlich schwierige Monate bevor», sagte Borissow. «Nur unsere Verantwortung hält uns an der Macht.»

Stärkere Unterstützung für Gesundheitswesen

Die Regierung will nun Kliniken, Ärzte und Krankenschwestern gegen das Coronavirus stärker unterstützen. Es soll Zuschüsse zu den vom Staat gezahlten Renten geben. Ausserdem sollen Investitionen in die Infrastruktur sowie der IT-Sektor gefördert werden.

Auch der für Bulgarien wichtige Tourismussektor, der wegen der Corona-Pandemie schwer angeschlagen ist, wird weiter unterstützt. Reiseunternehmen, die Urlauber nach Bulgarien bringen, sollen subventioniert werden. Der Mehrwertsteuersatz für Reisebüros soll von jetzt 20 auf neun Prozent herabgesetzt werden – also auf den Satz für die Gastronomie und Hotels. Für 38 000 Ärzte und Krankenschwestern, die Corona-Patienten behandeln, wird es Gutscheine für einen Teil des Urlaubs im eigenen Land geben.

Nach einem gescheiterten Misstrauensantrag gegen die Regierung hatte Borissow sein Kabinett am Freitag umgebildet. Die oppositionellen Sozialisten hatten das Misstrauensvotum im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen beantragt. Auch Staatschef Rumen Radew, der den Sozialisten nahe steht, verlangt Neuwahlen.

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